Donnerstag, 19. Juni 2008 16:01
Warum gibt es keine politischen Initiativen gegen die Kinderabtreibung in Österreich? Weil die Politiker nicht bischöflicher sein wollen als die Bischofskonferenz. Von Diplom-Ingenieur Andreas Kirchmair.


Der engagierte österreichische Lebensrechtler Andreas Kirchmair.
(kreuz.net) Als sich christliche Politiker vor dreißig Jahren in Österreich noch für den Lebensschutz
einsetzten, wurden sie von Kardinal und Bischöfen eingebremst.
Heute gibt es auch deshalb fast keine
politischen Initiativen gegen die Abtreibung, weil „uns sonst die Bischöfe wieder in den Rücken fallen“
und weil „wir nicht bischöflicher sein wollen als die Bischofskonferenz“ sagen Politiker.
Diese zwei
mehrfach gehörten Zitate unterstreichen die heutige Realität und betonen das tiefe Mißtrauen zwischen
Kirche und Politik.
Viele kirchliche Verantwortungsträger sind unglaubwürdig geworden, weil beim Lebensschutz
ihre Worte und Taten seit langem nicht mehr übereinstimmen.
Als moralische Instanz ausgespieltIn den
letzten Jahrzehnten hat eine Kirche gefehlt, die im Lebensschutz als moralische Instanz aufgetreten wäre
und vorgelebt und getan hätte, woran sie glaubt.
Angepaßte Bischöfe äußern sich immer wieder brav
zu tagespolitischen Themen, statt die Lehre der Kirche zu verkünden und der Sorge um die Seelen nachzukommen.
Als Belohnung für ihr „politisch korrektes“ Verhalten gegenüber dem Abtreibungsstaat werden sie mit
Orden der Republik ausgezeichnet.
Er sei kein
Abtreibungsschnüffler , sagte kürzlich ein österreichischer
Bischof bei einer öffentlichen Diskussion in Graz unverblümt.
Die meisten österreichischen Bischöfe
(Ausnahme Weihbischof Andreas Laun von Salzburg) – arbeiten politisch korrekt mit der zweifelhaften ‘
Aktion
Leben Österreich’ zusammen.
Diese hat sich gegenüber den 70er Jahren komplett gewandelt. Sie unterstützt
heute das Gesetz der Fristentötung und führt sogenannt ergebnisoffene Beratungen durch. Wie Donum Vitae
in Deutschland, wo der Papst der katholischen Kirche die Mitarbeit untersagt hat. Doch das schert die
Bischöfe hier nicht.
Auch die meisten Geistlichen sorgen sich im Lebensschutz nicht um ihre ungeborenen
Geschwister. In ihrer Argumentation sind sie in den 70er Jahren steckengeblieben: „Helfen statt strafen“
oder noch klarer „weder helfen noch strafen“. Sie erinnern an den Priester im Gleichnis vom barmherzigen
Samariter, der den Überfallenen sieht und weitergeht.
Das Thema Kindestötung hat für sie nur geringe
Priorität.
Im Laufe der Jahre haben sich führende Vertreter der Amtskirche und katholischen Organisationen
von der kirchlichen Lehre abgewandt und ihre eigene, politisch angepaßte „Lehre“ zum Lebensschutz Ungeborener
entwickelt.
Kirchensteuer vor LebensschutzDas Evangelium des Lebens, das Abtreibung als schreckliches
Verbrechen bezeichnet und die daran Beteiligten exkommuniziert, wird in Kirchenkreisen weitgehend totgeschwiegen –
aus Sorge um die Kirchensteuer und aus Untreue zum Papst.
Aktive Lebensschützer sind höchst unerwünscht.
Sie stören den faulen Frieden zwischen Kirche und Politik.
Wer für Evangelium Vitae und für die Haltung
des Papstes eintritt, erfährt aus Kirchenkreisen den schärfsten Widerstand.
Von allen gesellschaftlichen
Gruppen hat sich keine so weit vom eigenen Maßstab – dem Evangelium – entfernt wie jene Katholiken und
jene Hirten, die sich nicht um die Abtreibungsopfer kümmern, die Kinder, die grausam getötet und die
Mütter, die seelisch und psychisch geschändet wurden und werden.
Die Ortskirche ist beim Lebensschutz
Ungeborener durch ihre vielen Widersprüche heute gelähmt und de facto wirkungslos. Sie ist Teil des
Problems und (noch) nicht der Lösung und hat daher zuallererst vor ihrer eigenen Tür zu kehren. Sie
muß sich fragen, warum sie Jesus in den Ungeborenen verleugnet hat und deutliche Beweise einer radikalen
Umkehr setzen. Dazu halte ich eine päpstliche Visitation für unerläßlich.
Der Verfasser ist verheiratet,
Vater von vier Kindern und selbständiger Unternehmensberater in der Steiermark.