Mittwoch, 18. Juni 2008 16:08
In einem ungewöhnlich offenen Interview legte ein US-amerikanischer Erzbischof die Gründe für sein scharfes Vorgehen gegen die Legionäre Christi offen.


Webseite der Legionäre Christi auf Deutsch.
(kreuz.net, Baltimore) Der Erzbischof von Baltimore, Mons. Edwin O’Brien, hat offenbar schon daran gedacht,
die Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi aus seiner Diözese zu verbannen.
Das erklärte Mons. O’Brien
vor dem Vatikanisten der liberalen US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, John Allen.
Am 6. Juni
forderte Mons. O’Brien die Legionäre schriftlich auf, ihre Aktivitäten in der Erzdiözese Baltimore
über einen Verbindungspriester detailliert
offenzulegen.
Vor dem ‘National Catholic Reporter’ hat er
nun die Vorgeschichte dieser Entscheidung bekanntgegeben.
Dem Erzbischof fehlt im Apostolat und in den
geistlichen Begleitungen der Legionäre die Transparenz, obwohl diese viel Gutes täten. Der Erzbischof
lobt deren Arbeit zu 96 Prozent:
„Doch zu vier Prozent sind sie beinahe eine Sekte. Es handelt sich nur
um vier Prozent, aber wenn es sich dabei um unmoralische oder gar illegale Vorgangsweisen handelt …“.
Der Erzbischof sieht bei der Seelenführung der Legionäre die Tendenz, daß dabei gesagt wird: „Wir
repräsentieren Gott. Du kannst uns alles sagen, und du solltest glauben, daß das, was wir sagen, auch
von Gott ist. Wenn Deine Eltern widersprechen, dann wissen wir es besser. Wir sind im Gott-Geschäft,
und sie sind es eben nicht.“
Mons. O’Brien erklärte in diesem Frühjahr vor dem Priesterrat seiner Erzdiözese,
in Sachen Legionäre an ein Ende angekommen zu sein: „Wir können nicht so weiterfahren und werden die
Legionäre bitten müssen, unsere Erzdiözese zu verlassen.“
Der Priesterrat habe mit spontanem Applaus
reagiert – berichtet der Erzbischof.
Manche Priester wünschen sich von ihm ein schnelleres und härteres
Durchgreifen gegen die Legionäre.
Doch Mons. O’Brien wurde von mehreren wichtigen Leuten aus Rom, darunter
einige Kardinäle, gebeten, zumindest eine Begegnung mit dem Generaloberen der Legionäre Christi, Pater
Alvaro Corcuera Martinez del Rio, abzuwarten.
Der Erzbischof kennt den gegenwärtigen Generaloberen der
Legionäre noch aus der Zeit, als er selber Rektor des großen Nordamerikanischen Priesterseminars in
Rom war.
Vorletzte Woche hat er mit Pater Corcuera und seiner rechten Hand, Pater Raymond Cosgrave, ein
„herzliches“ Gespräch geführt: „Ich will ihm eine Chance geben.“
Der Erzbischof hofft, daß der Orden
mit ihm zusammenarbeiten wird, damit er ihn nicht wie der liberale Erzbischof von St. Paul und Minneapolis,
Mons. Harry Flynn, aus seiner Erzdiözese
verbannen müsse.
Pater Corcuera war laut Mons. O’Brien für
alle Anfragen sehr offen.
Seine rechte Hand, Pater Cosgrave, bat bei dem Treffen von sich aus um eine
Liste mit den Punkten, welche die Legionäre ohne weiteres erfüllen würden – erzählt der Erzbischof:
„Damit hatte ich nicht gerechnet.“
Der Erzbischof hatte bereits zuvor eine Liste mit
Bedingungen erstellt,
die für den weiteren Verbleib der Legionäre in der Erzdiözese Baltimore zu erfüllen sind. Als Verbindungspriester
zur Erzdiözese haben die Legionäre den Oberen in Washington bestimmt.
Das Verhältnis zum Gründer
Angesprochen auf die päpstliche de facto
Suspendierung des inzwischen verstorbenen Ordensgründers, Pater
Marcial Maciel Degollado, antwortete Mons. O’Brien, daß diese Maßnahmen in aller Ehrlichkeit angeschaut
werden müßten.
Mons. O’Brien ist davon überzeugt, daß die Glaubenskongregation niemals ein so hartes
Urteil gefällt hätte, wenn nicht eine erdrückende Beweislage vorgelegen wäre.