Donnerstag, 19. Juni 2008 20:08
Die Katze läßt das Mausen nicht
Es ist lang bewiesen, daß die Nachfrage nach der Alten Messe massiv steigt. Die Bischöfe versuchen trotzdem, die Wirklichkeit über die Medien zu verdrehen.
Beweihräucherung des Priesters
Beweihräucherung des Priesters
(kreuz.net, Rottenburg) Die katholische Nachrichtenagentur ‘KNA’ hat zum bevorstehenden Jahrestag des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ zwei Kritiker der päpstlichen Freigabe der Alten Messe um eine Wortspende gebeten.

Die Agentur sprach mit dem Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Mons. Gebhart Fürst, und mit dem umstrittenen Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards.

Bischof Fürst hat in seiner Diözese, in der es zahlreiche Niederlassungen der Piusbruderschaft gibt, angeblich keine „stark gestiegene“ Nachfrage nach Alten Messen registriert.

Gleichzeitig gesteht er beschwichtigend, daß es „sicher am einen oder anderen Ort verschiedentlich Einzelpersonen oder kleine Gruppen“ gäbe, die auf die Einführung einer Alten Messe „drängen“.

Aber für den Bischof treten die Altgläubigen zahlenmäßig nicht so in Erscheinung, daß er sich daraus „im Sinne des Motu proprio“ zu Konsequenzen verpflichtet fühlt.

Das Motu Proprio redet an keiner Stelle von einer bestimmten Anzahl der Gläubigen noch von einer bischöflichen Erlaubnis für die Alte Messe.

Von der Priesterbruderschaft St. Pius X. hat Mons. Fürst „leider“ und nicht ohne Pharisäismus den Eindruck, daß sie „diese Geste der Versöhnung“ nicht annehmen.

Kirchen zurückerobern
Der Bonner Liturgiewissenschaftler Gerhards hat den Eindruck, daß die Einrichtung weiterer Zelebrationsorte für die Alte Messe von einigen Gruppierungen „wie ein Eroberungsfeldzug betrieben“ werde.

Wenn je daran geglaubt worden sei, daß sich die Piusbruderschaft mit dem Motu Proprio zurück ins Boot holen lasse, dann seien die Verhältnisse jetzt geklärt – polemisiert er weiter.

Der Liturgiker bedauert, daß Bischöfe, die ‘Summorum Pontificum’ eher restriktiv anwenden, in „die Schußlinie“ geraten.

Gerhards sieht sogar einen „Generalverdacht“ gegen die Befürworter der nachkonziliaren Liturgiereform. Auf den Webseiten der Altgläubigen liest er eine „erschreckende Häme“.

Ferner stellt er fest, daß das, was lange Zeit als positive Errungenschaft der Liturgiereform gegolten habe, zunehmend als Verflachung des eigentlich Katholischen „dargestellt“ werde.

Als Beispiele nennt er die Zelebration mit dem Rücken zum Herrn, die Preisgabe der Kirchensprache, die Handkommunion und die Einführung von weiblichen Ministranten.

© Titelbild: Lawrence OP, CC
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