Freitag, 20. Juni 2008 09:04
In seinem Heimatland wird er „kleiner Ratzinger“ genannt. Außerdem soll er sich nicht den „Kriterien gefügt“ und „lästig“ gewesen sein.


Der Erzbischof von Toledo, Antonio Kardinal Cañizares Llovera
(kreuz.net) Der Erzbischof von Toledo, Antonio Kardinal Cañizares Llovera (62) wird an die römische
Kurie berufen. Das berichtete die spanische Tageszeitung ‘El Mundo’ gestern.
Der Kardinal soll in Kürze
zum Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Disziplin der Sakramente ernannt werden.
Damit wird er die Nachfolge des nigerianischen Kurienkardinals Francis Arinze (75) antreten.
Die offizielle
Mitteilung der Ernennung könnte noch diese Woche geschehen. Quellen in Madrid und Rom versichern, daß
die Sache definitiv sei.
Kardinal Cañizares gilt als der konservativste unter den spanischen Kardinälen.
Es wird ihm auch eine besondere Übereinstimmung mit der Theologie des Papstes nachgesagt.

Der nächste Liturgiepräfekt?
Die beiden
kennen sich seit vielen Jahren und teilen die gleichen Vorstellungen über die Kirche und die Gesellschaft.
Sie sorgen sich beide um das Schwinden der kulturellen Bedeutung der Kirche.
Deswegen und wegen seines
Aussehens wurde er in seinem Heimatland auch schon „kleiner Ratzinger“ genannt.
Die Versetzung des Kardinals
nach Rom könnte auch einer gewissen Beruhigung der innerkirchlichen Lage in Spanien dienen.
In der Vergangenheit
traten Spannungen zwischen ihm und dem Erzbischof von Madrid, Antonio Kardinal Rouco Varela (71), in der
Frage der Bischofsernennungen zutage.
Kardinal Rouco ist der gegenwärtige Präsident der spanischen
Bischofskonferenz.
Ihm verdankt Kardinal Cañizares seine kirchliche Karriere. Über lange Zeit herrschte
zwischen beiden eine große Harmonie.
Am Sitz der spanischen Bischofskonferenz sprach man von den „drei
Antonios“ – Antonio María Kardinal Rouco, Antonio Kardinal Cañizares und der Jesuit und Weihbischof
von Madrid, Mons. José Antonio Martínez Camino.
Doch diese Troika brach auseinander, weil Kardinal
Cañizares – nach Medienberichten – zur Überzeugung kam, daß die „kirchliche Glaubwürdigkeit“ im Spanien
der kirchenfeindlichen Sozialisten auf dem Spiele stand.
Er soll sich in diesem Zusammenhang „nicht den
Kriterien unterworfen und lästig“ gewesen sein.
Mit der Ernennung versucht der Vatikan möglicherweise
auch, die Zeit der Konfrontation mit der sozialistischen Regierung zu beenden und Verständnis und Zusammenarbeit
in der gegenwärtigen Legislaturperiode zu fördern.
Doch zugleich ist Kardinal Cañizares auch dafür
bekannt, sich mit der gegenwärtigen sozialistischen Vize-Regierungschefin María Teresa Fernández de
la Vega (59) sehr gut zu verstehen.
Frau Fernández de la Vega schätze die offene und direkte Art des
Kardinals, Probleme auf den Tisch zu bringen und zu lösen. Sie war maßgeblich an der Einführung des
widernatürlichen Homo-Konkubinats in Spanien beteiligt.
Spanische Kirchenkreise gehen davon aus, daß
der Erzbischof von Bilbao, Mons. Ricardo Blázquez Pérez (66), neuer Erzbischof von Toledo werden könnte.