Mittwoch, 25. Juni 2008 17:34
Ein Rekurs bei ‘Ecclesia Dei’ ist ohnehin sinnlos
Was tut der Papst, wenn sich ein Bischof weigert, das Motu Proprio umzusetzen? Antwort: bei dem Bischof weitere schriftliche Informationen einholen und die Sache dann auf sich beruhen lassen.
Bischof Rivest präsentiert sich auf seiner Webseite für eine Sammlung mit dem Spruch: "Geben wir großzügig."
Bischof Rivest präsentiert sich auf seiner Webseite für eine Sammlung mit dem Spruch: „Geben wir großzügig.“
(kreuz.net, Chicoutimi) Der Bischof von Chicoutimi in Kanada, Mons. André Rivest (66), weigert sich, dem Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ zu gehorchen.

Das berichtete die Priesterbruderschaft St. Pius X. auf ihrer Webseite ‘dici.org’. Die Stadt Chicoutimi liegt in der Provinz Québec im Osten Kanadas.

Im Frühling baten mehr als einhundert Gläubige einen Pfarrer der Diözese, Prälat Jean-Roch Gaudin, einmal im Monat in einer seiner drei Kirchen eine Alte Messe zu feiern.

Der Prälat fühlte sich gemäß den Anordnungen des päpstlichen Motu Proprio verpflichtet, die Bitte umzusetzen.

Da die Gläubigen aus mehreren Pfarreien stammen, informierte er den Ortsbischof über die geplante Messe.

Am 19. Mai machte Bischof Rivest die vorgesehenen zwölf Messen pro Jahr zu einem Diskussionsthema während
Bischof Rivest
„Der Papst wird in dieser Sache sicherlich nicht einschreiten und den Bischof verpflichten, in seiner Diözese eine Tridentinische Messe zu erlauben“
einer Tagung des diözesanen Priesterrates.

Am Tag darauf rief er Prälat Gaudin an und verbot ihm, dem Antrag der Gläubigen stattzugeben.

Der ungehorsame Bischof begründete seine Entscheidung mit mehreren Scheingründen. Prälat Gaudin veröffentlichte die bischöflichen Vorwände in seinem Pfarrbrief.

Zunächst behauptet Bischof Rivest, daß es in der Pfarrei des Prälaten und in der ganzen Diözese keine „feste Gruppe“ gäbe, wie sie angeblich vom Motu Proprio zur Einführung der Alten Messe gefordert sei.

Bei den Unterzeichnern des Antrags handelt es sich nach Darstellung des Bischofs nur um eine Sammlung von Personen aus der ganzen Diözese, die angeblich – obwohl sie getaufte und praktizierende Katholiken sind – keine Beziehung zueinander hätten.

Dann behauptet der Bischof, daß seine Diözese durch die Alte Messe „gespalten“ würden.

Schließlich erklärt Mons. Rivest, daß er den Zelebranten und sogar die Gläubigen prüfen müsse, ob sie mit der Alten Messe vertraut seien und gute Lateinkenntnisse nachweisen könnten: „Unter den Unterzeichnern erfüllen nur wenige diese Kriterien“ – erklärt der Bischofs siegesgewiß.

In seinem Pfarrbrief schließt sich Prälat Gaudin der Meinung seines Oberhirten an.

Er empfiehlt den Altgläubigen, 200 Kilometer weit zur nächsten Alten Messe in die Stadt Québec zu fahren.

Machtlos
Einen Rekurs bei der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ bezeichnet Bischof Rivest gleich vorweg als sinnlos:

„Für die pastorale Sorge und die Liturgie in einer Diözese ist nicht der Papst der oberste Verantwortliche, sondern der Bischof“ – behauptet er.

Der Heilige Vater respektiere diese Verantwortung gewöhnlich – außer es gäbe „sehr, sehr, sehr“ schwerwiegende Gründe:

„Der Papst wird in dieser Sache sicherlich nicht einschreiten und den Bischof verpflichten, in seiner Diözese eine Tridentinische Messe zu erlauben“ – ist sich Mons. Rivest sicher.

Er werde lediglich um zusätzliche Informationen bitten und die bischöfliche Entscheidung respektieren.

Mit dem daraus resultierenden Papierkram werde der Bischof – Mons. Rivest meint sich selber – nur „sinnlos Zeit vergeudet haben“.
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