Sonntag, 29. Juni 2008 08:41
Besonderer ökumenischer Charakter + Merkwürdige Nominierung + Der Papst bei der Gemeinderatssitzung? + Abtreibung und Kindermord + Bestandsanalyse
Besonderer ökumenischer CharakterVatikan. Papst Benedikt XVI. eröffnete gestern abend mit einer feierlichen
Vesper in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern das Paulus-Jahr. In seiner Ansprache würdigte
der Papst die Anwesenheit des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.:
„Es ist mir eine tief empfundene Freude, daß die Eröffnung des Paulusjahres durch die Anwesenheit zahlreicher
Delegierter und Vertreter anderer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften, die ich mit offenem Herzen empfange,
auch einen besonderen ökumenischen Charakter trägt.“
Merkwürdige NominierungPolen. Am Samstag ernannte
Papst Benedikt XVI. den aus Polen stammenden Bischof von Helsinki in Finland, Mons. Józef Wróbel (55),
zum neuen Weihbischof von Lublin in Polen. Mons. Wróbel ist ein Herz-Jesu-Pater. Von 1993 bis zu seiner
Ernennung zum Bischof von Helsinki im November 2000 unterrichtete er auch Moraltheologie an der katholischen
Universität in Lublin.
Der Papst bei der Gemeinderatssitzung?Italien. Am Freitag hat Papst Benedikt
XVI. den rechtsgerichteten Bürgermeister von Rom, Gianni Alemanno, in Privataudienz empfangen. Das berichtete
Radio Vatikan. Während der Unterredung lud Bürgermeister Alemanno den Papst ein, bei einer besonderen
Sitzung des römischen Gemeinderates teilzunehmen. Diese Entscheidung wird nach Angaben Alemannos von
allen im Gemeinderat vertretenen Parteien mitgetragen.
Abtreibung und KindermordDeutschland. Im Februar
ertränkte eine 23jährige Mutter ihr neugeborenes Kind in der Badewanne. Am Freitag verurteilte sie das
Landgericht Cottbus deswegen zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen
an, daß sich die Mutter bereits vor der Geburt zur Ermordung ihres Kindes entschlossen hatte. Die Richter
stuften die Tat als Totschlag im minderschweren Fall ein. Die Mutter sei durch eine frühere Abtreibung
traumatisiert gewesen – so das Gericht.
Bestandsanalyse„Die Kirche steht von allen Seiten in der Kritik.
Von der einen Seite wird die Kirche kritisiert, weil sie in vielen Reformfragen der Konzilszeit nicht
so vorangekommen ist, wie man damals erwartete. Die Aufhebung des Pflichtzölibats und das Frauenpriestertum,
die Ehe- und Sexuallehre und das Demokratiedefizit bleiben bis heute für viele ein Stein des Anstoßes.
Von der anderen Seite wird die Kirche kritisiert, weil sie sich dem modernen Zeitgeist zu sehr angenähert
habe, die Liturgie nicht mehr feierlich und geistlich genug sei, der Klerus und die Sakramente nicht mehr
genug geachtet würden, und die Verkündigung nicht mehr daran erinnert, daß unser sündiger Lebenswandel
uns in die Hölle bringen kann. Die Zeiten harter Auseinandersetzungen um Bischofsernennungen und Kirchenkurs
sind inzwischen einer gewissen Lethargie gewichen. Die Kirchen sind leer geworden, die Gemeinden sind
mehrheitlich im Seniorenalter, ihre Pfarrer auch.“
Die Erfurter Pastoraltheologin, Frau Maria Widl, in
einer Sonntagsbetrachtung für ‘Radio Vatikan’