10:10:32 | Montag, 4. August 2008
Seit es in der Kirche Beichte und Buße nicht mehr gibt, haben die Medien das öffentliche Schuldkapitel eingeführt. Dessen Ziel: die Vernichtung des Verdächtigen.

Webseite des Erzbistums Bamberg
(kreuz.net) Der angebliche Mißbrauchsfall im Erzbistum Bamberg hat bereits zum ersten journalistischen
Mißbrauch geführt.
So behauptete das deutsche Boulevard-Magazin ‘Focus’ am 3. Juli, daß der Fall angeblich
„mit einer Schweigeerklärung vertuscht werden sollte“.
Ende Juli wurde der Bamberger Domkapitular und
Personalchef Otto M. (63) entpflichtet. Ihm werden Mißbräuche Minderjähriger im Bereich des sechsten
Gebotes vorgeworfen.
Der Domkapitular war von 1978 bis 1991 Direktor des erzbischöflichen Knabenseminars
Ottonianum in Bamberg, das im Jahr 1999 aufgelöst wurde.
‘Focus’ erzählt von einem mysteriösen Treffen,
das im Herbst 2007 im bistumseigenen Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg stattfand.
Daran nahm der
beschuldigte Priester, „sein Mitarbeiter“, ein Jurist, ein Psychologe und das angebliche Opfer – der heute
40jährige Erwin S. – teil.
Bei dem Treffen sollte Erwin S. – nach den Behauptungen von ‘Focus’ – angeblich
eine Verzichtserklärung unterschreiben und sich verpflichten, keine Mißbrauchs-Vorwürfe gegen den Prälaten
zu erheben.
Erwin S. habe abgelehnt, obwohl „die Kirchenmänner“ angeblich mit einer Verleumdungsklage
gedroht hätten.
Der bei dem Treffen anwesende Psychologe habe den Bamberger Erzbischof schließlich
„gedrängt“, die Vorfälle öffentlich zu machen und die Staatsanwaltschaft zu informieren.
‘Focus’ erklärt
auch, daß der Psychologe inzwischen von einem kirchlichen Posten zurückgetreten sei. Gründe dafür
nennt ‘Focus’ nicht.
Licht in die dunkle ‘Focus’-Geschichte brachte ein fast gleichzeitig erschienener
Artikel in der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’.
Das Blatt berichtet mit Bezug auf eine Sprecherin der
Erzdiözese Bamberg, daß es sich bei dem ominösen ‘Focus’-Treffen um eine offizielle Zusammenkunft zwischen
dem Beschuldiger und dem Beschuldigten handelte.
Daran nahm – nach den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz –
auch der für Mißbrauchsvorwürfe eingesetzte Arbeitsstab teil.
Ihm gehören unter anderen ein Psychoanalytiker,
eine Diplomsozialpädagogin und zwei Juristen an.
Damals habe Aussage gegen Aussage gestanden, erklärte
die Sprecherin.
Daher sei der Betroffene von den anwesenden Juristen darauf hingewiesen worden, zu welchen
Konsequenzen falsche Beschuldigungen führen könnten.
Domkapitular M. hält sich derzeit wegen einer
„schweren psychischen Krankheit“ – so ‘Focus’ – in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach im Bistum
Würzburg auf.
Nach Angaben des Bistums haben sich mittlerweile vier angebliche Mißbrauchsopfer gemeldet.
Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Domkapitular eingeleitet.