18:50:23 | Dienstag, 2. September 2008
In dieser Situation bricht das Zweite Vatikanische Konzil hinein, das ich als das größte Unglück dieses Jahrhunderts bezeichnen möchte. Von Pater Franz Schmidberger.

Prozession der Konzilsväter des Zweiten Vatikanums.
(kreuz.net) Donoso Cortes, der große Spanische Staatsphilosoph des letzten Jahrhunderts, hat festgestellt,
daß unsere Zeit von zwei Irrtümern belastet ist – der eine Irrtum bezieht sich auf Gott, der andere
auf den Menschen.
Der erste Irrtum beinhaltet einen Angriff auf die Gegenwart Gottes in dieser Welt.
Er ersetzt das christliche, biblische, der Tradition angehörende Gottesbild durch ein deistisches, durch
den Gedanken eines Gottes, der sich zur Ruhe gesetzt hat und die Welt ihrer eigenen Entwicklung und ihrem
eigenen Schicksal überläßt.
Einschlußweise wird damit die Absolutheit, Souveränität und Einzigartigkeit
Gottes in Frage gestellt. Denn seine innerweltliche Präsenz und seine Weltregierung fließen aus diesem
seinem göttlichen Wesen.
Daraus folgt dann aber die Leugnung der gesamten übernatürlichen Wert- und
Heilsordnung.
Denn wenn Gott nur ein Gedankengebäude ist, eine abstrakte Idee, weder in das Leben des
Einzelnen noch der Völker eingreift, dann hat es auch keine Menschwerdung Gottes gegeben.
Dann gibt
es auch keine Kirche, kein Opfer, keine Sakramente und keine Lehrverkündigung. Dann sind dies alles nur
kulturelle Erscheinungen.
Ein zweiter Irrtum – sagt Donoso Cortes – betrifft den Menschen. Nach diesem
Irrtum ist der Mensch gut. Er ist nicht mit der Erbsünde belastet. Er ist unbefleckt empfangen, unbefleckt
geboren.
Folglich bedarf er keiner Erlösung, sondern einzig und alleine der Erziehung und der Entfaltung
der in ihm ruhenden guten Veranlagungen.
Das führt dazu, daß das Kreuz Christi verkannt und das Heilige
Meßopfer als seine Verlängerung mit seinem wahren Sühnecharakter abgelehnt wird.
Der Mensch bedarf
diesem Irrtum zufolge nicht der Buße, der Entsagung, Abtötung oder Selbstverleugnung. Jedermann sei
vielmehr gut, menschenfreundlich, friedfertig und liebenswürdig.
Genau dies hatte der Philosoph Jean-Jacques
Rousseau († 1778) der Welt schon verkündet. Er bezeichnete Zivilisation und Kultur als Verderbnis und
leitete daraus sein „Zurück zur Natur“ und den Gesellschaftsvertrag – „Contract social“ – ab.
Dieses
Postulat hat weiten Eingang gefunden in die Philosophie und auch in die moderne Theologie.
Im Erziehungswesen
führt es dazu, das Prinzip der Autorität fallen zu lassen, vom Kampf gegen schlechte Neigungen, gegen
Sündhaftes und Böses, von Zurechtweisung und Strafe abzusehen.
In der Politik geht man dazu über,
die Feindbilder abzubauen und sich einem illusionären Pazifismus zu verschreiben.
In der öffentlichen
Meinung führt es zu einem unbeschränkten, grenzenlosen Fortschrittsglauben, zu einem uferlosen Heilsoptimismus,
der an eine universale Verständigungs- und Einigungsmöglichkeit unter den Menschen glaubt.
Er sieht
das Paradies auf Erden als verwirklichbar an und weiht dieser Illusion all seine Kräfte.
In dieser Situation
bricht das Zweite Vatikanische Konzil hinein, das ich als das größte Unglück dieses Jahrhunderts bezeichnen
möchte.
Denn das Zweite Vatikanische Konzil hat nichts anderes getan, als diese gesamte Mentalität
der Moderne, der Liberalität, der permissiven Moral sozusagen „festzuschreiben“, zu kodifizieren, in
den inneren Kirchenraum aufzunehmen.
Auszug aus der Schrift „Die Zeitbomben des Zweiten Vatikanischen
Konzils“ von Pater Franz Schmidberger, Stuttgart 1989.