18:26:53 | Donnerstag, 4. September 2008
Die Glaubenskongregation hat über den ersten Seelenführer der Medjugorje-Seher das Interdikt verhängt. Der Grund sind die Verbreitung dubioser Lehren, Ungehorsam gegen die kirchliche Autorität und Sünden gegen das sechste Gebot.

Abendmesse in Medjugore
© medjugorjegallery.blogspot.com(kreuz.net, Medjugorje) Die vatikanische Glaubenskongregation hat den Franziskanerpater Tomislav Vlašić
(66) mit dem Interdikt belegt.
Das gab der Bischof von Mostar, Mons. Ratko Perić, Ende August auf der
Webseite seiner Diözese bekannt. Medjugorie begehört zur Diözese Mostar.
Einem mit dem Interdikt belegten
Priester ist die Zelebration der Messe oder anderer Gottesdienste untersagt. Er darf keine Sakramente
oder Sakramentalien spenden noch die Sakramente empfangen.
Pater Vlašić ist ein Verfechter der angeblichen
Marienerscheinungen in der bosnischen Ortschaft Medjugorje.
Er war zu Beginn der Visionen in den frühen
1980er Jahre geistlicher Leiter der sogenannten Seher von Medjugorie.

Franziskanerpater Tomislav Vlašić
Im Jahr 1987 gründete er die Gemeinschaft
‘Königin des Friedens, ganz dein – durch Maria zu Jesus’.
Das DekretSchon am 25. Januar verurteilte
die Glaubenskongregation den Franziskaner wegen „Verbreitung dubioser Lehren, Manipulation der Gewissen,
vermutetem Mystizismus, Ungehorsam gegen legitime kirchliche Anweisungen und Vergehen gegen das sechste
Gebot.“
Das Dekret ist vom Präfekten der Kongregation, William Kardinal Levada, und seinem Sekretär,
Erzbischof Angelo Amato, unterzeichnet.
Die Kongregation auferlegte dem Pater eine Residenzpflicht in
einem von seinem Ordensoberen gewählten Haus der Franziskaner in der Lombardei in Norditalien.
Sie verbot
ihm sämtliche Kontakte zu seiner Gemeinschaft ‘Königin des Friedens’ sowie jede Seelsorge sowie Predigten,
öffentliches Auftreten und Beichtehören.
Pater Vlašić wurde auch verpflichtet, einen Kurs über theologisch-spirituelle
Bildung zu besuchen und ein feierliches Glaubensbekenntnis abzulegen.
In den Wind geschlagenAm 31.
August gab der Bischof von Mostar bekannt, daß sich Pater Vlašić nicht an die Residenzpflicht und das
Seelsorgeverbot gehalten habe. Darum habe der Heilige Stuhl die Strafe des Interdikts verhängt.
Sollte
sich der Pater nicht beugen, sollen härtere Sanktionen folgen und ein Strafprozeß gegen ihn beginnen.
Am 30. Mai bat der Sekretär der Glaubenskongregation den Bischof von Mostar, die Gläubigen über die
verhängte Kirchenstrafe zu informieren.
Frühere LügenDer Kanzler der Diözese Mostar, Hw. Ante Luburi,
verfaßte für den Klerus, die Ordensleute und die Gläubigen des Bistums eine Erklärung zu Pater Vlašić.
In dem Schreiben erwähnt der Kanzler zahlreiche Unstimmigkeiten im Leben des Franziskaners.
Im Dezember
1983 versicherte Pater Vlašić zum Beispiel dem damaligen Bischof von Mostar, Mons. Pavao Zanic († 2000),
daß es kein Tagebuch der Medjugorje-Seherin Vicka Ivankovi gäbe. Der Bischof hatte die Aufzeichnungen
sehen wollen, um das Phänomen Medjugorje besser einschätzen zu können.
Pater Vlašić schwor vor dem
Bischof auf das Kreuz, daß er nichts von einem Tagebuch wisse und es nie in den Händen gehalten habe.
Doch die Pfarrchronik bewies das Gegenteil.
Im Jahr 1983 informierte Pater Vlašić den Schweizer Theologen
Hans Urs von Balthasar, daß die Medjugorje-Seher entschlossen seien, ins Kloster zu gehen. Sie würden
nur noch den richtigen Augenblick abwarten.
Tatsächlich ging nur einer der sechs Seher ins Kloster,
trat jedoch wenig später wieder aus.
Zuvor hatten die Seher noch erklärt, daß die Muttergottes ihnen
allen geraten habe, den Zölibat zu wählen.
Im Jahr 1987 zog Pater Vlašić mit der Deutschen Agnes
Heupel – „wie Klara und Franziskus“ – nach Italien und gründete dort die Gemeinschaft ‘Königin des Friedens,
ganz dein – durch Maria zu Jesus’.
Am 8. März 1987 bezeichnete die Muttergottes die Gründung angeblich
über die Medjugorje-Seherin Marija Pavlovic als „Gottes Plan“.
Frau Pavlovic erklärte, daß die Muttergottes
der Gemeinschaft ihre Regel gegeben habe und sie durch Pater Vlašić und Frau Heupel führe. Die Muttergottes
werde der Kommunität über die Seherin Botschaften zukommen lassen.
Doch im Juli 1988 bestritt Frau
Pavlovic diese Aussage „vor Gott, der Muttergottes und der Kirche Jesu Christi“:
„Alles, was als Bestätigung
der Muttergottes für das Werk von Pater Vlašić und Agnes Heupel verstanden werden kann, entspricht
nicht der Wahrheit“ – erklärte sie.