09:33:28 | Freitag, 26. September 2008
Der letzte Katholik im bisherigen österreichischen Parlament kandidiert bei einer Homo- und Abtreibungspartei. Seinen Glauben will er trotzdem nicht verleugnen.

Ewald Stadler im Interview mit ‘gloria.tv’
(kreuz.net, Wien) Der parteifreie BZÖ-Kandidat Ewald Stadler tritt bei der österreichischen Nationalratswahl
am kommenden Sonntag „als Katholik und als konservativer Katholik“ an.
Das erklärte Stadler im Interview
mit der internationalen Videowebseite ‘gloria.tv’.
Das BZÖ – ‘Bündnis Zukunft Österreich’ – ist eine
Abtreibungs- und Homopartei, die sich von der rechtsnationalen ‘Freiheitlichen Partei Österreichs’ abgespalten
hat.
Doch Stadler möchte sich nicht kompromittieren: „Ich würde nicht mitmachen, wenn ich meinen Glauben
und meine Grundsätze verleugnen müßte“ – erklärt er.
Er ist selber kein Mitglied des BZÖ, sondern
„fühlt sich eher der Haider Politik“ verpflichtet.
Jörg Haider ist der Landeshauptmann des österreichischen
Bundeslands Kärnten und Spitzenkandidat des BZÖ.
Man läßt ihn lebenNoch vor einem Jahr kritisierte
Stadler eine Beziehung
Haiders zur Freimaurerei. Diese Aussage präzisiert er nun als „Agreement“ Haiders
mit der Freimaurer-Sekte:
„Ich muß fairerweise dazusagen, daß er mir das auch angekündigt hat. Ich
habe einen alten Konflikt mit der Freimaurerei. Haider wolle sich das nicht antun.“
Stadler bleibt bei
seiner Ablehnung der Freimaurerei „und zwar aus tiefer katholischer Überzeugung“.
Haider habe immer
akzeptiert, daß er, Stadler, katholisch sei: „Das ist die Geschäftsgrundlage.“
Ursprünglich plante
Stadler, die Politik zu verlassen und ab 1. September in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Sein künftiger
Arbeitgeber sei nicht erfreut gewesen, daß er in die Politik zurückkehrt.
Nach den Wahlen hofft er
als einfacher Abgeordneter tätig zu sein und nebenbei in die Anwaltei zu gehen.
Zur Frage, was er als
vereinzelter Katholik in der Politik bewirken könne, sagte er: „Allianzen suchen, um gemeinsame Aktionen
zustande zu bringen.“
Er wolle katholische Themen in die Tagesordnung zwingen. Mehr sei in der österreichischen
Parteienlandschaft nicht mehr möglich.
Im BZÖ werde er zumindest nicht bekämpft, erklärt Stadler:
„Ich bin zum Teil entsetzt, wie man mich aus dem eigenen Lager anfeindet, nur weil ich versuche, mit einer
Partei, die mich als Katholik leben läßt, weiterhin Politik zu betreiben.“
Stadlers alte ParteiSeine
frühere Partei, die FPÖ, nannte ihn einen Kerzenschlucker und habe ihn als „Bruder Ewald“ öffentlich
verunglimpft: „Was intern stattgefunden hat, war noch viel ärger.“
Stadler hält den FPÖ-Bundesparteiobmann
Heinz Christian Strache für einen Votan-Gläubigen.
Strache sei im Sinne der alten Doktrin des sozialistischen
Bundeskanzlers Bruno Kreisky († 1990) eine Vereinbarung mit den Sozialisten eingegangen.
Sie laute: „Solange
Blau [FPÖ] mit Schwarz [ÖVP] nicht koaliert, ist Rot immer im Spiel.“
Dann gebe es keine Regierungsbildung
ohne die Sozialisten.
Linke MachtübernahmeNach der bevorstehenden Nationalratswahl befürchtet Stadler
eine linke Machtübernahme.
Konkret warnt er vor einer Freimaurer-Koalition – „eine Koalition unter dem
Hochgrad-Freimaurer und Bundeskanzler Werner Faymann [Sozialist], mit dem Freimaurer und Vizekanzler Alexander
Van der Bellen [Grüne] und Heide Schmidt, die vom Hochgradfreimaurer Haselsteiner finanziert, gefördert
und geschubbst wird.“
Frau Schmidt tritt als Spitzenkandidatin für die Partei ‘Liberales Forum’ an,
dem der österreichische Industrielle Hans-Peter Haselsteiner finanziell massiv unter die Arme greift.
Eine derartige linke Koalition würde in Österreich – so Stadler – einen Schaden für zwanzig oder dreißig
Jahre anrichten.
Er fürchtet, daß die liberale Heide Schmidt den Einzug ins Parlament schaffen könnte:
„Sie ist entweder knapp draußen oder knapp drinnen. Knapp draußen wäre mir lieber als knapp drinnen.“
Stadler möchte frustrierten ÖVP-Wählern eine Alternative bieten und doch eine Regierung Mitte rechts
zustande bringen: „Eine linke Wende ist die größte Gefahr.“
Einziger Parlamentarier gegen die Fristentötung
Das Abtreibungsgesetz bezeichnet Stadler als paradox. Die Abtreibung „ist und bleibt“ ein Tötungsdelikt,
das aber nicht bestraft werde:
„Ich bin natürlich der Meinung, daß der abtreibende Arzt und jene, die
daraus ein Geschäft machen, bestraft gehören.“
Warum nicht bei ‘Die Christen’?Stadler würde sich
wünschen, daß die neue Partei ‘Die Christen’ ins Parlament einzieht. Doch er gibt der Partei dafür
keine realen Chancen.
Stadler glaubt, daß die Parteigründung angeblich „falsch angelegt“ ist.
Er kritisiert
die Werbearbeit und fehlende profilierte Persönlichkeiten der „Splittergruppe“: „Der ganze Wahlkampf
ist ein Persönlichkeitswahlkampf geworden.“
Eine Partei brauche profilierte Köpfe.
Derzeit fürchtet
Stadler, daß eine Stimme für ‘Die Christen’
angeblich das linke Lager begünstige.