Politik
Droht eine Freimaurer-Koalition?
Der letzte Katholik im bisherigen österreichischen Parlament kandidiert bei einer Homo- und Abtreibungspartei. Seinen Glauben will er trotzdem nicht verleugnen.
Ewald Stadler im Interview mit 'gloria.tv'
Ewald Stadler im Interview mit ‘gloria.tv’
(kreuz.net, Wien) Der parteifreie BZÖ-Kandidat Ewald Stadler tritt bei der österreichischen Nationalratswahl am kommenden Sonntag „als Katholik und als konservativer Katholik“ an.

Das erklärte Stadler im Interview mit der internationalen Videowebseite ‘gloria.tv’.

Das BZÖ – ‘Bündnis Zukunft Österreich’ – ist eine Abtreibungs- und Homopartei, die sich von der rechtsnationalen ‘Freiheitlichen Partei Österreichs’ abgespalten hat.

Doch Stadler möchte sich nicht kompromittieren: „Ich würde nicht mitmachen, wenn ich meinen Glauben und meine Grundsätze verleugnen müßte“ – erklärt er.

Er ist selber kein Mitglied des BZÖ, sondern „fühlt sich eher der Haider Politik“ verpflichtet.

Jörg Haider ist der Landeshauptmann des österreichischen Bundeslands Kärnten und Spitzenkandidat des BZÖ.

Man läßt ihn leben

Noch vor einem Jahr kritisierte Stadler eine Beziehung Haiders zur Freimaurerei. Diese Aussage präzisiert er nun als „Agreement“ Haiders mit der Freimaurer-Sekte:

„Ich muß fairerweise dazusagen, daß er mir das auch angekündigt hat. Ich habe einen alten Konflikt mit der Freimaurerei. Haider wolle sich das nicht antun.“

Stadler bleibt bei seiner Ablehnung der Freimaurerei „und zwar aus tiefer katholischer Überzeugung“.

Haider habe immer akzeptiert, daß er, Stadler, katholisch sei: „Das ist die Geschäftsgrundlage.“

Ursprünglich plante Stadler, die Politik zu verlassen und ab 1. September in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Sein künftiger Arbeitgeber sei nicht erfreut gewesen, daß er in die Politik zurückkehrt.

Nach den Wahlen hofft er als einfacher Abgeordneter tätig zu sein und nebenbei in die Anwaltei zu gehen.

Zur Frage, was er als vereinzelter Katholik in der Politik bewirken könne, sagte er: „Allianzen suchen, um gemeinsame Aktionen zustande zu bringen.“

Er wolle katholische Themen in die Tagesordnung zwingen. Mehr sei in der österreichischen Parteienlandschaft nicht mehr möglich.

Im BZÖ werde er zumindest nicht bekämpft, erklärt Stadler: „Ich bin zum Teil entsetzt, wie man mich aus dem eigenen Lager anfeindet, nur weil ich versuche, mit einer Partei, die mich als Katholik leben läßt, weiterhin Politik zu betreiben.“

Stadlers alte Partei

Seine frühere Partei, die FPÖ, nannte ihn einen Kerzenschlucker und habe ihn als „Bruder Ewald“ öffentlich verunglimpft: „Was intern stattgefunden hat, war noch viel ärger.“

Stadler hält den FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache für einen Votan-Gläubigen.

Strache sei im Sinne der alten Doktrin des sozialistischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky († 1990) eine Vereinbarung mit den Sozialisten eingegangen.

Sie laute: „Solange Blau [FPÖ] mit Schwarz [ÖVP] nicht koaliert, ist Rot immer im Spiel.“

Dann gebe es keine Regierungsbildung ohne die Sozialisten.

Linke Machtübernahme

Nach der bevorstehenden Nationalratswahl befürchtet Stadler eine linke Machtübernahme.

Konkret warnt er vor einer Freimaurer-Koalition – „eine Koalition unter dem Hochgrad-Freimaurer und Bundeskanzler Werner Faymann [Sozialist], mit dem Freimaurer und Vizekanzler Alexander Van der Bellen [Grüne] und Heide Schmidt, die vom Hochgradfreimaurer Haselsteiner finanziert, gefördert und geschubbst wird.“

Frau Schmidt tritt als Spitzenkandidatin für die Partei ‘Liberales Forum’ an, dem der österreichische Industrielle Hans-Peter Haselsteiner finanziell massiv unter die Arme greift.

Eine derartige linke Koalition würde in Österreich – so Stadler – einen Schaden für zwanzig oder dreißig Jahre anrichten.

Er fürchtet, daß die liberale Heide Schmidt den Einzug ins Parlament schaffen könnte: „Sie ist entweder knapp draußen oder knapp drinnen. Knapp draußen wäre mir lieber als knapp drinnen.“

Stadler möchte frustrierten ÖVP-Wählern eine Alternative bieten und doch eine Regierung Mitte rechts zustande bringen: „Eine linke Wende ist die größte Gefahr.“

Einziger Parlamentarier gegen die Fristentötung

Das Abtreibungsgesetz bezeichnet Stadler als paradox. Die Abtreibung „ist und bleibt“ ein Tötungsdelikt, das aber nicht bestraft werde:

„Ich bin natürlich der Meinung, daß der abtreibende Arzt und jene, die daraus ein Geschäft machen, bestraft gehören.“

Warum nicht bei ‘Die Christen’?

Stadler würde sich wünschen, daß die neue Partei ‘Die Christen’ ins Parlament einzieht. Doch er gibt der Partei dafür keine realen Chancen.

Stadler glaubt, daß die Parteigründung angeblich „falsch angelegt“ ist.

Er kritisiert die Werbearbeit und fehlende profilierte Persönlichkeiten der „Splittergruppe“: „Der ganze Wahlkampf ist ein Persönlichkeitswahlkampf geworden.“

Eine Partei brauche profilierte Köpfe.

Derzeit fürchtet Stadler, daß eine Stimme für ‘Die Christen’ angeblich das linke Lager begünstige.