Seelsorgeeinheiten
Kollegialität oder funktionierende Leitung?
Der schwere Glaubensverlust in Klerus und Kirchenvolk sowie der Massenabfall der ehemaligen Gläubigen führt in Deutschland dazu, daß die Pfarreien zusammengelegt werden müssen. In dieser Situation ist guter Rat nicht billig.
von links: Domkapitular Hans Herderich, Weihbischof em. Helmut Bauer, Bischof em. Paul-Werner Scheele, Bischof Friedhelm Hofmann, Jesuitenpater Medard Kehl und Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand.
von links: Domkapitular Hans Herderich, Weihbischof em. Helmut Bauer, Bischof em. Paul-Werner Scheele, Bischof Friedhelm Hofmann, Jesuitenpater Medard Kehl und Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand.
© Bistum Würzburg
(kreuz.net, Würzburg) Kürzlich veranstaltete das Bistum Würzburg in Heidenfeld, ein Dorf im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt, einen Priester- und Diakonentag.

In der Pfarrkirche des Ortes ruhen die Gebeine des seligen Märtyrerpriesters Liborius Wagner.

An der Veranstaltung zum Thema „Pfarreiengemeinschaft als Weg in die Zukunft“ nahmen rund dreihundert Geistliche Teil.

Es ging dabei um die Frage, wohin der Weg der Diözese Würzburg geht und welche Rolle die Geistlichen in den neuen Strukturen spielen.

Der Hauptreferent, Jesuitenpater Medard Kehl aus Frankfurt-Sankt Georgen, betonte im Heidenfelder Sportheim, daß eine heute „kollegiale Leitung“ nötig sei: „Pfarrer-Sein heute geht nur noch in der Wir-Form.“

Der Jesuit behauptete in seinem Referat, daß der Versuch, die Pfarrei als Pfarrgemeinde zu verstehen, die Seelsorge in den vergangenen vierzig Jahren „erfolgreich“ geprägt habe.

Doch inzwischen sei dieses Konzept an seine Grenzen gestoßen.

Gründe hierfür sieht Pater Kehl in zurückgehenden Priesterzahlen, großen Seelsorgeeinheiten und in der Tatsache, daß für die Menschen Religion zur persönlichen, freiwilligen Sache geworden sei.

Mit letzter Formulierung scheint er den Massenabfall der Gläubigen zu umschreiben.

Heute hat eine Pfarreiengemeinschaft für den Jesuiten am ehesten eine Chance, sich als „Kirche Jesu Christi vor Ort“ zu repräsentieren.

In einer solchen Seelsorgeeinheit könne ein weiteres Spektrum der Seelsorge „geboten“ werden mit einer großen Vielfalt an kultureller Diakonie und liturgischen Feiern.

Neben niederschwelligen Angeboten seien gleichzeitig intensive Glaubenszellen möglich.

Nach Pater Kehl spielt die Liturgie eine „immer größere Rolle“. Sie besitze die am breitesten ausgreifende Integrationskraft.

Deshalb hänge viel von einer „gut gestalteten“ Liturgie ab. Hierzu zählten die musikalische Gestaltung, gute Predigten, Vermeidung zu vieler Worte und eine Abwechslung zwischen einfachen Gottesdiensten und Hochformen der Liturgie.

Wichtig seien begeisterte und begeisternde Pfarrer sowie neue pastorale Projekte.

Neue Projektteams sollten auch mit neuen Leuten besetzt werden, die nicht schon in den kirchlichen Gremien arbeiteten. Woher diese neuen Leute kommen sollten, führte der Jesuit nicht aus.

Pater Kehl warnte davor, sich von unbeweglichen Gläubigen das Gesetz des Handelns vorschreiben zu lassen: „Wenn der Glaube so wenig wert ist, daß man nicht in den Nachbarort geht, …“

An die Priester appellierte der Pater, sich auf die besonderen Aufgaben des Pfarrers zu konzentrieren.

Sie müßten vom Wunsch nach einer flächendeckenden pastoralen Präsenz Abschied nehmen: „Es wird nicht mehr gehen, bei jedem Fest dabei zu sein.“

Vorrangige Gruppe des Interesses der Pfarrer sollten die Haupt- und Ehrenamtlichen sein.

Nach dem Vortrag setzten sich die Geistlichen in Arbeitsgruppen mit dem Tagesthema auseinander.