15:43:14 | Mittwoch, 8. Oktober 2008
Seit Jahre belebt ein altgläubiger Dominikaner den totgesagten ordenseigenen Ritus. Bei der neuen Messe sieht er zwei Probleme.

Erste Alte Messe in der Pfarrei Herzogenrath nach in Kraft Treten des Motu Proprio.
© Pro Missa Tridentina(kreuz.net, Herzogenrath) Am Montag abend erlebte der alte Dominikanerritus in der Pfarrei Herzogenrath
im Bistum Aachen eine Renaissance. Das berichtete die Nachrichtenseite ‘kathnews.de’.
Zelebrant war der
Dominikanerpater Rodrigo Kahl, der im Priesterseminar der Petrusbruderschaft die Fächer Dogmatik und
Liturgie unterrichtet.
Nach der Messe hielt der Dominikaner einen Vortrag zum Thema „Zurück in die Zukunft –
Über die Notwendigkeit einer liturgischen Erneuerung aus dem Geist der Tradition“.
Zum Latein erklärt
Pater Rodrigo, daß jede Religion eine Sakralsprache besitze. In der lateinischen Kirche übernehme das
Latein dabei eine ähnlich Funktion wie die Ikonostase in den ostkirchlichen Riten.
Der alte Dominikanerritus

Bildquelle: orbiscatholicus.blogspot.com
Liturgie vom SchreibtischFür den
Pater ist die Neue Messe ein zeitbedingtes Produkt der Nachkonzilszeit.
Er bezeichnet es als Geburtsfehler,
daß die Neue Messe von einem Tag auf den anderen eingeführt wurde. Das habe es vorher und nachher nie
gegeben.
Trotzdem lobt der Dominikaner das Zweite Vatikanum. Es habe – wie kein Konzil davor – in höchsten
Tönen über den gregorianischen Choral geschrieben. Daß hinter diesen Jubelhymnen kein konkreter Wille
stand, den gregorianischen Choral zu fördern, scheint ihn nicht zu stören.
Als zweites Problem bei
der Neuen Messe sieht der Pater den Vorrang des Didaktischen in der Heiligen Messe: „Die Liturgie wird
häufig unterbrochen, um zu erklären, was als Nächstes geschieht“ – verallgemeinert er.
Reformvorschläge
für den Alten RitusUnbeschadet dieser Aussage möchte Pater Rodrigo das Didaktische „in abgewandelter
Form“ auch in die Alte Messe einführen. Dabei empfiehlt er die schon vor dem Konzil gescheiterte liturgiefremde
„Erziehung zum Schott“.
Damit meint er, daß der Gläubige – mehr oder weniger ungeachtet des liturgischen
Geschehens – sich auf die übersetzten Meßtexte konzentriert.
Das sei – so Pater Rodrigo – vor dem Zweiten
Vatikanum und trotz der liturgischen Bewegung „sträflich vernachlässigt“ worden.
Kosmetische Verbesserungen
für den Neuen RitusIn der Neuen Messe möchte der Dominikaner wenigstens die Zelebrationsrichtung korrigieren.
Gleichzeitig glaubt er, daß das „wohl in der Regel“ angeblich nicht möglich sei.
Dann sollten die Priester
wenigstens ein Kreuz auf den Mahltisch stellen. So handhabe es auch der Heilige Vater.
Dabei könne der
Zelebrant angeblich ignorieren, daß er zum Volk hin zelebriert.
Als weitere Veränderungen wünscht
sich Pater Rodrigo eine „kluge“ Verwendung des Lateins und eine klassische Gestaltung des Kirchenraums
und der liturgischen Gewänder.
Als Beispiel für die Meßfeier im Geist der Tradition nannte der Dominikaner
die französische Benediktinerabtei Fontgombault.
Ende der 70er Jahre drohte der damalige Diözesanbischof,
das Kloster aufzulösen, wenn es weiterhin am Alten Ritus festhalten würde.
Laut Pater Rodrigo stellten
die Mönche um, ohne allerdings die Zelebrationsrichtung und die Liturgiesprache zu ändern.