Carlo Kardinal Martini
Er fühlt den Tod im Nacken
Jahrelang war er einer der bekanntesten Kardinäle der Kirche. Immer wieder wurde er als möglicher Papst ins Gespräch gebracht. Jetzt hat er die letzte Station seines Lebens erreicht.
Benedikt XVI. mit Carlo Kardinal Martini
Benedikt XVI. mit Carlo Kardinal Martini
(kreuz.net, Mailand) „Ich befinde mich hier vor ihnen im Angesicht meines bevorstehenden Todes. Ich bin im letzten – oder im vorletzten – Wartesaal meines Lebens angekommen.“

Mit diesen Worten richtete sich der emeritierte Erzbischof von Mailand, Carlo Kardinal Martini (81), nach Angaben der Tageszeitung ‘Corriere della Sera’ kürzlich in Mailand bei einem Referat an sein Publikum:

„Es war ein kühner, vielleicht sogar verwegener Akt, einen alten Menschen, der nicht weiß, ob er sich gut ausdrücken oder sich auf den Beinen halten kann, zu einem Vortrag einzuladen.“

Der Kardinal sprach im vollen Auditorium San Fedele der Mailänder Jesuiten. Er betrat den Raum auf einen Stock gestützt. Seit längerem leidet er an der Parkinson’schen Zitterlähmung.

Anlaß für seinen Auftritt war die Vorstellung seines Buches über Papst Paul VI. († 1978).

Bis vor kurzem lebte Kardinal Martini in einem Haus der Jesuiten in Jerusalem. Doch inzwischen ist er in einem Pflegeheim seines Ordens in Gallarate bei Mailand zuhause.

„Mit euren zahlreichen Gesten der Güte, des Zuhörens habt Ihr mich als Person aufgebaut. Jetzt wo sich das Ende meines Lebens nähert, merke ich, daß ich Euch sehr viel verdanke“ – richtete sich der Kardinal an ein gerührtes Publikum.

Der Kardinal spricht über seinen Tod: „Wer sich in dieser Situation befindet, sollte sich eher sprachlos vorkommen.“

Für ihn sei das ein ungelöstes Problem: „Wie kann man eine ganz negative Wirklichkeit mit vernünftigen Worten beschreiben, welche, insofern sie vernünftig sind, eine positive Erfahrung zum Ausdruck bringen sollen?“

Im Angesicht des Todes kommt der Kardinal auch ins Hadern: „Ich habe mich zum Beispiel schon verschiedentlich beim Herrn beklagt, weil er uns durch seinen Tod nicht die Notwendigkeit des Sterbens weggenommen hat.“

Vielmehr habe Gott gewollt, „daß wir durch diesen harten schmalen Weg des Todes schreiten und in die Dunkelheit eintreten, die immer etwas Angst macht.“

Doch der Kardinal gibt sich nicht geschlagen: „Ich habe mich mit dem Gedanken des Sterbenmüssens versöhnt, als ich verstand, daß wir ohne den Tod nie die Möglichkeit hätten, einen Akt des vollen Vertrauens in Gott zu setzen.“