09:42:40 | Freitag, 10. Oktober 2008
Ein in die Jahre gekommener Weihbischof empfiehlt unbeirrt seine in die Jahre gekommenen Rezepte. Ein Kommentar.

Exponat des altliberalen Katholizismus im Museum.
(kreuz.net) Die Aufgaben der Kirche in der Gesellschaft seien unverzichtbar. Doch die Zukunft hänge davon
ab, daß die Kirche „in der Richtung des Zweiten Vatikanums“ weitergehe.
Das erklärte der emeritierte
Wiener Weihbischof Helmut Krätzl (76) bei einem Vortrag vor dem kirchenfeindlichen
„Forum XXIII“ in St.
Pölten.
Die Webseite der Diözese Sankt Pölten publizierte dazu einen Jubelbericht.
Mons. Krätzl
gehört zum altliberalen Lager der Konzilsnostalgiker.
Es gelte auf die „Zeichen der Zeit und die Lösungsvorschläge
des ganzen Gottesvolkes“ zu hören, da auch aus diesen der Heilige Geist sprechen könne – griff der Weihbischof
zu Abgegriffenem.
Dann träumte er von jenen Rezepten für die Zukunft, die bereits die Protestanten
in den Abgrund geführt haben.

Kirchenbau der Altliberalen
Seitenhieb auf die Alte MesseNach Mons. Krätzl ist die gescheiterte
Liturgiereform „längst nicht zu Ende“.
Bei der Frage des Ritus gehe es vor allem um „das neue Kirchenbild“:
„Früher hatten wir eine Priestermesse, heute eine Feier aller Gläubigen.“
Daß letztere vor dieser
angeblichen Feier aller Gläubigen in Scharen geflüchtet sind und die deutsche Antwort auf „Der Herr
sei mit euch“ nicht wissen, beirrt den greisen Weihbischof nicht.
Denn er möchte nach eigenen Angaben
„das allgemeine Priestertum weiterdenken“. Doch dann redet er nicht davon, sondern verwechselt es mit
dem Weihepriestertum und zeigt eine fatale Fixierung auf den angeblichen Priestermangel.
Er lobt deshalb
den Vorschlag des Wiener Pastoraltheologen Hw. Paul Zulehner, neben hauptamtlichen Priestern bewährte
Gemeindemitglieder als „Leutpriester“ einzusetzen.
Doch wo er in den ausgelaugten Pfarreien diese „bewährten
Gemeindemitglieder“ finden will, sagt der Weihbischof nicht. Außerdem bewegen sich fromme Katholiken –
sofern sie heute noch existieren – nicht auf Krätzl-Linie.
Zudem liegt das Problem inzwischen nicht
mehr bei der Zahl der Priester, sondern bei jener der Gläubigen.
Auch die Aussage des Weihbischofs,
wonach ein Wortgottesdienst mit Kommunionsempfang „sicher nicht das ist, was in der Urgemeinde mit gemeinsamem
Brotbrechen gemeint war“ ist eine Peinlichkeit.
Will er die blühende Urgemeinde tatsächlich mit den
toten Exitus-Pfarreien der real existierenden Gegenwartskirche vergleichen?
Kein Gegner des Zölibats
Der Weihbischof erklärte in dem Vortrag, „kein Gegner des Zölibates“ zu sein. Das ist die übliche
Einleitung für Reden, welche die Abschaffung des Zölibates fordern. Bei Mons. Krätzl ist das nicht
anders.
Seine fromme Begründung: „Es geht um die Sakramente, die wir nicht aufgeben dürfen.“
Auch
hier fehlt die Konfrontation mit der Wirklichkeit: Die altliberale Konzils-Ideologie, der nihilistische
Religionsunterricht und der Wischi-Waschi-Ökumenismus haben schon lange dazu geführt, daß die ausgelaugten
Gläubigen gar nicht mehr sakramentenfähig sind, geschweige denn Wissen, was ein Sakrament ist.
Sogar
Mons. Krätzl – seines Zeichens Weihbischof – hält Beichtspiegel und Beichte für veraltet.
Als Alternativen
empfielt er andere – nichtsakramentale – „Formen der Sündenvergebung“ wie Bußgottesdienste, Bußritus
in der Meßfeier, die Lesung der Heiligen Schrift sowie die Kommunion [sic!].
Was führt den Weihbischof
dazu, zu glauben, daß diesen angeblichen Alternativen in der heutigen Kirche mehr Glück beschieden sein
sollte als der Beichte?
Die Bußgottesdienste lebten bei ihrer Einführung davon, daß sie willkommene
Schlupflöcher für jene Gläubigen waren, die der – zugegebenermaßen unangenehmen – Beichte entkommen
wollten. Aber nachdem die Beichte de facto abgeschafft ist, braucht der Neugläubige dafür auch keine
Ersatzhandlung mehr.
Überbetonte Sexualmoral?Die Sexualmoral werde überbetont – lamentierte Mons.
Krätzl außerdem in seinem Vortrag. Man greift sich an den Kopf: Ist der emeritierte Weihbischof über
das Ausmaß der gesellschaftlichen sexuellen Verwahrlosung auf dem letzten Stand?
Dann zieht Mons. Krätzl
die unvermeidliche Pastoral an im Konkubinat lebenden Ehebrechern aus dem Hut. Mit Druck auf die Tränendrüse
erklärt er, „daß die Betroffenen leiden“ würden.
Auch diesbezüglich scheint der alte Mann in den
60er Jahren hängengeblieben zu sein.
Denn heute liegt der Leidensdruck eindeutig auf jenen, die um ihre
Ehe kämpfen, statt den leichten Weg der Scheidung und des Ehebruchs zu gehen.
Doch der altliberale Weihbischof
läßt sich aus seinen Träumen von vorgestern nicht wecken: Wenn in einer Ehe „wirklich nichts mehr geht“,
müsse es Lösungen geben, die „nicht an der Lebenswirklichkeit vorbeigehen.“ Wer ist zuständig für
die Definierung der Lebenswirklichkeit?
Blumige SchaumspracheBei den weihbischöflichen Altersphantasien
durfte auch der Ökumenismus nicht fehlen.
Dabei solle das Papstamt „zur Versöhnung der Christen in
einer zerrissenen Welt“ genützt werden – erklärte Mons. Krätzl in blumiger Schaumsprache.
Schwebt
ihm bei dem päpstlichen Versöhnungsdienst vielleicht das Modell des anglikanischen Erzbischofs von Canterbury
vor Augen? Oder gar die Königin von England?
Mons. Krätzl möchte auch die auf dem Ersten Vatikanum
definierte päpstliche Unfehlbarkeit nicht als „Endpunkt der Entwicklung des Papsttums“ sehen. Das ist
eine schöne Formulierung. Doch was will der Weihbischof damit positiv sagen?
Mons. Krätzls Schlußbouquet:
Die Kirche müsse dem einzelnen „zu mehr Leben“ verhelfen, nicht nur von Gott reden, sondern ihn „erfahrbar“
machen und „die Angst verlieren, ob uns die Gesellschaft noch braucht oder nicht“.
Die von Weihbischof
Krätzl empfohlene Gesellschaftskirche hat allen Grund, in solchen Ängsten zu leben.