Politik
Durch die Alte Messe bekehrt
Früher war er als verheirateter Laie bei der Piusbruderschaft aktiv. Nach dem Motu Proprio wechselte er zu einer diözesanen Altritus-Gemeinde: „Ich werde der Bruderschaft sicher keine Steine nachwerfen.“
Ewald Stadler im Interview mit der Webseite 'Gloria.TV'
Ewald Stadler im Interview mit der Webseite ‘Gloria.TV’
(kreuz.net) Der österreichische Nationalrats-Abgeordnete Ewald Stadler ist durch die Alte Messe bekehrt worden.

Das bekannte der Politiker Ende September im Interview mit der katholischen Video-Webseite ‘gloria.tv’.

Stadler wurde bei den österreichischen September-Wahlen auf der Liste des kürzlich tödlich verunglückten Rechtspolitikers Jörg Haider gewählt.

Als junger Mann wollte Stadler nach eigenen Angaben aus der Kirche austreten. Dem Alten Ritus verdankt er, „nicht abgefallen“ zu sein.

In der Alten Messe hatte Stadler zum ersten Mal das Gefühl, daß Christus dort wirklich gegenwärtig ist.

Die Kirche ein Konkursunternehmen?

Zur Neuen Messe braucht der Parlamentarier einen Vergleich. „Wenn Sie als Unternehmer ein Produkt haben, das sich von selber verkauft, dann würde kein Mensch diesen Unternehmer für vernünftig halten, wenn er sagt:

»Das verstecke ich im Regal, aber ich habe ein anderes, das ich fünf mal erklären muß und das die Leute nicht wollen. Aber ich will es ihnen trotzdem aufdrängen.«“

So ein Unternehmer gehe früher oder später in Konkurs – stellt Stadler nüchtern fest.

Das sei in ökonomischer Hinsicht bedauerlich: „Aber hier geht es um mehr. Hier geht es um den Glaubensschatz und um Seelen, die verlorengehen.“

In der Alten Messe besitzt die Kirche – so Stadler – einen Schatz, der sie über Jahrtausende durchgetragen, die Gegenreformation ermöglicht und zahllosen Menschen den Weg in den Himmel eröffnet habe.

Diesen Schatz habe man abgeschafft und in irgendwelchen Kleinstgruppierungen, Kapellen und umgebauten Garagen versteckt.

Statt dessen biete man eine Messe an, in welcher der Opfercharakter immer mehr verloren gehe und die Gemeinde sich selber feiere.

Diese Entwicklung der letzten vierzig Jahre werde von einem Funktionärskatholizismus getragen, für den die Pastoral, die Rettung der Seelen und die Sakramentenspendung nur noch Nebensache sei.

Die größte Chance der Altgläubigen sieht der sechsfache Vater in den kinderreichen Familien: „Dagegen verschwinden die Kinder in der Konzilskirche regelrecht.“

Kritische Distanz zur Piusbruderschaft

Bezüglich der Priesterbruderschaft St. Pius X. erklärte Stadler, daß er eine kritische Distanz zur Bruderschaft gewonnen habe.

Er besucht nun die Messe in der altrituellen Rektoratskirche der Diözese in St. Pölten.

Vorher war er ein Gläubiger der Piusbruderschaft: „Ich habe keine Veranlassung, der Priesterbruderschaft Steine nachzuwerfen. Das werde ich auch sicher nicht tun.“

Doch Stadler kritisiert die Bruderschaft in drei Punkten.

Stadler im Interview
Stadler im Interview
Zunächst bedauert er gewisse Anfeindungen gegen den Papst. Er hätte sich erwartet, daß die Bruderschaft mehr Dankbarkeit über das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ gezeigt hätte.

Dann wirft Stadler der Bruderschaft vor, daß sie „das Haar in der Suppe sucht, warum man gerade noch nicht eine volle Einheit mit Rom“ herstellen könne: „Das ist nicht katholisch.“

Katholisch wäre es nach Stadler zu sagen: „Hinein in die Einheit, Ärmel hochkrempeln und den Weingarten des Herrn bestellen.“

Die Piusbruderschaft mache es sich in „irgendwelchen Vorgärten“ gemütlich und spiele „Pseudopapst in Menzingen“.

In der Ortschaft Menzingen in der Innerschweiz befindet sich das internationale Mutterhaus der Bruderschaft.

Als dritten Punkt deutet Stadler den Umgang der Bruderschaft mit Geld an, ohne diesen Punkt auszuführen. Außerdem habe ihn der erste Assistent der Generalleitung, Pater Niklaus Pfluger, in Briefen „als infam hingestellt“.

Zerstörerische Kirchenfunktionäre

Stadlers Projekt, den Gläubigen zu ermöglichen, die Kirchensteuer an die Piusbruderschaft einzubezahlen, läuft trotzdem weiter.

Diese Möglichkeit besteht in Österreich bereits seit fünf Jahren. Die ersten beiden Jahre liegen bereits außerhalb der dreijährigen Verjährungszeit und sind damit von der Kirche nicht mehr klagbar.

Stadler hält es – „bei aller Kritik, die man anbringen kann“ – für besser, den Kirchenbeitrag an die Piusbruderschaft statt an „die Funktionärskatholiken in den Ordinariaten“ zu überweisen.

Letztere wirkten „in Wahrheit nur zerstörerisch“. Das tue die Piusbruderschaft nicht: „Das kann selbst der Böswilligste nicht unterstellen.“

Mitglied der Mercedarier

Stadler äußerte sich im Videointerview auch über den Orden der Mercedarier, bei dem er selber Mitglied ist. Die Gemeinschaft heißt offiziell ‘Orden vom Loskauf der Gefangenen’.

Zuvor hatten ihn ähnliche Organisationen gebeten, beizutreten:

„Ich wollte nicht bei Gruppierungen sein, die geschiedene Wiederverheiratete in Funktionen halten, die nicht einmal in der Lage sind, die Funktionen mit Profeßrittern zu besetzen und die Freimaurer in ihren eigenen Reihen dulden.“

Stadler sieht in den Mercedariern ein Mittel für das Laienapostolat:

„Es ist leicht, dauernd nur auf das Versagen der Bischöfe hinzuweisen. Das genügt nicht. Es ist ein-, zweimal ganz lustig. Aber dann bringt es niemandem mehr etwas.“

Man müsse Apostolat betreiben – betont Stadler.

Eine Sammlung lauer Brüder

Der Abgeordnete bedauerte, daß in der heutigen Kirche der kämpferische Mut verloren gegangen sei.

Die Kirche bewirke in der Abtreibung, in der Missionierung und auch sonst nichts mehr.

Sie sei eine an den Zeitgeist angepaßte Sammlung lauer Brüder geworden.

In der deutschsprachigen Kirche herrsche ein Mainstream in Gremien – „wo gruppendynamisch Konsens gesucht wird“ – so Stadler.