Schweiz
Hinterlistiger Weihbischof
Vor einigen Jahren sägte er erfolgreich am Stuhl des damaligen Diözesanbischofs. Jetzt hat er seine Trickkiste erneut aufgemacht.
Weihbischof Paul Vollmar
Weihbischof Paul Vollmar
© Bistum Chur
(kreuz.net, Zürich) Der Journalist Michael Meier – zuständig für die antikirchliche Berichterstattung bei der kirchenfeindlichen Züricher Lokalzeitung ‘Tages-Anzeiger’ – hatte gestern Grund zum Klagen.

Eine Gruppe von staatskirchlichen Laienfunktionären aus dem Kanton Zürich wollte mit dem dort stationierten Weihbischof Paul Vollmar (74) eine – wie man sich ausdrückte – „Wallfahrt nach Rom“ machen.

Weihbischof Vollmar gilt als Willensvollstrecker und Hampelmann der Züricher Funktionärskirche. Der Kanton Zürich gehört kirchlich zum Bistum Chur.

Die Gruppe um Weihbischof Vollmar wurde im Jahr 1997 Jahren bekannt, als sie Papst Johannes Paul II. in die Knie zwang und die Absetzung des damaligen Bischofs von Chur, Mons. Wolfgang Haas, durchsetzte.

Nicht nur zum Beten nach Rom

Nach Angaben von Meier plante die Züricher Delegation bei den „einflußreichsten Behörden im Vatikan“ vorzusprechen. Sie wollte sich vor allem im Staatssekretariat und in der Glaubenskongregation zeigen.

Dabei hätten sie – Zitat – „unser Deutschschweizer System“ gepriesen, das angeblich gute Resultate hervorbringe.

Der Kanton Zürich gehört zu den kirchlich am meisten heruntergekommenen Gebieten der Schweiz.

Das „duale System“ besteht darin, daß der katholischen Hierarchie eine Körperschaft gegenübersteht, welche die Kirchengelder kontrolliert. Das führt in der Praxis dazu, daß Bischöfe und Priester diesen Gremien auf Gedeih und Verderben ausgeliefert sind.

Meier bezeichnet diese Unterwerfung der Kirche unter eine Geld-Knechtschaft als „weltweit einzigartig“.

Heulen und Zähneknirschen

Dann muß er mit Bischof Vitus Huonder von Chur schimpfen. Denn dieser möchte den Einfluß der auf Geld beruhenden Funktionärskirchen zurückbinden.

Dagegen stehe der wallfahrtswillige Weihbischof Vollmar „voll“ hinter dem dualen System – weiß Meier.

Dann kommt die schlechte Nachricht. Die Pilgerpläne des Weihbischofs gingen in die Hosen. Der Bischof von Chur habe die Reise über den päpstlichen Nuntius abgeblockt – muß Meier ernüchtert mitteilen.

Die Zürcher Delegation werde im Vatikan nicht empfangen.

Den Wallfahrern bleibt jetzt nur noch Heulen und Zähneknirschen. Meier zitiert einen Kirchenfunktionär: „Wir können das nur zähneknirschend zur Kenntnis nehmen“.

Die wahren Absichten

Dann verrät der Journalist die wahre Absicht der gescheiterten Romreise. Die Funktionäre wollten sich im Vatikan für die Erhaltung des bisherigen Regimes einsetzen.

Dieses bestand darin, daß es im Bistum Chur für eine Diözese gleich drei Generalvikare gab, von denen einer – Weihbischof Vollmar – immer noch in Zürich residiert. Doch mit dessen bevorstehender Pensionierung werden sich die Dinge ändern.

Die Züricher Funktionäre würden aber gerne den gegenwärtigen Zustand mit einem – gut manipulierbaren – Weihbischof, der gleichzeitig auch Generalvikar wäre, erhalten.

Als Kandidat schwebt ihnen der gegenwärtige Regens des Churer Priesterseminars und zukünftige Bischofsvikar für Zürich, Hw. Josef Annen, vor.

Dagegen hat Bischof Huonder angekündigt, daß er für die einzelnen Bistumsteile zukünftig nur noch Bischofsvikare ernennen wird.

Die ganze Wahrheit

Die ganze Wahrheit über die Züricher Pilger kam erst mit einer gestern vom Churer Ordinariat veröffentlichten Stellungnahme ans Licht.

Darin deckt der Churer Domkapitular Christoph Casetti interessante Hintergründe auf:

Weihbischof Vollmar habe bei der Oktober-Sitzung des Bischofsrats mitgeteilt, er werde mit einigen Züricher Laienfunktionären eine „Wallfahrt“ nach Rom unternehmen. Bischof Huonder möge dafür an die „Zürcher Pilger ein schriftliches Wort der Ermunterung“ richten.

Doch das war eine weihbischöfliche List: Denn in der Folge wurde das Churer Ordinariat – so die Stellungnahme – von Dritten informiert, „daß eine Zürcher Delegation an verschiedenen Stellen der Römischen Kurie um Gesprächstermine nachgesucht habe“.

Bischofsvikar Casetti: „Bischof Vitus ist der Auffassung, daß auch im Umgang mit der Kurie der Dienstweg eingehalten werden soll. Es ist nicht angebracht, am Bischof vorbei Verhandlungen in eigener Sache zu führen.“