Protestantismus
Mehr Gebet oder mehr Buße?
Beides sind gute Mittel, um sich von der Welt und ihrem Pomp und Ungeist zu lösen. Heute kann man sich ja dafür einen unbezahlten Urlaubstag nehmen. Von Axel Kresser.
Kerzen zur Ehre Gottes
Kerzen zur Ehre Gottes
© Christine TM, CC
(kreuz.net) Heute versammeln sich in den evangelischen Kirchen die Gläubigen zum Buß- und Bettag. Traditionell endet am Buß- und Bettag die sogenannte Friedensdekade.

Zu DDR-Zeiten ließ ich keine dieser Dekaden ausfallen. Uns ging es damals um die Verhinderung eines atomaren Weltkrieges.

Wir wollten zur Versöhnung zwischen Ost und West beitragen und das Vertrauen zueinander fördern.

Unser Leitspruch war: „Frieden schaffen ohne Waffen!“. Heute heißt es nur noch: „Kampf gegen Rechts!“

Wir haben damals den Kommunisten im Sinne von Karl Friedrich von Weizäcker geraten: „Um sich mit Feinden auseinandersetzen zu können, muß man versuchen, sie zu verstehen, ihre Sorgen und Ängste“.

Jesus will, daß wir auf sie zugehen. Wenn wir genötigt werden, eine Meile mitzugehen, sollen wir zwei mitgehen.

Christus geht sogar noch weiter und fordert dazu auf, die eigenen Feinde zu lieben.

Der Buß- und Bettag war ja mal ein gesetzlicher Feiertag zum Gedenken an Schuld und Sünden, die sich in einem Jahr auftürmen.

Die letzte DDR-Regierung führte den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag wieder ein.

Zuvor konnten Christen, denen das Beten und Bußetun am Herzen lag, einen unbezahlten Urlaubstag für diesen besonderen Tag nehmen.

Die erste gemeinsame christlich-liberale Bundesregierung der um fünf Bundesländer und Berlin erweiterten Bundesrepublik Deutschland schaffte diesen Feiertag wieder ab.

Sie bedurften wohl keiner Buße und nicht des Betens.

In der evangelischen Kirche von Berlin-Hohenschönhausen Nord wird der Buß- und Bettag für politische Agitationen und politischer Plattformbildung zur Bekämpfung Mißliebiger benutzt.

Wer dort, mit der Feindesliebe ernst macht, wird verketzert und aus dem Leitungsgremium der Kirchengemeinde gemobbt.

Wer es mit Jesus hält, riskiert Hausverbot. Nichts soll an die Mahnungen Johannes des Täufers erinnern: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“.

Denn gerade die mit weltlichem Ungeist eng verflochtene und verkrustete Evangelische Kirche bedarf der Buße.