Liturgie
Es gäbe schon eine Lösung
Die Einführung der sogenannten Muttersprache in die Liturgie führt an Orten mit gemischter Bevölkerung zu heftigen ethnischen Konflikten.
Messe in einer indischen Kathedrale.
Messe in einer indischen Kathedrale.
© Steve Kelley, CC
(kreuz.net) Die nachkonziliäre Abschaffung des Latein zugunsten der Nationalsprachen führt in Indien zu schweren Auseinandersetzungen. Das berichtete die Webseite ‘Indian Catholic’ am 14. November.

Die Streitigkeiten ereigneten sich in der Diözese Mysore im südindischen Küsten-Bundesstaat Karnataka.

Am 9. November mußte deswegen sogar die Polizei einschreiten. Sie besetzte die Muttergottes-Pfarrei in der Ortschaft Jakkalli und verhaftete 31 Personen.

Der Grund: Einheimische und zugezogene tamilische Gläubige waren wegen der in der Liturgie verwendeten Sprache aufeinander losgegangen. Die Tamilen stammen aus dem Nachbarstaat Tamil Nadu.

Die örtlichen Katholiken, welche die Sprache Kannada sprechen, unterbrachen Messen, die auf Tamilisch zelebriert wurden.

Unter den Verhafteten befand sich auch der Anführer einer Gruppierung, die darauf besteht, daß im Bundesstaat Karnataka nur die Ortssprache Kannada in der Liturgie verwendet wird.

Von den 370 Familien des betroffenen Dorfes sind etwa 350 Tamilien.

Ähnliche Zwischenfälle hatten bereits an Weihnachten 2006 dazu geführt, daß die Pfarrei auf unbestimmte Zeit geschlossen wurde.

Die Kirche wurde erst vor vier Monaten wiedereröffnet, nachdem sich die beiden Gruppen darauf geeinigt hatten, daß siebzig Prozent der Gottesdienste in der Landessprache Kannada gefeiert würden.

Doch die Konflikte brachen wieder aus, als Verteidiger der örtlichen Muttersprache forderten, daß es überhaupt keine tamilischen Gottesdienste mehr geben solle.

Darauf zogen die tamilischen Katholiken vor Gericht. Dieses erklärte Ende Oktober, daß sie das Recht auf eine Sonntagsmesse in tamilischer Sprache hätten.

In der Folge wurde am Sonntag, den 2. November, um 8.30 Uhr eine zweite Messe in tamilischer Sprache zelebriert.

Bischof Thomas Vazhappilly von Mysore zeigte sich angesichts der Konflikte hilflos. Er habe die Pfarrei geschlossen, um die Gläubigen dazu zu führen, die Probleme selber zu lösen.

Ein örtlicher Gläubiger erklärte in einer Stellungnahme, daß die Politiker, die für den jüngsten Hindu-Vandalismus gegen katholische Kirchen verantwortlich sind, auch hinter diesem Sprachenkonflikt steckten.

Die Christen zu spalten, sei die neue Strategie.

In der Gegend werden bereits viele Kirchen wegen der Furcht vor Hindu-Überfallen von der Polizei bewacht.