Piusbruderschaft
Die Piusbruderschaft lehrt ihre Gläubigen das Apostolat
Von Neuevangelisierung zu reden nützt nichts, solange man den Leute nicht sagt, wie sie praktisch vorgehen müssen. Von Dr. med. Wolfgang B. Lindemann.
Ein "Stummer Verkäufer" beim Stuttgarter Priorat der Piusbruderschaft. In ihm befinden sich frühere Nummern des Mitteilungsblattes und der Kirchlichen Umschau.
Ein „Stummer Verkäufer“ beim Stuttgarter Priorat der Piusbruderschaft. In ihm befinden sich frühere Nummern des Mitteilungsblattes und der Kirchlichen Umschau.
(kreuz.net) Gut dreißig Altgläubige aus der Stuttgarter Gegend möchten apostolisch wirken.

Darum hielt Pater Franz Schmidberger – Oberer des deutschen Distriktes der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. – für sie am 15. November im Stuttgarter Priorat der Bruderschaft ein Tagesseminar .

Dabei gab es zwei Vorträge – einen über die fünf Formen des Apostolates und einen zweiten über die Bedingungen, die einzuhalten sind, damit das Apostolat fruchtbar ist.

Ständig streute der Referent geistliche Motivationen ein – „es geht um das Seelenheil“ oder „es geht um unsere Heimat“.

Das katechetische Apostolat

Die meisten Menschen sind durch den nachkonziliären Religionsunterricht gegangen und wissen darum nichts mehr von Gott und der Kirche. Darum ist die Verteilung von Informationen notwendig, welche diese Lakunen auffüllen.

Eine Möglichkeit dazu sind Büchertische in Fußgängerzonen. Auf diese Weise ist es leicht, mit Passanten ins Gespräch zu kommen.

Man kann dabei Vorurteile abbauen, zuhören, einen geistlichen Ratschlag geben oder Gebetsanliegen annehmen, die Menschenfurcht überwinden oder sich im Argumentieren üben.

Schulung für das Laienapostolat
Der Obere des deutschen Distriktes, Pater Franz Schmidberger, beim Vortrag.Die Gläubigen beim Vortrag.Das Tagesprogramm

Im übrigen hat die Bruderschaft bisher bundesweit auch sechzehn sogenannte stumme Verkäufer aufgestellt.

Es handelt sich um Schriftenstände, in denen Zeitungen und Zeitschriften zur freien Entnahme ausgelegt sind – zum Beispiel ältere Ausgaben der Monatszeitung ‘Kirchlichen Umschau’ oder des Mitteilungsblattes der Piusbruderschaft.

Diese stummen Verkäufer müssen an belebten Plätzen stehen.

Es ist notwendig, die Schriftenstände täglich zu kontrollieren, damit Fremde dort keine unerwünschten Schriften ablegen.

In der Stadt Soltau – 77 Kilometer südlich von Hamburg – wurden zwei Zeitungstände der Piusbruderschaft sogar angezündet.

Auch Leserbriefe und Briefe an Prominente erreichen oft viel – so man in der Lage ist, sich kurz, prägnant und ohne Unflätigkeiten auszudrücken. In diesem Sinn kann man auch das Internet benützen.

Das karitative Apostolat

Pater Schmidberger sprach hier besonders über das Apostolat an Sterbenden und ihren Angehörigen.

Für diese gelte oft, was der Gelähmte am Teich Bethesda zu Jesus sagte: „Ich habe niemanden, der mich zum Wasser bringt“.

In Zeiten der Not sei die Seele häufig offener und bereit, einen geistlichen Zuspruch zu empfangen.

Die christliche Prägung der zeitlichen Ordnung

Das erste apostolische Feld eines Laien ist seine Familie. In den Zeiten der Apostel wurden meist ganze Hausfamilien christlich – Freunde und Arbeitskollegen eingeschlossen.

Die christliche Prägung der zeitlichen Ordnung beginnt auch damit, daß am Arbeitsplatz nicht geflucht wird oder keine pornographischen Zeitschriften ausliegen.

In diesen Bereich gehören auch die Mitarbeit bei Demonstrationen gegen den Abtreibungshorror.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, religiöse Schriften in Wartezimmer auszulegen. Man kann auch das eigene Dorf dem Herzen Mariens weihen.

Die Liebe findet tausend Wege. Pater Schmidberger nannte das Beispiel einer Grundschullehrerin, die mit den Kindern ihrer Klasse mit großem Erfolg in der Pause ein Gesätz vom Rosenkranz betet.

Das gemischte Apostolat

Es besteht darin, die Priester in ihrer Aufgabe zu unterstützen.

Als Möglichkeiten erwähnte Pater Schmidberger das Säubern und Schmücken der Kirche, den Ministrantendienst, die Einrichtung einer gregorianischen Schola, die Rekrutierung von Teilnehmern für Exerzitien und Wallfahrten.

Kurz: einfach alles, was dem Priester Arbeit abnimmt oder zuarbeitet.

Die letzte Form

In Österreich waren in den 50er Jahren 700.000 Gläubige – samt dem damaligen Bundeskanzler – in den Rosenkranzkreuzzug eingeschrieben. Man betete für die Freiheit der Heimat. Im Oktober 1955 verließ der letzte sowjetische Soldat das Land.

Jedes Laienapostolat ist Dienst an der Kirche. Darum ist eine Grundbedingung dafür, daß es mit dem örtlichen Priester abgesprochen ist.

Pater Schmidberger betonte im Sinne der Heiligen Petrus und Paulus, daß jeder Gläubige sein eigenes Charisma besitzt. Das bedeutet auch, daß nicht jeder alles tun kann und tun soll.

Außerdem warnte er vor falschen Erwartungshaltungen. Im Normalfall brauche es Jahre, bis ein Mensch zu Gott finde – wobei viel Geduld und Liebe notwendig seien. Oft säe einer und der andere ernte.

Unerläßlich seien Demut und Selbstlosigkeit. Der Pater erwähnte das Wort aus dem Lukas-Evangelium, wonach wir, wenn wir alles getan haben, nur unnütze Knechte sind.

Pater Schmidberger hat in seinen Ausführungen einen guten Teil der Regeln zum Gemeindeaufbau angewendet – aber nicht alle.

Auch kann moderne Erwachsenenbildung auch intensiver betrieben werden als nur mit zwei Lehrvorträgen, wie eine französische Lebensrechtsorganisation in einem Tagesseminar demonstriert hat.

Es gibt also ein noch ungenütztes Potential an Methodik wie Gläubigen. Damit lebt die Hoffnung, die gegenwärtige fatale Entchristlichung der Menschen doch noch stoppen zu können.