15:34:28 | Mittwoch, 3. Dezember 2008

Ein „Stummer Verkäufer“ beim Stuttgarter Priorat der Piusbruderschaft. In ihm befinden sich frühere Nummern des Mitteilungsblattes und der Kirchlichen Umschau.
(kreuz.net) Gut dreißig Altgläubige aus der Stuttgarter Gegend möchten apostolisch wirken.
Darum hielt
Pater Franz Schmidberger – Oberer des deutschen Distriktes der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. – für
sie am 15. November im Stuttgarter Priorat der Bruderschaft ein Tagesseminar .
Dabei gab es zwei Vorträge –
einen über die fünf Formen des Apostolates und einen zweiten über die Bedingungen, die einzuhalten
sind, damit das Apostolat fruchtbar ist.
Ständig streute der Referent geistliche Motivationen ein –
„es geht um das Seelenheil“ oder „es geht um unsere Heimat“.
Das katechetische ApostolatDie meisten
Menschen sind durch den nachkonziliären Religionsunterricht gegangen und wissen darum nichts mehr von
Gott und der Kirche. Darum ist die Verteilung von Informationen notwendig, welche diese Lakunen auffüllen.
Eine Möglichkeit dazu sind Büchertische in Fußgängerzonen. Auf diese Weise ist es leicht, mit Passanten
ins Gespräch zu kommen.
Man kann dabei Vorurteile abbauen, zuhören, einen geistlichen Ratschlag geben
oder Gebetsanliegen annehmen, die Menschenfurcht überwinden oder sich im Argumentieren üben.
Im übrigen hat die Bruderschaft bisher bundesweit auch sechzehn sogenannte stumme
Verkäufer aufgestellt.
Es handelt sich um Schriftenstände, in denen Zeitungen und Zeitschriften zur
freien Entnahme ausgelegt sind – zum Beispiel ältere Ausgaben der Monatszeitung ‘Kirchlichen Umschau’
oder des Mitteilungsblattes der Piusbruderschaft.
Diese stummen Verkäufer müssen an belebten Plätzen
stehen.
Es ist notwendig, die Schriftenstände täglich zu kontrollieren, damit Fremde dort keine unerwünschten
Schriften ablegen.
In der Stadt Soltau – 77 Kilometer südlich von Hamburg – wurden zwei Zeitungstände
der Piusbruderschaft sogar angezündet.
Auch Leserbriefe und Briefe an Prominente erreichen oft viel –
so man in der Lage ist, sich kurz, prägnant und ohne Unflätigkeiten auszudrücken. In diesem Sinn kann
man auch das Internet benützen.
Das karitative ApostolatPater Schmidberger sprach hier besonders über
das Apostolat an Sterbenden und ihren Angehörigen.
Für diese gelte oft, was der Gelähmte am Teich
Bethesda zu Jesus sagte: „Ich habe niemanden, der mich zum Wasser bringt“.
In Zeiten der Not sei die
Seele häufig offener und bereit, einen geistlichen Zuspruch zu empfangen.
Die christliche Prägung der
zeitlichen OrdnungDas erste apostolische Feld eines Laien ist seine Familie. In den Zeiten der Apostel
wurden meist ganze Hausfamilien christlich – Freunde und Arbeitskollegen eingeschlossen.
Die christliche
Prägung der zeitlichen Ordnung beginnt auch damit, daß am Arbeitsplatz nicht geflucht wird oder keine
pornographischen Zeitschriften ausliegen.
In diesen Bereich gehören auch die Mitarbeit bei Demonstrationen
gegen den Abtreibungshorror.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, religiöse Schriften in Wartezimmer
auszulegen. Man kann auch das eigene Dorf dem Herzen Mariens weihen.
Die Liebe findet tausend Wege. Pater
Schmidberger nannte das Beispiel einer Grundschullehrerin, die mit den Kindern ihrer Klasse mit großem
Erfolg in der Pause ein Gesätz vom Rosenkranz betet.
Das gemischte ApostolatEs besteht darin, die
Priester in ihrer Aufgabe zu unterstützen.
Als Möglichkeiten erwähnte Pater Schmidberger das Säubern
und Schmücken der Kirche, den Ministrantendienst, die Einrichtung einer gregorianischen Schola, die Rekrutierung
von Teilnehmern für Exerzitien und Wallfahrten.
Kurz: einfach alles, was dem Priester Arbeit abnimmt
oder zuarbeitet.
Die letzte FormIn Österreich waren in den 50er Jahren 700.000 Gläubige – samt dem
damaligen Bundeskanzler – in den Rosenkranzkreuzzug eingeschrieben. Man betete für die Freiheit der Heimat.
Im Oktober 1955 verließ der letzte sowjetische Soldat das Land.
Jedes Laienapostolat ist Dienst an der
Kirche. Darum ist eine Grundbedingung dafür, daß es mit dem örtlichen Priester abgesprochen ist.
Pater
Schmidberger betonte im Sinne der Heiligen Petrus und Paulus, daß jeder Gläubige sein eigenes Charisma
besitzt. Das bedeutet auch, daß nicht jeder alles tun kann und tun soll.
Außerdem warnte er vor falschen
Erwartungshaltungen. Im Normalfall brauche es Jahre, bis ein Mensch zu Gott finde – wobei viel Geduld
und Liebe notwendig seien. Oft säe einer und der andere ernte.
Unerläßlich seien Demut und Selbstlosigkeit.
Der Pater erwähnte das Wort aus dem Lukas-Evangelium, wonach wir, wenn wir alles getan haben, nur unnütze
Knechte sind.
Pater Schmidberger hat in seinen Ausführungen einen guten Teil der
Regeln zum Gemeindeaufbau
angewendet – aber nicht alle.
Auch kann moderne Erwachsenenbildung auch intensiver betrieben werden als
nur mit zwei Lehrvorträgen, wie eine französische Lebensrechtsorganisation in einem
Tagesseminar demonstriert
hat.
Es gibt also ein noch ungenütztes Potential an Methodik wie Gläubigen. Damit lebt die Hoffnung,
die gegenwärtige fatale Entchristlichung der Menschen doch noch stoppen zu können.