08:27:35 | Samstag, 24. Januar 2009
Papst Benedikt XVI. wird offenbar heute die Exkommunikationen gegen die vier Bischöfe der Piusbruderschaft revidieren. Jüdische Kreise empören sich mehr über die innerkirchliche Versöhnung als über das Gaza- Gemetzel.

Die unerlaubten Bischofsweihen von 1988
(kreuz.net, Vatikan) Heute Samstag wird die Vatikanzeitung ‘Osservatore Romano’ eine Stellungnahme zur
Rücknahme der Exkommunikation gegen die vier Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. publizieren.
Das berichtete die römische Agentur ‘I Media’.
Der offenbar bevorstehende Schritt des Papstes werde
als „Akt der Barmherzigkeit“ beschrieben.
Andrea Tornielli berichtete bereits in der Freitagsausgabe
der Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’ – also noch vor ‘I Media’ –, daß das Dekret mit der Rücknahme
der Exkommunikationen heute Samstag, oder zumindest nächste Woche, erscheinen wird.
Der Generalobere
der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, sei in den letzten Tagen in Rom gewesen und habe dort auch
den neuen Präfekten der Liturgiekongregation, Antonio Kardinal Cañizares, getroffen.
Der Vatikanist
der Zeitung ‘Il Riformista’, Paolo Luigi Rodari, erwartete das Dekret in der Freitagsausgabe ebenfalls
für heute Samstag oder spätestens Montag.
Das Dekret ist angeblich vom Präfekten der Bischofskongregation,
Giovanni Battista Kardinal Re (74), unterzeichnet. Die Meinung des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte
sei gehört worden.
Noch am Tag zuvor erklärte Rodari, daß dieser Rat das Dokument unterschrieben hätte.
Schon am 17. Januar berichtete der spanische Anwalt Francisco José Fernández auf seinem bekanntenWeblog
‘La Cigüeña de la Torre’, daß er von
„einer Bombe“ erfahren habe.
Der britische Priester, Hw. Ray
Blake, bremst auf seinem Weblog ‘marymagdalen.blogspot.com’ die Euphorie. Lehrmäßige und kirchenrechtliche
Fragen würden weiterbestehen:
„Ich zweifle, daß mein Bischof eingeladen wird, in der benachbarten Kapelle
der Piusbruderschaft ein Pontifikalamt zu feiern oder daß die Meßzeiten der Kapelle im nächsten diözesanen
Direktorium stehen werden.“
Der römische Rabbiner Riccardo Di Segni warnt vor einer Versöhnung mit
der Piusbruderschaft. Di Segni äußerte sich vor der Turiner Tageszeitung ‘La Stampa’. Die Aussöhnung
sei eine „tiefe Wunde“ für die jüdisch-katholischen Beziehungen.
Mehrere jüdische Vereinigungen kritisierten
die Rücknahme der Exkommunikation besonders unter dem Vorwand des jüngsten
Interviews von Bischof Richard
Williamsons über die nationalsozialistischen Völkermorde.
Rabbiner Di Segni hat den jüngsten Völkermord
der israelischen Armee in Gaza hart verteidigt.