Stellungnahmen
Nun kommt das Zweite Vatikanum an die Reihe
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist dem Papst überaus dankbar für das heute veröffentlichte Dekret. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz nimmt die Sache gezwungenermaßen hin. Stellungnahmen.
Links: Bischof Bernard Fellay
Rechts: Erzbischof Robert Zollitsch
Links: Bischof Bernard Fellay
Rechts: Erzbischof Robert Zollitsch
Gespräche über die Lehre

„Wir äußern unsere kindliche Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Vater für seine Geste, die – außerhalb der Priesterbruderschaft St. Pius X. – der ganzen Kirche nutzen wird. Unsere Bruderschaft wünscht sich, dem Papst immer mehr zu helfen, die beispiellose Krise – die gegenwärtige die katholische Welt erschüttert und die Papst Johannes Paul II. als ein Status der ‘stillen Apostasie’ beschrieben hat – zu beseitigen.

Neben unserer Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Vater und allen, die ihm geholfen haben, diesen mutigen Akt zu setzen, freuen wir uns, daß das Dekret vom 21. Januar Gespräche mit dem Heiligen Stuhl als notwendig erachtet. Diese Gespräche werden der Priesterbruderschaft St. Pius X. ermöglichen, ihre fundamentalen lehrmäßigen Gründe zu erklären, die sie für die Ursache der gegenwärtigen Schwierigkeiten der Kirche hält.“

Bischof Bernard Fellay in einer Stellungnahme zur Aufhebung der Exkommunikationen.

Keine Annullierung

„Es handelt sich tatsächlich um eine Aufhebung beziehungsweise um einen Nachlaß der Exkommunikation im Sinne eines Strafnachlasses. Das aber bedeutet, daß die Exkommunikation tatsächlich vor mehr als 20 Jahren eingetreten ist. Die Strafe wurde dann durch die Feststellung der Exkommunikation auch für den äußeren Rechtsbereich wirksam und mit Rechtfolgen verschärft. Folglich handelt es sich nicht um eine Nichtigerklärung der Exkommunikation. Sie wäre dann am Platze gewesen, wenn die Exkommunikation von Rechts wegen (latae sententiae) nicht eingetreten wäre wegen eines Notstandes.“

Der Kirchenrechtler und Latinist bei Radio Vatikan, Hw. Gero P. Weishaupt, in einer Aussendung.

Ausgestreckte Hand oder Schisma-Keule?

„Die heute vom Heiligen Stuhl veröffentlichte Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe, die Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1988 unerlaubt geweiht hatte, beweist die Bereitschaft von Papst Benedikt XVI., der schismatischen Bewegung des verstorbenen Erzbischofs einen weiteren Schritt entgegenzugehen, um die Einheit der Kirche zu fördern.

Papst Benedikt XVI. bietet der Priesterbruderschaft Pius X. die ausgestreckte Hand. Mit ihm hoffe und bete ich, daß man sie ergreift.

Der Papst zeigt die Möglichkeit der Rückkehr in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und läßt zugleich keinen Zweifel daran, daß die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils unabdingbar Grundlage für das Leben der Kirche sind.“

Stellungnahme des Erzbischofs von Freiburg und Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Mons. Robert Zollitsch.

Jetzt oder nie

„Ich bin überzeigt, daß ohne das Auftreten von Erzbischof Marcel Lefebvre und seinen Anhängern unser großes Anliegen, nämlich den Glauben zu bewahren und die Liturgie zu erhalten, nicht in diesem Maße in die Öffentlichkeit gedrungen wäre. […] Wenn eine Einigung erfolgen kann, dann unter diesem Heiligen Vater. […] Er geht sicher bis an die Grenze des Möglichen, wenn er um eine Wiedervereinigung mit dem Heiligen Stuhl besorgt ist. Ich meine, die Priesterbruderschaft sollte diese Chance nicht vorübergehen lassen.“

Prof. Georg May im Videointerview vor der Aufhebung der Exkommunikationen mit ‘Gloria.TV’.



Auf dem Weg, nicht am Ziel

„Ob die Aufhebung der Exkommunikationen schon bedeutet, daß die volle Einheit zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und der Kirche wiederhergestellt ist, wage ich nicht zu behaupten. Denn auch die Exkommunikation des Patriarchen von Konstantinopel hat schon Papst Paul VI. aufgehoben, was nicht heißt, daß seither die volle kirchliche Einheit mit der Orthodoxie besteht. Was die Aufhebung der Exkommunikationen in diesem Fall bedeutet, ist also noch nicht klar.“

Der emeritierte Münchner Philosoph Robert Spaemann noch vor der Veröffentlichung des Dekrets im Gespräch mit der Nachrichtenseite ‘kathnews.de’.

Anderer Vorgang

„Die Äußerungen des britischen lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson zum Holocaust seien »in keiner Weise akzeptabel«. Das sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ am Samstag im Gespräch mit ‘Kathpress’. Die Rücknahme der Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. stehe damit aber in keinem Zusammenhang. »Es handelt sich um einen anderen Vorgang«, fügte P. Lombardi hinzu.“

Aus einem Artikel der österreichischen Nachrichtenagentur ‘Kathpress’.