20:29:03 | Donnerstag, 29. Januar 2009
Deutsche Zeitungen haben in den Reihen der Piusbruderschaft schon den nächsten angeblichen Holocaust-Leugner ausgegraben. Er ist sogar jüdischer Abstammung. Das Interview.

Links: Pater Floriano Abrahamowicz
Rechts: Der Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre.
(kreuz.net) Heute erschien in der italienischen Regionalzeitung ‘La Tribuna di Treviso’ ein Interview
über die nationalsozialistische Judenermordung mit dem aus Wien stammenden Pater Floriano Abrahamowicz,
der zur Piusbruderschaft gehört.
Pater Abrahamowicz ist Konvertit und Sohn eines evangelischen Pastors
mit jüdischen Wurzeln.
Der Geistliche ist in der norditalienischen Stadt Treviso tätig. Die Medienkonzerne
bemühen sich mit Eifern, ihn als angeblichen Holocaust-Leugner abzustempeln. Hier der Text des Interviews:
Pater Floriano, ist die Piusbruderschaft antisemitisch?Es ist für einen Katholiken völlig unmöglich,
antisemitisch zu sein. Ich selber habe väterlicherseits jüdische Wurzeln. Mein Nachname legt das auch
nahe.
Die Polemik über die Stellungnahmen von Bischof Richard Williamson betrifft die Existenz von Gaskammern
und wurde für antivatikanische Zwecke stark instrumentalisiert. Mons. Williamson äußerte nur seine
Zweifel. Er bestritt nicht den Holocaust – wie die Zeitungen fälschlich behaupteten –, sondern technische
Aspekte der Gaskammern.
Was ist der „technische Aspekt“ der Gaskammern Ihrer Meinung nach?Natürlich
war es unklug von Mons. Williamson, auf technische Fragen einzugehen. Man kann in dem berühmten Interview
sehen, wie der Journalist offensichtlich zu diesem spezifischen Aspekt hinführt.
Aber man muß verstehen,
daß das Thema des Holocaust auf einem viel höheren Niveau angesiedelt ist als der Frage, ob die Opfer
durch Gas starben oder aus anderen Gründen.
Was denken Sie? Über die Gaskammern, meine ich.Wirklich,
ich weiß es nicht. Ich weiß, daß Gaskammern existierten – zumindest für die Desinfektion. Aber ich
weiß nicht, ob sie verwendet wurden, um Leute zu töten, weil ich mich mit dieser Frage nicht beschäftigt
habe.
Ich weiß, daß es neben der offiziellen Version eine andere gibt, die sich auf die Beobachtungen
der ersten alliierten Techniker im Lager stützt.
Hegen Sie Zweifel an der Zahl der Holocaust-Opfer?
Nein, ich hege keine Zweifel an den Zahlen. Es könnte auch mehr als sechs Millionen Opfer gegeben haben.
Sogar in der jüdischen Welt haben die Zahlen eine symbolische Bedeutung.
Papst Benedikt XVI. sagt, daß
nur eine ungerecht ermordete Person zuviel ist. Das ist eine Weise, zu sagen, daß das sechs Millionen
Opfern entspricht.
Über Zahlen zu reden, ändert nichts in bezug auf das Wesentliche des Völkermordes,
das immer ein Exzeß ist.
Exzeß? In welchem Sinn?Die Zahl [der sechs Millionen] stammt vom Anführer
der deutschen jüdischen Bewegung. Er sagte den US-Amerikanern kurz nach der Befreiung im Affekt eine
Zahl.
Aber wie konnte er das wissen? Der entscheidende Punkt für ihn war, daß diese Opfer aus religiösen
Gründen ungerecht ermordet wurden.
Wenn man Kritik anbringen will, dann an der Art, wie mit der Tragödie
des Holocaust umgegangen wurde, daß ihr eine Vormachtstellung gegenüber den anderen Völkermorden eingeräumt
wurde.
Auf welche Vernichtungen beziehen Sie sich?Angenommen Bischof Williamson hätte im Fernsehen
den Genozid an 1,2 Millionen Armeniern durch die Türken geleugnet. Ich glaube nicht, daß alle Zeitungen
genauso darüber geschrieben hätten, wie sie es jetzt tun.
Wer hat jemals über den US-amerikanischen
Genozid gesprochen – durch die Bombardierungen auf deutsche Städte? Wer hat jemals über den britischen
Premierminister Winston Churchill († 1965) gesprochen, der die Phosphor-Bombardierung von Dresden befohlen
hat, wo sich nicht nur viele Zivilisten, sondern auch viele alliierte Soldaten befanden?
Wer hat über
die englische Luftwaffe gesprochen, die durch Bombardierung der Städte Hunderttausende Zivilisten tötete?
Und die Israelis können mir sicher nicht erzählen, daß der Genozid, den sie von den National-Sozialisten
erlitten haben, weniger schlimm ist, als der im Gazastreifen – nur weil sie einige tausend Personen getötet
haben und die National-Sozialisten sechs Millionen.
Hier kritisiere ich das Judentum, das sich empört,
statt die Opfer des Völkermords anständig zu ehren.
Es ist, als ob es in der Geschichte nur einen Genozid
gegeben hätte, den an den Juden im Zweiten Weltkrieg.
Es scheint, als ob man über alle anderen ausgerotteten
Völker alles sagen kann. Niemand auf internationaler Ebene würde sich darüber so äußern, wie dies
jetzt nach den Erklärungen von Bischofs Williamsons geschieht.
Warum haben so viele Leute noch immer
Zweifel an der Schoah? Warum ist es ein Thema, daß die Leute noch immer so tief spaltet?Weil die ganze
Menschheitsgeschichte vom Volk Israel gezeichnet ist. Es war ursprünglich das Volk Gottes, das dann das
Volk des Gottesmordes wurde und das sich am Ende der Zeiten zu Christus bekehren wird.
Hinter all dem
steht der geheimnisvolle theologischer Aspekt, daß das Volk Gottes seinen Messias verworfen hat und nach
wie vor bekämpft. Es ist ein Geheimnis der Glaubenslehre. Antisemitismus stammt von der aufgeklärten
liberalen und gnostischen Welt.
Die Kirche hat die Juden durch die Geschichte hindurch immer vor Pogromen
beschützt, wie man, beispielsweise, im Buch von Domenico Savino über rituellen Mord lesen kann.
Was
denken Sie über Holocaust-Leugnung?Leugnung ist ein falsches Problem, weil es auf Methoden und Zahlen
fokussiert und nicht den Kern des Problems angeht. Jene, welche die technischen Daten studiert haben,
und die bestimmte Zweifel an der Version hegen, die wir in Geschichtsbüchern finden, sind keine Antisemiten.
Es genügt, daran zu erinnern, daß die ersten, welche diese [technischen] Daten gefunden haben, jene
waren, welche die Juden gerettet haben, nämlich die Alliierten.
Haben Sie eine Botschaft an die jüdische
Gemeinschaft?Eine Botschaft: Als Katholik – mit ein wenig jüdischem Blut, das in meinen Venen fließt –
formuliere ich die Hoffnung, daß die Juden Unseren Herrn Jesus Christus annehmen. Amen.