Benedikt XVI.
Es gibt einen hochinteressanten Zusammenhang
Der Einsatz von Gas bei der Vernichtung von Juden durch die Deutschen war – anders als weithin angenommen – ein nebensächliches Phänomen.
Bischof Williamson bei einer Firmreise in Deutschland.
Bischof Williamson bei einer Firmreise in Deutschland.
(kreuz.net) „Wird der Papst exkommuniziert“ – fragte sich Yavuz Özoguz am 5. Februar auf der deutschen Webseite ‘muslim-markt.de’.

Özoguz (49) ist ein in Deutschland aufgewachsener türkischstämmiger Verfahrensingenieur und Journalist.

Für ihn geschehen gegenwärtig in Deutschland „merkwürdige Dinge“:

„Die gleichen öffentlich-rechtlichen Medien, die es fertig gebracht haben, in drei Wochen Gaza-Massaker nicht eine einzige Sondersendung zu senden, nicht einen einzigen »Brennpunkt«, nicht eine einzige Talkshow zu organisieren, überschlagen sich jetzt regelrecht mit Sondersendungen und Talkshows, wenn es darum geht, dem Papst religiöse Vorschriften zu machen.“

Vergaste Wahrheit

Özoguz ist kein Freund der Lefebvristen oder der Katholischen Kirche: „Zunächst sei darauf verwiesen, daß jene Pius-Bruderschaft nicht nur extreme Judenhasser sind, sondern im gleichen Maß auch Muslime hassen.“

Eine Verurteilung von Bischof Williamson wegen seinen Gaskammer-Aussagen scheint Özoguz unwahrscheinlich.

Mons. Williamson ist nicht der erste, der ungestraft auf deutschem Boden solch eine Behauptung aufstellt habe – erklärt er:

„Kein geringerer als der berühmte Daniel J. Goldhagen schreibt in seinem Buch »Hitlers willige Vollstrecker« folgenden Satz: »Der Einsatz von Gas bei der Vernichtung von Juden durch die Deutschen war daher – anders als weithin angenommen – ein nebensächliches Phänomen!« (Fußnote 81 auf Seite 603).“

Özoguz unterstreicht, daß das Buch seit dem Jahr 2004 in deutscher Übersetzung auf deutschem Boden problemlos erhältlich ist – „und kein Staatsanwalt der Welt hat gegen Herrn Goldhagen oder den herausgebenden Verlag in Deutschland ermittelt.“

Nicht einmal in Israel

Dann geht der Journalist auf Mons. Williamsons Aussage ein, daß im Zweiten Weltkrieg einige Hunderttausend Juden ermordet wurden.

Entgegen dieser Ansicht gehe das deutsche Gesetz faktisch von sechs Millionen ermordeten Juden aus und drohe jedem Strafe an, der diese Zahl vermindere.

In anderen Ländern – nicht einmal in Israel – sei es aber keine Straftat, von weniger ermordeten Juden auszugehen.

Özoguz faßt zusammen: „Fakt ist, daß ein britischer Staatsbürger in seinen Aussagen etwas über die deutsche Geschichte von sich gegeben hat, das in Deutschland und Österreich strafbar ist oder sein könnte – aber sonst nirgendwo in der Welt (nicht einmal in Europa), und der Papst dessen Exkommunikation aufgehoben hat, wobei das eine mit dem anderen gar nicht zu tun hat.“

Der moslemische Journalist erinnert daran erinnert, daß selbst Mörder in der Katholischen Kirche nicht unbedingt exkommuniziert werden.

Exkommunizierter Papst

Obwohl der Papst selber „nie Zweifel am Holocaust geschürt“ habe, können man von einer Art Exkommunikation des Papstes von der „westlichen Wertegemeinschaft“ sprechen.

Für Özoguz ist die antipäpstliche Medienschelte unverständlich, „weil westliche Medien sich sonst in religiösen Fragen nicht unbedingt als Verteidiger von Wahrheit und Würde hervortun.“

Denn unter dem Vorwand der Freiheit von Kunst dürfe man Gott verächtlich machen, den Namen Gottes mißbrauchen, sämtliche Propheten verächtlich machen, über alle praktizierende Gläubige und ihre Riten herziehen, insbesondere über den Islam und die Muslime.

Auch der Papst dürfe in den Medien im Namen der Freiheit durch alle mögliche Drecksbrühen gezogen werden, „ohne daß irgend jemand sich ernsthaft darüber aufregen würde.“

Ein anderer Völkermord ist die Lösung

Eine Antwort auf diese Widersprüche findet Özoguz in einer interessanten Beobachtung:

„Tatsache ist, daß die gesamte aktuelle Angelegenheit dazu förderlich ist, die Menschen zu spalten! Katholiken sollen gegen Juden aufgebracht werden, Muslime gegen Juden und Katholiken und Juden gegen alle, die gegen Israel sind – selbst wenn es Juden sind –, denn die heutige Anti-Papst-Front ist identisch mit der Pro-Israel-Front beim Gaza-Krieg“.

Die lachenden Dritten sind – so Özoguzs scharfe Analyse – jene, welche die Menschheit an den Abgrund geführt haben: „ Man findet sie in allen Religionen!“

Fazit: „Muslime sollten sich aus jenem Konflikt heraushalten und auch nicht auf den Zug der Papstkritik aufspringen, der jetzt vorgibt, auch den Islam gegen den Papst schützen zu wollen.“

Özoguz geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn Muslime überhaupt Stellung dazu beziehen wollen, dann ist jetzt der Papst zu schützen vor den Angriffen derjenigen, die eine Gesellschaft ohne Gott im Mittelpunkt wünschen“.