17:18:12 | Freitag, 6. Februar 2009
Benedikt XVI.
Der Einsatz von Gas bei der Vernichtung von Juden durch die Deutschen war – anders als weithin angenommen – ein nebensächliches Phänomen.

Bischof Williamson bei einer Firmreise in Deutschland.
(kreuz.net) „Wird der Papst exkommuniziert“ – fragte sich Yavuz Özoguz am 5. Februar auf der deutschen
Webseite
‘muslim-markt.de’.
Özoguz (49) ist ein in Deutschland aufgewachsener türkischstämmiger Verfahrensingenieur
und Journalist.
Für ihn geschehen gegenwärtig in Deutschland „merkwürdige Dinge“:
„Die gleichen öffentlich-rechtlichen
Medien, die es fertig gebracht haben, in drei Wochen Gaza-Massaker nicht eine einzige Sondersendung zu
senden, nicht einen einzigen »Brennpunkt«, nicht eine einzige Talkshow zu organisieren, überschlagen
sich jetzt regelrecht mit Sondersendungen und Talkshows, wenn es darum geht, dem Papst religiöse Vorschriften
zu machen.“
Vergaste WahrheitÖzoguz ist kein Freund der Lefebvristen oder der Katholischen Kirche:
„Zunächst sei darauf verwiesen, daß jene Pius-Bruderschaft nicht nur extreme Judenhasser sind, sondern
im gleichen Maß auch Muslime hassen.“
Eine Verurteilung von Bischof Williamson wegen seinen Gaskammer-Aussagen
scheint Özoguz unwahrscheinlich.
Mons. Williamson ist nicht der erste, der ungestraft auf deutschem
Boden solch eine Behauptung aufstellt habe – erklärt er:
„Kein geringerer als der berühmte
Daniel J.
Goldhagen schreibt in seinem Buch »Hitlers willige Vollstrecker« folgenden Satz: »Der Einsatz von Gas
bei der Vernichtung von Juden durch die Deutschen war daher – anders als weithin angenommen – ein nebensächliches
Phänomen!« (Fußnote 81 auf Seite 603).“
Özoguz unterstreicht, daß das Buch seit dem Jahr 2004 in
deutscher Übersetzung auf deutschem Boden problemlos erhältlich ist – „und kein Staatsanwalt der Welt
hat gegen Herrn Goldhagen oder den herausgebenden Verlag in Deutschland ermittelt.“
Nicht einmal in Israel
Dann geht der Journalist auf Mons. Williamsons Aussage ein, daß im Zweiten Weltkrieg einige Hunderttausend
Juden ermordet wurden.
Entgegen dieser Ansicht gehe das deutsche Gesetz faktisch von sechs Millionen
ermordeten Juden aus und drohe jedem Strafe an, der diese Zahl vermindere.
In anderen Ländern – nicht
einmal in Israel – sei es aber keine Straftat, von weniger ermordeten Juden auszugehen.
Özoguz faßt
zusammen: „Fakt ist, daß ein britischer Staatsbürger in seinen Aussagen etwas über die deutsche Geschichte
von sich gegeben hat, das in Deutschland und Österreich strafbar ist oder sein könnte – aber sonst nirgendwo
in der Welt (nicht einmal in Europa), und der Papst dessen Exkommunikation aufgehoben hat, wobei das eine
mit dem anderen gar nicht zu tun hat.“
Der moslemische Journalist erinnert daran erinnert, daß selbst
Mörder in der Katholischen Kirche nicht unbedingt exkommuniziert werden.
Exkommunizierter PapstObwohl
der Papst selber „nie Zweifel am Holocaust geschürt“ habe, können man von einer Art Exkommunikation
des Papstes von der „westlichen Wertegemeinschaft“ sprechen.
Für Özoguz ist die antipäpstliche Medienschelte
unverständlich, „weil westliche Medien sich sonst in religiösen Fragen nicht unbedingt als Verteidiger
von Wahrheit und Würde hervortun.“
Denn unter dem Vorwand der Freiheit von Kunst dürfe man Gott verächtlich
machen, den Namen Gottes mißbrauchen, sämtliche Propheten verächtlich machen, über alle praktizierende
Gläubige und ihre Riten herziehen, insbesondere über den Islam und die Muslime.
Auch der Papst dürfe
in den Medien im Namen der Freiheit durch alle mögliche Drecksbrühen gezogen werden, „ohne daß irgend
jemand sich ernsthaft darüber aufregen würde.“
Ein anderer Völkermord ist die LösungEine Antwort
auf diese Widersprüche findet Özoguz in einer interessanten Beobachtung:
„Tatsache ist, daß die gesamte
aktuelle Angelegenheit dazu förderlich ist, die Menschen zu spalten! Katholiken sollen gegen Juden aufgebracht
werden, Muslime gegen Juden und Katholiken und Juden gegen alle, die gegen Israel sind – selbst wenn es
Juden sind –, denn die heutige Anti-Papst-Front ist identisch mit der Pro-Israel-Front beim Gaza-Krieg“.
Die lachenden Dritten sind – so Özoguzs scharfe Analyse – jene, welche die Menschheit an den Abgrund
geführt haben: „ Man findet sie in allen Religionen!“
Fazit: „Muslime sollten sich aus jenem Konflikt
heraushalten und auch nicht auf den Zug der Papstkritik aufspringen, der jetzt vorgibt, auch den Islam
gegen den Papst schützen zu wollen.“
Özoguz geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn Muslime überhaupt
Stellung dazu beziehen wollen, dann ist jetzt der Papst zu schützen vor den Angriffen derjenigen, die
eine Gesellschaft ohne Gott im Mittelpunkt wünschen“.