11:14:34 | Samstag, 14. Februar 2009
Der Vatikan ist dabei, ein neues Glaubensdogma zu verkündigen. Verlangt der Vatikan von Bischof Richard Williamson, daß er lügt? Von Simon Glauber.

Messe bei einer Wahlfahrt der Piusbruderschaft von Chartres nach Paris.
(kreuz.net) Wer den Holokaust leugne, „leugnet den christlichen Glauben selbst“ – erklärte der Sprecher
des Vatikan, Pater Federico Lombardi, Ende Januar.
Ähnliches gab Erzbischof Reinhard Marx von München
und Freising in einer Pressemitteilung bekannt: „Wer den Holokaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen
Kirche.“
Damit verkündigter er eine Kirchenstrafe, die schärfer ist als die Exkommunikation. Denn nach
der Exkommunikation bleibt man wenigstens noch innerhalb der Kirche.
Der Abt des neokonservativen Zisterzienserstifts
Heiligenkreuz bei Wien nannte den Pius-Bischof Richard Williamson mit benediktinischer Sensibilität einen
„Terroristen“, „Idioten“, „Zündler“ und „Dummkopf“.
Nach Weihbischof Andreas Laun von Salzburg ist Mons.
Williamson „nicht ganz dicht“.
Papst Benedikt XVI. bezeichnete die Leugnung des Holocausts am 12. Februar
als „untragbar und inakzeptabel“.
Neu entdeckte BinsenwahrheitDamit gehört die Lehre vom Holokaust
de facto zum katholischen Glaubensgut.
Zu Recht wird ein Leugner der kirchlichen Lehre als höllenverdächtiger
Ketzer betrachtet, der aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und dem weltlichen Arm übergeben werden
muß.
Nach dem Konzil geriet diese Binsenwahrheit etwas in Vergessenheit. Es ist erfreulich, daß hier –
gerade bei den altliberalen Prälaten – eine Rückbesinnung eintritt.
In diesem Fall sind sich Staat
und Kirche einig: Die Leugnung – was auch immer das heißt – des Holokaust ist ein gemeines hinterträchtiges
und unverzeihliches Verbrechen.
Es gibt ein neues DogmaJetzt stellt sich die Frage, wann der Vatikan
diesen neuen Glaubenssatz formell ins offizielle katholische Credo einführen wird.
Wo ist die dogmatische
Grundlage dieses Glaubenssatzes? Stützt er sich nur auf die Urteile der weltlichen Justiz? Stützt er
sich auf kirchliche Forschungen? Und wo sind diese?
Der Vatikan fordert von Bischof Williamson, daß
er zurücknimmt und sich von dem, was er gesagt hat, distanziert.
Verlangt der Vatikan von dem Bischof,
daß er lügt? Das wäre der Fall, wenn er eine Aussage machen würde, von deren Richtigkeit er nicht
überzeugt ist – ja die er für falsch hält.
Das Dogma darf nicht begründet werdenAm 8. Februar wurde
berichtet, daß Mons. Williamson zuerst Beweise prüfen wolle, bevor er erklären könne, sich geirrt
zu haben.
Ein hysterisches Gebrüll begleitete diese Ankündigung. Doch ist das nicht das gute Recht
eines jeden Menschen?
Kirchenrechtler hielten nach dieser Meldung sogar einen neuerlichen Rauswurf des
Bischofs aus der Kirche für möglich.
Ein Grund für so einen Schritt sei unter anderem, wenn aus dem
Raum der Kirche die Würde des Menschen verletzt werde.
Was heißt das? Leugnen heißt lügen – die Wahrheit
wissen und die Lüge sagen.
Hysterie statt HistorieWenn einer aber überzeugt ist, daß es so ist,
wie er es sagt, dann ist er kein Leugner, sondern ein Wissender oder ein Irrender.
Die Meinung eines
anderen sofort als Leugnung zu bezeichnen, bedeutet eine Verachtung des Menschen und seines Gewissens.
Was die Kleriker derzeit aufführen, gibt zu denken.
Es ist offensichtlich, daß es beim Williamson-Pogrom
nicht um die Frage „Holokaust ja oder nein“ geht.