Holocaust
Ein hysterisches Gebrüll begleitete die Ankündigung
Der Vatikan ist dabei, ein neues Glaubensdogma zu verkündigen. Verlangt der Vatikan von Bischof Richard Williamson, daß er lügt? Von Simon Glauber.
Messe bei einer Wahlfahrt der Piusbruderschaft von Chartres nach Paris.
Messe bei einer Wahlfahrt der Piusbruderschaft von Chartres nach Paris.
(kreuz.net) Wer den Holokaust leugne, „leugnet den christlichen Glauben selbst“ – erklärte der Sprecher des Vatikan, Pater Federico Lombardi, Ende Januar.

Ähnliches gab Erzbischof Reinhard Marx von München und Freising in einer Pressemitteilung bekannt: „Wer den Holokaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen Kirche.“

Damit verkündigter er eine Kirchenstrafe, die schärfer ist als die Exkommunikation. Denn nach der Exkommunikation bleibt man wenigstens noch innerhalb der Kirche.

Der Abt des neokonservativen Zisterzienserstifts Heiligenkreuz bei Wien nannte den Pius-Bischof Richard Williamson mit benediktinischer Sensibilität einen „Terroristen“, „Idioten“, „Zündler“ und „Dummkopf“.

Nach Weihbischof Andreas Laun von Salzburg ist Mons. Williamson „nicht ganz dicht“.

Papst Benedikt XVI. bezeichnete die Leugnung des Holocausts am 12. Februar als „untragbar und inakzeptabel“.

Neu entdeckte Binsenwahrheit

Damit gehört die Lehre vom Holokaust de facto zum katholischen Glaubensgut.

Zu Recht wird ein Leugner der kirchlichen Lehre als höllenverdächtiger Ketzer betrachtet, der aus der katholischen Kirche ausgeschlossen und dem weltlichen Arm übergeben werden muß.

Nach dem Konzil geriet diese Binsenwahrheit etwas in Vergessenheit. Es ist erfreulich, daß hier – gerade bei den altliberalen Prälaten – eine Rückbesinnung eintritt.

In diesem Fall sind sich Staat und Kirche einig: Die Leugnung – was auch immer das heißt – des Holokaust ist ein gemeines hinterträchtiges und unverzeihliches Verbrechen.

Es gibt ein neues Dogma

Jetzt stellt sich die Frage, wann der Vatikan diesen neuen Glaubenssatz formell ins offizielle katholische Credo einführen wird.

Wo ist die dogmatische Grundlage dieses Glaubenssatzes? Stützt er sich nur auf die Urteile der weltlichen Justiz? Stützt er sich auf kirchliche Forschungen? Und wo sind diese?

Der Vatikan fordert von Bischof Williamson, daß er zurücknimmt und sich von dem, was er gesagt hat, distanziert.

Verlangt der Vatikan von dem Bischof, daß er lügt? Das wäre der Fall, wenn er eine Aussage machen würde, von deren Richtigkeit er nicht überzeugt ist – ja die er für falsch hält.

Das Dogma darf nicht begründet werden

Am 8. Februar wurde berichtet, daß Mons. Williamson zuerst Beweise prüfen wolle, bevor er erklären könne, sich geirrt zu haben.

Ein hysterisches Gebrüll begleitete diese Ankündigung. Doch ist das nicht das gute Recht eines jeden Menschen?

Kirchenrechtler hielten nach dieser Meldung sogar einen neuerlichen Rauswurf des Bischofs aus der Kirche für möglich.

Ein Grund für so einen Schritt sei unter anderem, wenn aus dem Raum der Kirche die Würde des Menschen verletzt werde.

Was heißt das? Leugnen heißt lügen – die Wahrheit wissen und die Lüge sagen.

Hysterie statt Historie

Wenn einer aber überzeugt ist, daß es so ist, wie er es sagt, dann ist er kein Leugner, sondern ein Wissender oder ein Irrender.

Die Meinung eines anderen sofort als Leugnung zu bezeichnen, bedeutet eine Verachtung des Menschen und seines Gewissens.

Was die Kleriker derzeit aufführen, gibt zu denken.

Es ist offensichtlich, daß es beim Williamson-Pogrom nicht um die Frage „Holokaust ja oder nein“ geht.