Sonntag, 7. November 2004 09:01
Ärgernis: Meßtext ohne Wandlungsworte verwirrt die Gläubigen
Widersprüchliches aus dem Vatikan zu einem umstrittenen Eucharistischen Hochgebet ohne Wandlungsworte.
(kreuz.net, Rom) Die letzte Nummer der theologischen Zeitschrift „Divinitas“, die vom angesehenen Verlag der Vatikanischen Buchhandlung herausgegeben wird, behandelt die Frage des stark umstrittenen Eucharistischen Hochgebetes (griechisch: Anaphora) von Addai und Mari.

Das Eucharistische Hochgebet ist der zentrale Teil der heiligen Messe, der als Höhepunkt die Wandlungsworte „Nehmet und esset alle davon, dies ist mein Leib der für euch hingegeben wird“ und „Nehmet und trinket alle davon, dies ist mein Blut, das für euch vergossen wird“ enthält.

Der Disput um das Eucharistische Hochgebet von Addai und Mari begann am 26. Oktober 2001. Damals beschlossen drei vatikanische Amtsstellen, der Rat für die Einheit der Christen, die Kongregation für die Ostkirchen und die Glaubenskongregation, die Interkommunion zwischen den von Rom getrennten Ostassyrern und den mit Rom unierten chaldäischen Katholiken zu erlauben. Die chaldäischen Katholiken zelebrieren die Heilige Messe im ostsyrischen Ritus und sind vor allem im heutigen Irak zuhause.

Die ökumenische Übereinkunft zwischen Katholiken und Ostassyrern hat einen Pferdefuß.

Durch die Ermöglichung der eucharistischen Gemeinschaft anerkennt Rom implizit auch die Gültigkeit der von den Ostassyrern verwendeten „Anaphora von Addai und Mari“. Dieses Eucharistische Hochgebet stößt aber zum Teil in der Kirche auf vehemente Ablehnung, weil es keine Wandlungsworte enthält. Diese sind nach der katholischen Lehre unabdingbar, damit die Opfergaben der heiligen Messe zum Leib und Blut Jesu Christi werden.

Die theologische Zeitschrift „Divinitas“ enthält in ihrer letzten Nummer sechs Artikel, die den Beschluß der drei römischen Amtsstellen mehr oder weniger gutheißen, und vier, die sie in Frage stellen.

Das Faktum, daß eine theologische Publikation aus dem Vatikan eine solche Entscheidung zur Diskussion stellt, ist an sich schon erstaunlich. Noch mehr erstaunt freilich, wie offen die Autoren auf die Blume verzichten, durch welche solche Kritiken in vatikanischen Kreisen gewöhnlich vorgebracht werden. Der bekannte deutsche Theologe David Berger (36), Herausgeber der theologischen Zeitschrift „Theologisches“ weist zum Beispiel ohne Umschweife nach, daß die Kirche keine Macht hat, ein Eucharistisches Hochgebet anzuerkennen, das keine Wandlungsworte enthält. Mit anderen Worten: Die nach der „Anaphora von Addai und Mari“ zelebrierte Messe ist ungültig.

Ganz ähnlich argumentiert Mons. Brunero Gherardini in seinem Artikel. Gherardini war viele Jahre Professor für Dogmatik an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom und ist der Chefredaktor von „Divinitas“.

Die offene Darlegung der Fakten ist nach Beobachtern auch darauf zurückzuführen, daß Prof. David Berger ein Laie ist und sich Mons. Brunero Gherardini bereits im fortgeschrittenen Alter befindet. Dadurch seien beide vor Repressalien des im Vatikan von Jahr zu Jahr mächtiger und einflußreicher werdenden links-progressiven Blocks geschützt. Angesichts der offenen Gesprächskultur in „Divinitas“ könne man – so eine Stimme aus dem Vatikan – schon jetzt gespannt sein, wer vom mächtigen Staatssekretariat als Nachfolger für den greisen Mons. Gherardini im Amt des Chefredaktors von „Divinitas“ ernannt werde.
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