17:03:50 | Sonntag, 7. November 2004
EU
EU-Fundamentalismus-Krise: „Ich bin die Hexe, die sie verbrennen wollten“
Gläubige Christen haben in der Europäischen Union nichts verloren. Linke EU-Fundamentalisten wollen ein Berufsverbot für Katholiken.
(kreuz.net, Mailand) „Ich glaube verstanden zu haben, daß sie eine Hexe zum Verbrennen brauchten. Hier
bin ich, keine normale Hexe, sondern die Hexe aller Hexen“, sagte Rocco Buttiglione zu Beginn einer politischen
Debatte über den Fundamentalismus-Skandal im EU-Parlament.
Buttiglione mußte vergangene Woche nach
heftiger Opposition von seiten fundamentalistischer Kreise im EU-Parlament auf das Amt des EU-Justiz-
und Innenkommissars verzichten.
Die Debatte, die in Mailand stattfand, stand unter dem Titel: „Der katholische
Hexenprozess“.
Mitorganisator der Veranstaltung war der in Italien bekannte Politiker und Journalist
Giuliano Ferrara, der dem linken politischen Spektrum entstammt und sich selber als „überzeugten Atheisten“
bezeichnet.
Am Samstag schrieb Ferrara in der von ihm herausgegebenen Zeitung ‘Il Foglio’ daß es nicht
erstaune, daß Buttigliones EU-Posten jetzt dem „Logenbruder [Franco] Frattini“ anvertraut werde, der
politisch im Umfeld der für die italienische Verwaltung typischen Freimaurerei großgeworden ist.
Rocco
Buttiglione bezeichnete die Ereignisse im EU-Parlament als „sehr ernst“:
„Man hat mir einfach gesagt:
»Da du nach deinen religiösen Ansichten handelst, bist Du für das Amt des EU-Kommissars nicht geeignet«.
Auf so etwas muss man reagieren, damit eines Tages nicht gesagt wird: »Weil du Katholik bist, kannst
du in der Universität oder in der Schule nicht unterrichten«“, betonte der Christdemokrat.
Buttiglione
geriet wegen seiner gemäßigten Ansichten über Homosexualität und die Rolle der Frau in der Gesellschaft
mit den extremistischen Fraktionen im EU-Parlament in Konflikt.
Der 56jährige Philosoph zeigte sich
besorgt über die Diskussion um das Wort „Sünde“, das er für die Homosexualität verwendet hatte.
„Die
Polemik um das Wort beweist, daß es heutzutage verboten ist, eine Gesellschaft aufzubauen, in der man
wirklich in die Tiefe geht. Es gibt eine latente Desinformationsmacht, der man Grenzen setzen muß.“