11:14:08 | Samstag, 1. August 2009
Die Frauen dürfen in dieser bienenfleißigen, erfolgsorientierten Welt nicht länger Schmarotzer sein. Von Eva Herman.
(kreuz.net) Im Koalitionsvertrag der derzeitigen Bundesregierung steht ein folgenschwere Satz, der als
Richtschnur für die politischen Ziele gilt und das derzeitige Handeln auf allen politischen Ebenen sichtbar
macht:
„Kinder dürfen künftig kein Hemmnis mehr sein für Beruf und Karriere.“
Das ist der Grund,
warum alle Gesetzesänderungen, Neuvorlagen und Entscheidungen in Deutschland heute gegen die Familie,
gegen Kinder und gegen die Ehe als natürlicher Partnerschaftsform entschieden werden.
Alles geht zugunsten
der Erwerbstätigkeit der Frau, die den volkswirtschaftlichen Nutzen stärken und den Facharbeitermangel
und die Weltkrise auffangen soll.
Deshalb braucht man die Fremdbetreuung in Kinderkrippen. Dabei wird
nicht gefragt, wie es den Kleinen seelisch geht und welche enormen Risiken durch Fremdbetreuung auf sie
zukommen.
In Matthäus 18, Vers 6, finden wir die Worte Christi, die eindeutiger nicht ausfallen könnten.
Er spricht über die Kinder und ihr Wohlergehen:
„Wer aber einem dieser Kleinen, die an mich glauben,
Ärgernis gibt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft
würde im Meer, wo es am tiefsten ist.“
Es ist, als ob der Gottessohn auch die heutige Zeit im Blick
hatte, wenn er anfügt:
„Weh der Welt der Ärgernis halben. Es muß ja Ärgernis kommen. Doch weh’ dem
Menschen, durch den Ärgernis kommt.“
Ich möchte noch einmal den Satz aus dem Koalitionsvertrag unserer
derzeitigen Bundesregierung dagegenhalten: „Kinder dürfen künftig für Beruf und Karriere kein Hemmnis
mehr sein“.
Deswegen müssen die Frauen ran, und zwar alle. Sie sollen arbeiten gehen und ihre Beiträge
selber bezahlen, ebenso ihre Steuern – um den kranken Staat zu stützen.
Sie sollen dem billionenschwer
verschuldeten Staat nicht zur Last fallen, indem sie zu Hause bleiben und sich nur um ihre Kinder und
den Haushalt kümmern. Auch der Gesellschaft dürfen sie nicht zur Last fallen.
Sie dürfen in dieser
bienenfleißigen, erfolgsorientierten Welt keine Schmarotzer sein – oder, wie die Bundesfamilienministerin
es im siebten Familienbericht 2006 formulierte, „hedonistisch in den Tag hinein leben“.
Rente gibt’s
für diese Hausmuttchentätigkeit selbstverständlich auch keine.
Außerdem sind die Frauen billige Arbeitskräfte.
Sie verdienen immer noch 23 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Mitbewerber.
Und die Kinder? Deutschlands-
und Europas Zukunft? Kaum jemand erkundigt sich nach ihrem Wohlergehen.
Ihre natürlichen Bedürfnisse
nach Nähe, Liebe und Geborgenheit, die sie durch die von der Natur ausgesuchten Person, die Mutter, erhalten,
werden bei den staatspolitisch ausgerichteten Dringlichkeiten nicht berücksichtigt.
Die zum Teil verheerenden
Folgen der Trennung von Mutter und Kleinkind sind durch internationale Studien wissenschaftlich längst
belegt.
Die Entwicklung für das weitere Leben von Krippenkindern nimmt einen schwierigeren Verlauf.
Das Risiko für persönliche Probleme steigt. Darüber müssen wir auch nicht mehr diskutieren. Wir wissen
es.
Wer also sagt, daß wir für das Berufsleben belastungsfähige, junge Menschen brauchen, muß wissen,
daß wir die dafür nötigen Menschen nicht in Kinderkrippen heranziehen.
Sie stammen einzig und allein
aus natürlichen, stabilen Familien, in denen Liebe, Zuwendung, auch Disziplin und Zuverlässigkeit, Rücksichtnahme,
Hilfsbereitschaft und Verantwortungsgefühl erlernt und für das ganze Leben vermittelt werden.
Vielleicht
sollten wir uns dazu das Zitat des einstigen, kommunistischen Kommissar für Erziehung in der damaligen
Sowjetunion, Anatoli Lunacharski († 1933), ansehen, die er vor fast hundert Jahren niederschrieb:
„Unsere
Aufgabe ist die Zerstörung der Familie und die Ablösung der Frau von der Erziehung ihrer Kinder.
Wenn
wir in unseren Gemeinschaftshäusern gut vorbereitete Abteilungen für Kinder organisiert haben, ergibt
es sich zweifellos, daß die Eltern ihre Kinder von allein dorthin senden werden, wo sie durch medizinisch
und pädagogisch qualifiziertes Personal überwacht sind.
Dadurch werden zweifellos Ausdrücke wie »meine
Eltern« oder »unsere Kinder« immer weniger gebraucht werden und durch Begriffe wie die Alten, die Kinder,
die Säuglinge ersetzt werden.“Es ist hoffentlich nur ein Zufall, daß in unserer Verfassung vertraute
Begriffe wie „der Mensch“ inzwischen durch „die Person“ ersetzt wurden.
Michael Gorbatschow nahm in seinem
Buch „Perestroika“ zu den sowjetischen Familienmaßnahmen, die den Staat jahrzehntelang veränderten,
deutlich Stellung. Er schrieb:
„Wir haben erkannt, daß viele unserer Probleme im Verhalten vieler Kinder
und Jugendlicher – in unserer Moral, der Kultur und der Produktion – zum großen Teil durch die Lockerung
familiärer Bindungen und die Vernachlässigung der familiären Verantwortung verursacht werden.
Dies
ist ein paradoxes Ergebnis unseres ernsthaften und politisch gerechtfertigten Wunsches, die Frau dem Mann
in allen Bereichen gleichzustellen.
Mit der Perestroika haben wir angefangen, auch diesen Fehler zu überwinden.
Aus diesem Grund führen wir jetzt in der Presse, in öffentlichen Organisationen, bei der Arbeit und
zu Hause hitzige Debatten über die Frage, was zu tun ist, um den Frauen zu ermöglichen, zu ihrer eigentlichen
weiblichen Lebensaufgabe zurückzukehren.“Die Autorin ist ehemalige Nachrichtensprecherin des ‘Norddeutschen
Rundfunks’. Der Text ist Teil eines Vortrages, den sie am 16. Mai 2009 in Frankfurt am Main hielt.Nächstes
Mal: Sie rudern alle zurück