Nationalsozialismus
„Der Nationalsozialismus basiert auf dem wahren Christentum“
Adolf Hitler pries in seinen Reden immer wieder das „wahre“ – im Gegensatz zum traditionellen – Christentum. Was war seine Absicht? Von Selwyn Duke.
Adolf Hitler 1933
Adolf Hitler 1933
© Deutsches Bundesarchiv, CC
(kreuz.net) Von Adolf Hitler sind zahlreiche scharf antichristliche Aussagen bekannt. Dennoch äußerte er sich manchmal auch zugunsten des Christentums und präsentierte sich als Mann des Glaubens.

Im Jahr 1934 sagte er während einer Rede in Koblenz: „Ich weiß, daß hier und da der Einwand vorgebracht wurde: »Sie haben das Christentum verlassen.« Nein, wir haben das Christentum nicht verlassen. Jene die vor uns gekommen sind, haben das Christentum verlassen. Der Nationalsozialismus widersetzt sich nicht der Kirche noch ist antireligiös. Im Gegenteil, er basiert auf dem wahren Christentum.“

Während einer Rede am 12. April 1922 sagte er: „Mein Gefühl als Christ verweist mich auf meinen Herrn und Erlöser als einen Kämpfer“.

In einer Berliner Rede im Jahr 1933 präsentierte er sich als Verteidiger des Glaubens und sagte:

„Wir waren davon überzeugt, daß das Volk diesen Glauben braucht und verlangt. Wir haben darum den Kampf gegen die atheistische Bewegung aufgenommen und das nicht nur mit einigen theoretischen Erklärungen: Wir haben ihn ausgemerzt.“

Es gibt viele pro-christliche oder antichristliche Hitlerzitate – nicht wenige von ihnen sind gefälscht. Sie werden in der scharfen Debatte zwischen Christen und Atheisten über Hitlers Weltanschauung verwendet.

Wie können wir Hitlers widersprüchliche Aussagen versöhnen? Der Kolumnist Joe Sharkey beantwortete diese Frage in der Tageszeitung ‘New York Times’:

Nach Angaben von Baldur von Schirach, dem Anführer der NS-Jugendorganisation – später als Hitler-Jugend bekannt – „war die Vernichtung des Christentums ein von Anfang an ausdrückliches Ziel der NS-Bewegung“. Doch zunächst machten es „Überlegungen zur Ratsamkeit unmöglich“ diese radikale Einstellung offiziell in die Tat umzusetzen, solange der Nationalsozialismus seine Macht nicht konsolidiert hatte.

Man folgte damit dem gesunden Menschenverstand. Denn Hitler war vieles, aber mit Sicherheit kein ungeschickter Politiker.

Er wußte, daß er für das christliche Volk und die Kirche zunächst eine Fassade errichten mußte, bis er die Macht in Händen hielt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum praktisch alle seine pro-christlichen Aussagen stark verbreitet wurden – und zwar bevor er seine eiserne Faust um den deutschen Hals gelegt hatte.

Dagegen verbreitete er sein antichristliches Gift im privaten Raum – wie es scheint mit viel Leidenschaft – sodann auch nach seiner Machtergreifung, als er seine dunkle Seele ungestraft zeigen durfte.

Die politischen Vorteile des sich Einschmeichelns bei den christlichen Massen sind leicht zu verstehen. Denn hätte Hitler während seines Aufstiegs deren Widerstand provoziert, hätte ihn sein Glück verlassen.

Welchem politischen Ziel diente es später, den Glaube anzugreifen? Welche andere Gründe könnte Hitler gehabt haben, solche Dinge zu sagen – wenn er sie nicht wirklich geglaubt hätte?

Überrascht jemanden dieses Verhalten? Politiker sind wie Wasser, welche die Form des Gefäßes annehmen, in dem sie sich befinden.

Der Verfasser ist ein US-amerikanischer Autor und Kolumnist, der auch durch seine Vorträge bekannt ist.

Nächstes Mal: Hitler redete häufig mit dem Eifer eines Bischofs