Weihbischof Schneider
Die gegenwärtige Kommunion-Austeilung ist zum Heulen
Ein kasachischer Weihbischof mahnt die deutschen Bischöfe, sich nicht nur über die kniende Mundkommunion zu freuen. Die Oberhirten müssen die Meßbesucher auch aktiv von der Handkommunion abbringen.
Weihbischof Athanasius Schneider im Interview mit dem kahtolischen Fernsehsender 'K-TV'.
Weihbischof Athanasius Schneider im Interview mit dem kahtolischen Fernsehsender ‘K-TV’.
(kreuz.net) Im Umgang mit der Heiligen Kommunion herrscht in der Kirche eine große Not.

Das erklärte der deutschstämmige Weihbischof von Karaganda in Kasachstan, Mons. Athanasius Schneider (48), in einem Interview für den katholischen Fernsehsender ‘Kephas-TV’. Der Film wird diese Woche mehrmals ausgestrahlt.

Der Kommunionempfang sei die Begegnung mit Gott, „vor dem sich die Engel niederwerfen“ – erklärt der Weihbischof.

Es müsse beim Kommunionempfang deutlich werden, daß das ein heiliger Augenblick ist.

Für den Gläubigen wäre es das Natürlichste, vor der göttlichen Majestät in die Knie zu gehen: „Das ist das mindeste, was wir dem Herrn schulden.“

Der Mensch bestehe aus Seele und Leib und müsse die Ehrfurcht vor dem Herrn auch zeigen.

Zur gegenwärtigen Kommunionspendung sagte der Weihbischof, daß man Tränen in die Augen bekomme, „wenn man das beobachtet.“

Die Bischöfe sollen sich über die Mundkommunion freuen

Bei der stehenden Handkommunion gebe es fast kein äußeres Zeichen der Anbetung mehr:

„Es ist einfach eine Bewegung in Schlangen, die ziemlich schnell vor sich geht, wo man den Herrn in der Gestalt des Brotes schnell auf die Hand bekommt und sich selber mit den Fingern in den Mund legt.“

Mons. Schneider mahnt auch den Klerus: „Wir sollen uns alle freuen – auch die Bischöfe und die Priester – wenn sich die Gläubigen vor dem Herrn hinknien.“

Gegen das Pastoralkonzil

Im Interview betonte der Weihbischof ferner, daß die Berufung der Handkommunion auf das Zweite vatikanische Pastoralkonzil „ein reines Märchen“ ist.

Das Konzil habe darüber kein Wort gesagt. Die Handkommunion wäre den Konzilsvätern nie in den Sinn gekommen.

Illegal eingeführt

Die Handkommunion in der heutigen Form sei zunächst in den – kirchlich inzwischen toten – Niederlanden widerrechtlich eingeführt worden.

Papst Paul VI. († 1978) habe die Handkommunion erst nachträglich „legitimiert“. Weihbischof Schneider ist überzeugt, daß dieser Papst die Handkommunion nicht wollte.

Im Jahr 1968 befragte der Papst den Weltepiskopat zu dem Thema. Zweidrittel der Bischöfe lehnten die Handkommunion ab. Sie forderten, die überlieferte Form des Kommunionempfangs beizubehalten.

Mons. Schneider erklärt auch warum: Die damaligen Bischöfe erkannten noch die Gefahr, daß Partikel der Hostie auf den Boden fallen und die Ehrfurcht der Gläubigen verlorengeht.

In Kasachstan ist die Handkommunion streng verboten

Weihbischof Schneider berichtet, daß es in Kasachstan die Handkommunion nie gegeben hat:

„Es ist den Gläubigen ein spontanes Bedürfnis, sich hinzuknien. Man braucht s ihnen gar nicht beizubringen. Der innere Glaube verlangt eine äußere Geste des Kniens.“

Auch Touristen, Diplomaten und Geschäftsleute müssen in Kasachstan die Mundkommunion empfangen:

„Unsere Bischofskonferenz hat vor zwei Jahren einmütig den Beschluß gefaßt, daß in allen Bistümern Kasachstans nur die kniende Mundkommunion zulässig ist – auch für Ausländer. Der Heilige Stuhl hat diese Norm genehmigt.“

Ein praktisches Lehramt

Mons. Schneider war „sehr ergriffen“, als der Heilige Vater begann, nur noch die kniende Mundkommunion zu spenden: „Ich betrachte das als ein praktisches Lehramt, das uns der Heilige Vater gibt.“

Besonders die Bischöfe müßten dem Heiligen Vater für sein Beispiel sehr dankbar sein und es nachahmen.

Der Weihbischof kann sich vorstellen, daß ein Diözesanbischof damit beginnt, die kniende Mundkommunion zu empfehlen und zu erklären.

Der Weihbischof erinnert an einige Bischöfe, die das bereits getan haben. Er nennt den Präfekten der Liturgiekongregation, Antonio Kardinal Cañizares.

Am Gründonnerstag forderte der Kardinal die Gläubigen im Dom seiner früheren Erzbistumsstadt Toledo auf, die kniende Mundkommunion zu empfangen.

„Bei der Kommunion haben alle Gläubigen die Heilige Kommunion kniend und in den Mund empfangen – obwohl er es nur angeraten hat.“

Den Gläubigen zu ihrem Recht verhelfen

Weihbischof Schneider kritisierte ferner, daß in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die Kommunionbänke aus den Kirchen gerissen wurden: „Das war wie eine Lawine.“

Sie werde als „Ikonoklasmus“ in die Kirchengeschichte eingehen.

Der Weihbischof betrachtet es auch aus praktischen Gründen sehr hilfreich, die Kommunionbänke wieder einzuführen.

Gläubige hätten das Recht, sich zur Kommunion hinzuknien. Doch ohne Kommunionbänke wären diese Gläubigen – vor allem ältere – benachteiligt. Das sei eine Ungerechtigkeit.

Mons. Schneider betrachtet die Kommunionbank zusätzlich als Symbol. Sie zeige wie eine Schranke, daß dahinter etwas Heiliges ist – „zunächst der Tabernakel, wo Jesus selber real gegenwärtig ist“.

Kommunionbänke habe es bereits in den ersten Jahrhunderten gegeben:

„Wenn wir schon zu den Vätern zurückkommen wollen, zu den Ursprüngen, dann sollten wir wenigstens die Kommunionbänke wieder einführen.“