Donnerstag, 27. März 2008 09:30
Das Jesusgebet – in westlichen Sprachen auch „Herzensgebet“ genannt (griechisch und slawisch meist: geistiges bzw. inneres Gebet) – ist eine Gebets- und Meditationsform aus dem ostkirchlichen Bereich, die zunehmend auch im abendländischen Christentum Verbreitung findet. Sie wird hier nicht selten in ihrer Methodik als eine Entsprechung zu außerchristlichen (asiatischen) Meditationsformen betrachtet. Als Hauptquelle dieser Verbreitung muss das Buch „Aufrichtige Erzählungen eines russischen

Pilgers“ gelten.
Die Redaktionsgeschichte dieses seinerzeit anonym erschienenen Buches ist noch nicht
völlig erforscht. Jedenfalls ist die allen Übersetzungen zugrunde liegende russische Ausgabe der ersten
vier Erzählungen von 1884 in Kazan bereits die 3. Auflage, die sich von der 2. Auflage (1881) und mit
dieser nochmals von der l. Auflage (um 1870) durchaus unterscheidet. So viel scheint sicher zu sein, dass
die 3. Auflage von dem großen russischen Starez Bischof Theophan dem Klausner (1815-1894) redigiert wurde.
1911 erschienen in Moskau – auch anonym – drei weitere Erzählungen, die einen mehr lehrhaften Charakter
tragen.
Der in den beiden Teilen der „Aufrichtigen Erzählungen“ dargelegte und propagierte Gebetsweg
ist das Ergebnis einer mehr als anderthalb Jahrtausende währenden geschichtlichen Entwicklung. Die Ursprünge
dieses Weges liegen im NT, und zwar in den an Jesus gerichteten Stoßgebeten: Mt 15,22; 20,31; Mk 10,47;
Lk 17,13; 18,13 und 18,38; ferner in der Mahnung, unablässig zu beten: Lk 18,1; Eph 6,18; l Thess 5,17
(l Thess 5,17 ist der Ausgangspunkt der „Aufrichtigen Erzählungen“). Die entscheidende Ausprägung erfolgt
im Zusammenhang mit dem Hesychasmus. Abgeleitet vom griechischen Wort „Hesychia“ (wörtlich „Ruhe“), ist
der Hesychasmus eine besondere Form der Spiritualität der Wüste, die seit dem 3. Jahrhundert im ägyptischen
und später vor allem im sinaitischen Mönchtum bezeugt ist. Zeugen sind in erster Linie die Vätersprüche
(Apophthegmata Patrum), die Lebensbeschreibungen der Wüstenväter, im sinaitischen Mönchtum Johannes
Klimakos (580-650) und schließlich Gregor Sinaita (1255-1346). Hesychia bedeutet bei den genannten Schriftstellern
den inneren und äußeren Zustand der Ruhe, Stille, des Schweigens, der Sammlung und Gelassenheit.
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