Dienstag, 13. Mai 2008 16:47
Als würde man zurückschrecken, sich fürchten anzustecken, wenn man sich zu sehr mit diesem blassen
Mann mit Mondgesicht und Rundbrille, dem weichen Masochistenkörper und der Haltung eines erigierten Penis
beschäftigte. Heinrich Himmler kam aus engstirnig autoritärem Verhältnissen. Unendlich verklemmt brachte
der Nichtraucher und Antialkoholiker in Gegenwart von Frauen kein Wort heraus. Wegen Kurzsichtigkeit durfte
er im Ersten Weltkrieg nicht ins Feld. Ruckartig verschlang er Jules Verne, Schriften über Homöopathie,
antisemitische Verschwörungstheorien und wurde Anhänger der Welteislehre von Hanns Hörbiger, dem Vater
des Schauspielers Paul Hörbiger, Großvater der Schauspielerin Christiane Hörbiger und Urgroßvater
der Schauspielerin Mauve Hörbiger. Die Welteislehre [1] besagt, dass die Erde aus einem Eisnebel und
Eisklümpchen entstanden sei, im Weltall Eisringe herrschen und der Mond aus Eis bestehe. Dann war da
noch Dietrich Eckart, erster Schriftleiter des Völkischen Beobachters, geistiger Mentor der Bewegung,
ein Anhänger der aus dem Hinduismus stammenden „Maya“-Lehre, wie sie auch Schopenhauer aufnahm: Die Welt
als bloßer Schein. Und auch Eckarts Angst vor Frauen fiel bei Himmler auf fruchtbaren Boden, es galt
den ‘Froschkönig´-Komplex zu bezwingen, das heißt, der Prinz, der Mann, wird nicht mehr durch
den Kuss einer Frau erlöst, nicht, wie bei Faust, das ewig Weibliche zieht uns hinan, sondern eiserne
Selbstüberwindung.
So wie Kinder, die nicht glauben wollen, dass sie von ihren Eltern abstammen, suchte
Himmler nach seinen wahren, den götterähnlichen Ahnen, die ihn aus Mittelmäßigkeit und beruflichem
Versagen reißen sollten, und fand sie in den Irminen und Asen der ariosophischen Zirkel: Panarische Union,
Germanischer Orden, Ordinis Novis Templi und Thule Gesellschaft [2]. Letztere gilt als die Keimzelle der
NSDAP [3]. Hitler, Heß, Göring, Rosenfeld und Himmler waren Mitglied, und spielte eine Schlüsselrolle
beim Ende der Münchner Räterepublik [4]. Deren Hass auf „Unken- Drachen- Robotermenschen“ speiste sich
aus der Evolutionslehre der „Wurzelrassen;, wie es die Theosophen erschauten und Rudolf Steiner hellseherisch
erforschte, ein Erbe, mit dem sich die Antroprosophie heute herumschlagen muss [5]:
Die erste Wurzelrasse
waren astrale Mondschatten, die Zweite, schweißgeborene, hermaphroditische Riesen, die dritte Rasse bestand
aus Gasen, Flüssigkeit und gallertartigen Knochen, und die vierte Rasse, vollkörperliche Riesen mit
magischen Kräften, lebte auf Atlantis. Die Arier waren die fünfte Rasse, während die Juden aus den
minderrassigen Tschandalen hervorgingen. Oder, wie es in den ariosophischen Anschauungen von Guido von
List und Lanz von Liebenfels heißt: „Die blonde heroische Rasse ist der Götter Meisterwerk, die Dunkelrasse
der Dämonen Pfuschwerk.“ Der ehemalige Zisterziensermönch Lanz von Liebenfels –„Der Mann, der Hitler
die Ideen gab“ , wie das erste Buch über die esoterischen Grundlagen des Nationalsozialismus heißt,
interpretierte den Glauben neu: Christus sei ein Mann der Tat, ein blonder, blauäugiger Recke, erst die
jüdische Verfälschung hätte aus ihm einen sanftmütigen Allesverzeiher gemacht. Fast alle führenden
Nazis stammten aus streng katholischem Milieu, vom dem sie allerdings, wie Luzifer von Gott, abfielen
und, darin den Satanisten gleich, den katholischen Ritus umdrehen, pervertieren: Auch das Hakenkreuz ist
ein Kreuz.
In den Zwanziger Jahren, in der Blütezeit die Runenforscher, Geopolitiker und Germanoextatiker,
kam auch Aleister Crowley ( Das große brennende Ich [6]) nach Deutschland, um sich 1925 im thüringischem
Weida zum Weltheiland ausrufen zu lassen. Das klappte nicht ganz. Crowley –„Ehedem Hitler ward, bin Ich!“-
notierte begeisterte Anmerkungen an den Rand von Hitlers Gedanken: Hitler aber, es kann nur einen Satan
geben, ignorierte ihn.
Als die Nazis an die Macht kamen, war der Realpolitiker Hitler schlau genug, sich
von den sozialistischen Elementen um SA-Führer Röhm und den Gebrüdern Strasser auf fast kannibalische
Art ebenso zu trennen wie von seinen esoterischen Lehrern, dem entlaufenem Mönch Lanz von Liebenfels,
dem Hochstapler Freiherr von Sebottendorff, Gründer der Thule Geselllschaft, und dem Irrenhäusler Karl
Maria Wiligut, Designer des SS-Totenkopfringes, der Morphinist Dietrich Eckart war vorher schon am Alkohol
zugrunde gegangen; ihre Lehren lagen auch verdächtig nah an der Freimaurerei, die nach nationalsozialistischer
Lesart ja jüdisch-bolschewistisch waren. Die Theosophische Gesellschaft, die Antroprosophen, den Ordo
Templi Novo von Crowley ließ Hitler verbieten.
Nur bei Himmler konnten sich die Okkultisten halten.
In seinem SS-Referat ‘Ahnenerbe´ wurde Runenkunde, Geschichte, Rassekunde und medizinische Forschung
betrieben, Naturheilkunde und experimentelle Medizin an lebenden Menschen aus dem KZ [7].
Himmlers Steckenpferd,
die Welteislehre, sollte unter dem vernünftiger klingendem Namen Wetterkunde [8] bewiesen werden. Hagelniederschläge,
also Eis aus dem Weltall, wurde archiviert, in Äthiopien wurden Sandwellen am Meeresufer gezählt, an
die deutschen Observatorien wurden Glazialkosmologen wie Philipp Fauth berufen, Leiter der Sternwarte
am Deutschen Museum in München, nach dem eine Straße in Bad Dürkheim benannt worden ist und der einen
Mondkrater nach Hanns Hörbiger taufte, – er heißt immer noch so.
Expeditionen der SS sollten auf den
Spitzen der Hochgebirge nach Überlebenden der vom Welteis verschonten arischen Ahnen, den Irminen und
Asen suchen, in der bekannten Tibetexpedition der SS zum Beispiel den Yeti [9]. Heinrich Himmler, der
sich als Reinkarnation von Heinrich dem Löwen* sah, zog sich gern aus dem Berliner Trubel nach Wewelsburg
[10] zurück. Dort versammelte er den inneren Kreis der SS zu einem schwarzen Orden mystischer Gralssucher
in gotisch-dunklen Gewölben mit heidnischen Zeichen und Riten. Hier im Kreis der schwarzen Sonne, unter
gleichgesinnten Männern, da war Himmler ganz bei sich, das Andere da draußen, die Judenvernichtung,
war Pflicht, harte Arbeit an der Front. Denn da diese Tschandalen-Rasse aus der Ursünde, dem sodomitischem
Akt zwischen Ariern und Tieren hervorgegangen sei, gälte für sie kein menschliches Mitleid. Das Leid
der Anderen sei „Maya“ – äußerer Schein.
Welteis lag um sein Herz. Keine weibische Erlösung von außen,
wie beim Froschkönig, nein, die germanische Rasse musste aus sich selbst heraus befreit werden, durch
keusche, harte Läuterung: „Die meisten von euch wissen, was es heißt, Hunderte von Leichen beieinander
liegen zu sehen, fünfhundert, ja tausend. Das erlebt zu haben und doch, mit ein paar Ausnahmen menschlicher
Schwäche, dabei anständig geblieben zu sein, hat uns hart gemacht.“
LiteraturNicholas Goodrick-Clark:
„Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ Rüdiger Sünner: „die schwarze sonne“ Franz Wegener: „Das
Atlantidische Weltbild“
Links[1] http://www.webcom.com/petrich/misc/WEL.txt
[2] http://www.ref.ch/zh/infoksr/thule.html
[3] http://www.fortunecity.de/wolkenkratzer/mac/936/docs/28g.htm
[4] http://etika.com/d49ns/49ns31.htm
[5] http://www.taz.de/tpl/2000/09/20.fr/ibox
[6] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/8684/1.html
[7] http://www.vrzverlag.com/esoterik/leges12k.htm
[8] http://home.t-online.de/home/turbund/wlts.htm
[9]
http://www.uni-mainz.de/~meyec012/studium/yeti.html
[10] http://ns-gedenkstaetten.de/nrw/de/wewelsburg/thema_3/ss_esoterik.html
Telepolis Artikel-URL: http://www.telepolis.de/deutsch/inhalt/co/8980/1.html
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* Heinrich der Löwe
(1139-80), Sohn von Heinrich der Stolze (1126-39), gestorben 1195, erhielt Bayern, das zweite Herzogtum
seines Vaters, vermindert um Österreich, erst 1156 zurück. Nächst dem staufischen Kaiser Friedrich
I. war er der mächtigste deutsche Fürst.
Er baute die Pfalz Dankwarderode in Braunschweig und gründete
1158 München. Vor allem förderte er die Ausbreitung des Deutschtums und des Christentums im Slawenland
zwischen Unterelbe und Ostsee. ( Grabmal im Braunschweiger Dom um 1250 –> Hakenkreuz am Braunschweiger
Dom )
ANM:
Die eigentliche Unverschämtheit vermeintlich antinazistischer Kreise besteht darin, daß
sie die Thule-Lehren benutzen, um damit gegen die geschichtlichen Tatsachen ein Bild zu entwerfen, welches
nicht nur die alten Germanen, sondern alle Deutschen in Mißkredit bringen muß.
Wortungeheuer wie „okkult-heidnischer
Rassegedanke (-> IDGR = Informationsdienst gegen Rechtsextremismus)“ u.ä. gaukeln dem Leser vor, die
Thule-Gesellschaft habe altgermanisches Gedankengut wiederbelebt. Tatsächlich waren Welteilehre, Maye,
Meditation und was den Okkultglaube sonst noch ausmacht, gänzlich unbekannt!
Aus Runen läßt sich nur
mit intrigenhafter Absicht Okkultismus basteln, geschweige ein okkult-heidnischer Rassismus. Runen nämlich
verhalten sich antithetisch zu Astralreisen, sie sollen gerade vor Hexenflug schützen.Zudem waren die
alten Germanen keine Heiden, schließlich ist die Taufe schon in vorchristlicher Zeit belegt.
Grundgerüst
für den Okkultismus und seine zersetzenden Nebenwirkungen bildet die jüdische Kabbala. Sie ist das Sammelbecken
für fernöstliche Maya-Vorstellungen, rituelle Meditationspraktiken, Voodoo-Zauber, jogisch-buddhistische
Astralreisen sowie Atlantis- , Weltei-, Teufelsglaube. Dazu schaue man das „Buch 777“ des Satanisten Aleister
Crowley.
Genau genommen war es das Christentum, welches den Okkultismus nach Europa gebracht hat. Hexerei
bedingt den Glaube an den jüdisch-christlichen Teufel – und der ist eine Erfindung der alten Israeliten!
Ohne Teufel kein Okkultglaube.
Projektionen der Gegenwart auf die Vergangenheit dienen daher lediglich
der Selbstrechtfertigung irrationaler Kampagnen, sind jedoch denkbar ungeeignet, wahrheitsgemäß über
die Frühgeschichte aufzuklären.
Im Hochmittelalter tauchten des weiteren jüdisch-kabbalistisch inspirierte
„Bücher Mose“ auf wie beispielsweise „Das Buch Jezira“. Derartige Bücher verstärkten nicht nur den
Aberglauben, sie waren denn auch der Anlaß, Hexenverfolgung und -prozesse zu sanktionieren.
Wobei wiederum
zu beachten ist, daß in drei Jahrhunderten Hexenverfolgung im germanischen Sprachraum lediglich 20.000
Männer und Frauen verurteilt worden sind (europaweit 100.000), was einer jährlichen Quote von 66 entspricht.
Man mache sich bewußt, daß heuer auf deutschen Autostraßen jährlich 10.000 Menschen zu Tode kommen,
16.000 an giftigen Dieselabgasen, 200.000 durch Abtreibung, 3000 durch Mord und so weiter.
Zwar legte
den Umgang mit der Hexerei der „Hexenhammer“ fest, ein inquisitorischer Entwurf mit Richtlinien zur Bekämpfung
von Hexen, doch Verantwortung für Urteile und Scheiterhaufen trug alleinig die weltliche Gerichtsbarkeit;
sie sprach Urteile aus und machte das Feuer an!
So gesehen wird es genauso zulässig, Legislative und
Exekutive anzuheften, was der Kirche heute vorgeworfen wird, nämlich im großen Stil Menschen verbrannt
zu haben. Die weltlichen Richter des Mittelalters hätten sich nur zu weigern brauchen, Hexerei zu prozessieren.
Der Kirche war es nämlich untersagt, Blut zu vergießen – niemand wäre zu Schaden gekommen.
Der Tod
auf dem Scheiterhaufen war sicher nicht angenehm, zugegeben, aber mit Spritze oder durch Folter in Guantanamo
wird er es ebensowenig.