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Alte und neue Messliturgie Man kann nicht eindringlich genug auf das theologisch fragwürdige Konzept
von Liturgie hinweisen, das dem alten Messordo zugrunde liegt: die gemeindelose Priestermesse. Der „Ritus
servandus“ beschreibt sie. Wer meint, dass diese Form die beste ist, möge für den alten Ordo missae
eintreten. Ich sicher nicht.
Priesterinnen? Die Struktur der Ämter bildete sich dich erst allmählich heraus. Auf das Abendmahl Jesu
zu rekurrieren, um das Verbot des Frauenpriestertums zu rechtfertigen, ist ein Anachronismus. Denn in
den ersten Generationen der Christen gab es weder Priester noch Bischöfe.
@ Athanasius Prälat Hesse war trotzdem lange ein Anhänger der Liturgiereform (ich habe ihn sowohl in
St. Rochus wie bei der Weihnachts-Seelsorgertagung 1965 erlebt), wandte sich allerdings in seinen letzten
Pfarrerjahren immer mehr dem rechten Lager zu. Hat er vielleicht erst später von den Freimaurer-Plänen
erfahren?
@ aphrodite Find ich auch. Schade, dass selbst Erzbischof Eder die Freimaurerei-Legende (wohl: dass die
Reform von Freimaurern à la Bugnini gesteuert wurde) glaubt und verbreitet.
@iustus @aphrodite Assoziation zu väterlichem Umgang: Das Buch des Salzburger Religionspädagogen Anton
Bucher „Braucht Mutter Kirche brave Kinder? Religiöse Reifung contra kirchliche Infantilisierung“ (München:
Kösel 1997).
@ Quis ut Deus In Österreich wird die Bundesregierung zu dem von Rom ernannten Bischofskandidaten befragt.
Ein Veto gab es, soviel ich weiß, aber nur einmal: als Koadjutor Franz Jachym Erzbischof von Wien (Nachfolger
Innitzers) werden sollte.
@ MK 28 Dummer Diakon? Vielleicht sollte man zuerst fragen, warum der Diakon so lange mit dem Studium
gebraucht hat. Vielleicht hat er nebenher gearbeitet? Und woher wissen Sie, dass der Herr dumm ist? Im
übrigen kenne ich einige theologisch unterbelichtete Studierende, die nicht linken, sondern rechten Unsinn
verzapfen.
@ MK28 Ich weiß nicht, was ihre Ausführungen zur alten Liturgie mit dem Linzer Vorfall zu tun haben.
Oder meinen Sie, der Diakon wäre nicht so frech gewesen, hätte er die Messe im Tridentinischen Ritus
mitgefeiert?
@ aphrodite Wie in diesem Forum schon an anderer Stelle gepostet wurde (im Zusammemhang mit der Königsteiner
Erklärung) haben Katholik/inn/en kein Gewissen, sondern nur das Lehramt.
@ semiotico … und Freimaurer-Freund war er auch noch. Jedenfalls wäre der österreichischen Kirche
viel erspart geblieben, hätte man Kardinal König noch einige Jahre im Amt belassen.
Humanae vitae >>„Humanae vitae“ stürzte die Kirche in eine Glaubwürdigkeitskrise […]. Richtlinien
sind sicher notwendig, aber die Bedeutung des individuellen Gewissens darf nicht übersehen werden. Im
Oktober 1968, zwei Monate, nachdem „Humanae vitae“ erschienen war, veröffentlichte die österreichische
Bischofskonferenz […] eine Erklärung, die die Bedeutung des aufrichtigen, gebildeten Gewissens in Sachen
Geburtenregelung betonte. […] In letzter Instanz ist Geburtenkontrolle eine Sache des persönlichen,
gebildeten Gewissens. Ich habe mir immer große Mühe gegeben, auf das positive Leitbild der Ehe und der
verantworteten Elternschaft, das Paul VI. in „Humanae vitae“ gezeichnet hat, hinzuweisen. Er selbst hat
betont, dass kein unfehlbares Glaubensurteil in der Enzyklika vorliege. Er hat auch jene Stellen, wo von
Todsünde die Rede war, gestrichen und in keiner Weise angedeutet, dass Absolution immer verweigert werden
muss. […] Eines ist allerdings sicher: „Humanae vitae“ hat eine offene Wunde hinterlassen. Die Kirche
muss mehr Flexibilität und mehr Verständnis für dieses Thema zeigen und […] vorsichtig sein, nie
so zu klingen, als ob sie die Sorgen der Menschen nicht ernst nehmen würde. Eine wichtige Aufgabe des
nächsten Papstes wird es sein, die Debatte über die Geburtenregelung im Interesse der Ehrlichkeit wieder
zu eröffnen.<< Aus dem Buch von Kard. Franz König: Offen für Gott – offen für die Welt. Kirche im
Dialog. 2006
Participatio actuosa >>die wahre participatio actuosa besteht einfach im dabei sein, im dankbaren staunen
und anbeten. das genügt!<< Das II. Vaticanum sieht das aber anders.
Königstein Ich verstehe die Aufregung über die „Königsteiner Erklärung“ nicht. Dass – nach Abwägen
aller Informationen und Argumente – letztlich das eigene Gewissen ausschlaggebend ist, lernt man im ersten
Semester der Moraltheologie. Oder gilt das für Katholik/inn/en nicht?
Bugnini – Freimaurer? Ich habe zwei (emeritierte) Liturgie-Professoren befragt, die früher an der Gottesdienstkongregation
gearbeitet haben. Beide wiesen den Verdacht, Bugnini sei Freimaurer gewesen, als absurd zurück. Bugnini
selbst habe das Gerücht gekannt, aber es nicht ernst genommen.
Freimaurerisch? Hans Bernhard Meyer war ganz bestimmt kein Freimaurer. Im übrigen sollte man alle Texte
der „Innsbrucker Universitätsmesse“ berücksichtigen (z. B. „Singt dem Herrn, alle Völker und Rassen“),
nicht nur diesen einen Gesang.
Islamischer Religionsunterricht – Muselmänner Und was ist mit den Muselfrauen? Typischer Fall von Diskriminierung.
(Oder heißt das gar nicht „Muselmänner“, sondern „Muslime“?)
@aphrodite Das wäre eine Erklärung. Jedenfalls tat Augustinus seine sexualpessimistischen (und andere
spinnerte) Äußerungen erst, nachdem er seine Freundin verlassen hatte. Das sag ich auch den Studenten.
@Methusalix Wieso war Paulus Sexualneurotiker? Dann doch eher Augustinus! Für den war Sex auch in der
Ehe schlecht – erlaubt nur, weil auf andere Weise keine Kinder entstehen.
Anglikanische Bischöfinnen Herrn Kardinal Kasper verstehe ich nicht. Wenn die Anglikaner (nach katholischer
Lehre) in ihren Sakramenten-Feiewrn ohnehin nur so tun als ob und die Leute betrügen, waum regt er sich
über mögliche Bischöfinnen-Weihen auf?
@Giuseppe Mit den Rubricae generales von 1960 (Nr. 63-70) wurden alle Oktaven abgeschafft, außer Oster-,
Weihnachts- und Pfingstoktav. Die Grundordnung des Kirchenjahres von 1969 sieht nur mehr zwei Oktaven
vor: von Weihnachten und von Ostern (Nr. 12). Die 50 Tage der Osterzeit werden „als ein einziger Festtag
gefeiert“ (Nr. 22). Durch die Streichung der Pfingstoktav wollte man offenbar die Osterzeit deutlicher
herausstellen.
50 Tage Ostern – genügt das nicht? Ich verstehe diesen Wunsch nicht. Ostern wird 50 Tage lang begangen;
der Abschluss dieser Osterfeier ist das Pfingstfest. Warum soll man da noch eine Oktav anhängen?
#16 Freinsberg 11:36:35 | Donnerstag, 1. Juni 2006
Maria verehren Natürlich soll man Maria nicht missachten oder ignorieren. Doch auch jemand, der keine
besondere Marienfrömmigkeit pflegt, kann gut katholisch sein.
#13 Freinsberg 09:40:39 | Donnerstag, 1. Juni 2006
Marienverehrung – nie zuviel? Ich meine, es genügt für Katholik/inn/en, anzuerkennen, dass die Verehrung
Mariens berechtigt ist. Ob jemand besondere Marienfrömmigkeit pflegt oder nicht, bleibt ihm/ihr überlassen.
Verpflichtet ist man zur Marien-Verehrung wohl nicht. Das einzig obligate Gebet ist das zu Gott (Vater) –
wie es uns die Liturgie in den Orationen und im Eucharistiegebet zeigt.
#11 Freinsberg 09:21:02 | Donnerstag, 1. Juni 2006
Maialtar In mehreren Kirchen Bayerns und Schwabens sah ich überreich geschmückte Marienstatuen und sogenannte
Maialtäre (sogenannt, weil ein Altar der Eucharistie-Feier dient und nicht der Verehrung eines Heiligen).
Dem Blumenmeer gegenüber nahm sich der bescheiden geschmückte Altar, der doch das (ideelle) Zentrum
der Kirche ist, mickrig aus. Da stimmen doch die Proportionen nicht!
Göttlichkeit Marias Manche Formen der traditionellen Frömmigkeit lassen bei Nichteingeweihten den Eindruck
entstehen, die Katholiken betrachteten Maria als göttlich. Auch das Attribut „Mittlerin aller Gnaden“
ist gefährlich; es verdunkelt 1 Tim 2,5: „Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen:
der Mensch Christus Jesus.“
@Maledica „Erneuerung“ ist missverständlich, sonst meint man wieder, es handle es sich um ein je neues
Opfer (was dem „ein für alle Mal“ widerspricht) „Gegenwärtigsetzung“ scheint mir besser. Trotzdem gilt,
dass „oblatio“ und „hostia“ im Canon Romanus nicht Christi Kreuzesopfer meinen.
Der Opfergedanke In der mittelalterlichen Theologie deutete man Opfer oft so, als würde in der Messe
Christus wieder geopfert. Dagegen wandten sich die Reformatoren zu Recht. Wo der Canon Romanus von Opfer
(oblatio, hostia) spricht, meint er die von den Gläubigen dargebrachten Gaben (auch nach den Einsetzungsworten,
z. B. im „Unde et memores“ und im „Supplices te rogamus“); dasselbe bedeutet „sacrificium“ im „Orate,
fratres“. Literatur dazu: Hans-Joachim Schulz, Ökumenische Glaubenseinheit aus eucharistischer Uberlieferung.
Paderborn 1976; Reinhard Meßner, Die Messreform Martin Luthers und die Eucharistie der Alten Kirche,
Innsbruck 1989.
Iustus Ja – aber (zum Verdruss der Una-Voce-Korrespondenz) wird in dem Schreiben trotzdem die Celebratio
versus populum [die natürlich eine topgraphische, keine theologische Bezeichnung ist!] propagiert. Wahrscheinlich
ist der Verfasser des Schreibens doch Freimaurer.
Anfrage an Kongregation es hat mal eine offizielle Anfrage an die Gotttesdienstkongregation gegeben, wie
verbindlich die Vorschrift in der neuen IGMR sei, daß der Altar so beschaffen und aufgestellt sein soll,
daß man an ihm die Messe zum Volke hin gewandt feiern kann. Antwort: Es ist keine Vorschrift, es ist
eine Empfehlung! Bitte um die genaue Angabe. Ich schaue gern in den „Notitiae“ nach.
Altarkreuz Die Forderung Ratzingers kenne ich schon. Nur: Das Kreuz ist ein sekundäres Zeichen. Ist nicht
der Altar, dem alle sich zuwenden, das deutlichere Zeichen? Immerhin gilt der Altar als Christus-Symbol,
wird darum gegrüßt und verehrt.
stat crux Aber: – Wenn Christus der Handelnde ist und – wenn der Priester im Namen der Gemeinde Gott bittet,
dass er in das Opfer der Gemeinde durch seine Macht eingreift: Warum muss die bittende Person ein Mann
sein? Ich versth’s nicht.
stat crux Es fragt sich, ob man „Christusrepräsentation“ einzig so deuten kann. Handeln „in persona Christi“
meint ursprünglich, dass Christus der Handelnde ist und der Priester sein Werkzeug. Erst später verschiebt
sich die Sichtweise hin auf den Repräsentierenden (den Priester).
Schöpfungsordnung? >>Als Gott die Welt erschaffen hat, hat der Mann im Vorfeld ganz allein schon allen
Dingen seinen Namen gegeben. Doch seine Freude daran war erst vollkommen, als die Frau da war und sich
mit ihm zusammen darüber freute.<< Die biblische Schöpfungserzählung ist keine Reportage. Also daraus
würde ich nicht Schlüsse auf das Männer- oder Frauenpriestertum ziegen.
Altar aber es heißt doch vorher: „damit man ihn … umschreiten und an ihm, der Gemeinde zugewandt, die
Messe feiern kann“. Den Altar von der Wand zu trennen ist also kein Selbstzweck.
versus populum Lateinisch: 299. Altare exstruatur a pariete seiunctum, ut facile circumiri et in eo celebratio
versus populum peragi possit, quod expedit ubicumque possibile sit.
Altar Nein: Der Altar soll frei stehen: »Der Altar soll getrennt von der Wand errichtet werden, damit
man ihn ohne Schwierigkeiten umschreiten und an ihm, der Gemeinde zugewandt, die Messe feiern kann; dies
[=celebratio versus populum] empfiehlt sich überall, wo es möglich ist.« (IGMR³ n. 299)
Laurentius2 Institutio generalis Missalis Romani 3/2002: 303. Beim Neubau von Kirchen soll nur ein Altar
errichtet werden, der ja in der Versammlung der Gläubigen den einen Christus und die eine Eucharistie
der Kirche versinnbildlicht. Wenn in einer bestehenden Kirche der alte Altar so angeordnet ist, dass er
die Teilnahme der Gemeinde erschwert, und er nicht ohne Schaden seines künstlerischen Wertes versetzt
werden kann, soll ein anderer feststehender Altar errichtet werden, der künstlerisch gestaltet und ordnungsgemäß
geweiht ist; und nur auf ihm dürfen die heiligen Feiern stattfinden. Damit die Aufmerksamkeit der Gläubigen
nicht vom neuen Altar abgelenkt wird, soll der alte keinen besonderen Schmuck erhalten Das heißt: Sobald
ein neuer Zelebrationsaltar errichtet ist, wird der alte funktionslos.
Altar-Tabernakel Der Tabernakel auf dem Zelebrationsaltar ist laut IGMR und Caeremoniale Episcoporum sehr
wohl verboten. Und dies unabhängig von der Zelebrationsrichtung.
Ähnlichkeit und Repräsentanz Wenn der Priester der eigentlich Handelnde wäre und wenn allein die Einsetzungsworte
konsekratorischen Charakter hätten, könnte man diese Meinung akzeptieren. Die alten Eucharistiegebete
zeigen aber: Der Bischof bzw. Priester bittet im Namen der Gemeinde Gott (bzw. den Heiligen Geist), dass
ER handelt. Die Einsetzungsworte sind Teil der Anamnese (Gedächtnis von Gottes Heilswirken), die Epiklese
(Bitte um das Wirken des Hl. Geistes an der Gemeinde und an den Gaben) steht nach den Einsetzungsworten.
(Siehe etwa das Eucharistiegebet der Traditio Apostolica.) Warum sollte eine Frau Gott nicht um sein Eingreifen
bitten können? (Übrigens: es gab in der Alten Kirche Eucharistiegebete ohne Einsetzungsworte, aber nie
Einsetzungsworte ohne Eucharistiegebet!)
Quo primum „Quo primum“ nennt unter den Personen, die sich an den neuen Ritus halten müssen und ihn nicht
verändern dürfen, alle möglichen Würdenträger, aber nicht die Päpste. Diese Bulle kann man darum
nicht als Argument dafür heranziehen, dass das Missale 1570 weiter gelte. Im übrigen würde das Weiterbestehen
der alten Ordnung auch bedeuten, dass es zwei verschiedene Kirchenjahre, zwei Lesungssysteme, zwei verschiedene
Formen der Kirchenraum-Gestaltung (Tabernakel! Altar etc.), sogar zwei Konzepte von Liturgie (gemeindelose
Priestermesse / Feier der Gemeinde, geleitet vom Priester) gäbe. Das war von Paul VI. wohl nicht beabsichtigt.
Alter Ritus – nicht verboten, aber ersetzt Die Apostolische Konstitution Pauls VI. „Missale Romanum“ (www.stjosef.at/…num_konstitution.htm)
sagt (sinngemäß): Das Missale Romanum 1970 ist die erneuerte Version des Missales von 1570, löst also
das alte Messbuch ab. Paul VI. konnte wohl nicht ahnen, dass traditionalistische Gruppen sich auf das
fehlende ausdrückliche Verbot des alten Ritus berufen werden.
Katja Berben Den Hochaltartabernakel gibt es ja erst seit dem 16. Jahrhundert, und zwar zunächst in Italien.
Interessant ist: Die alte (nachtridentinische) Ausgabe des Caeremoniale Episcoporum verbietet, dass der
Bischof an einem Altar die Messe feiert, auf dem das Allerheiligste aufbewahrt wird. Das Caeremoniale
hat damit die frühere Tradition bewahrt.
Warum auf die Hirten warten? Warum muss das Kirchenvolk eigentlich darauf warten, was die Hirten sagen?
Hat nicht jeder Christ / jede Christin die Fähigkeit zum sittlichen Urteil?