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Letztmalig: Mysterium fidei Athanasius, dieses Forum bietet nicht die Möglichkeit, sich präzise genug
zu verständigen; nicht einmal Tippfehler kann der Teilnehmer korrigieren. Ich nehme also letztmalig Bezug
auf einen hier veröffentlichten Beitrag. Vielleicht trägt der Glaubenskongretation mal jemand die Frage
vor, ob im Messkanon (ganz gleich ob Fassung 1962 oder Erstes Hochgebet 1969) „Dein Heiliger Engel“ mit
dem Namen „Jesus“ angerufen werden darf. Nach der Struktur des Messkanons ist diese Anrufung ein Echo
der Anrufung „Deines Sohnes (unseres Herrn Jesus) Christus“ (Christi filii tui) wenige Zeilen zuvor),
„Dein heiliger Engel“ ist gleichsam der lateinische Ausdruck für Christus od. Messias. Sollte Rom zustimmen,
dass dieser Satz so zu verstehen ist, wird sich der Traditionalistenstreit darauf zuspitzen, ob Jesus
in der Hl. Messe beim Namen genannt werden darf; dicretio spirituum. Auch die bei fsspx unbeliebte Akklamation
auf den Ausruf Mysterium fidei hin, dient der Deutlichkeit: Es findet kein Persektivwechsel statt, da
der Priester zuletzt in persona Christi sprach („mein Gedächntnis“). Die Gemeinde bestärkt somit das
Handeln Christi („Deinen Tod“); diese Deutlichkeit bewirkt eine klare Differenz zu Ausprägungen hermetischer
Religiosität, die sicherlich ebenso zur Sünde wider den Hl. Geist zu zählen sind wie, politisch gewendet,
der Totalitarismus. Das hat auch der Hl. Papst Pius X. so gesehen.
TIA Lieber Athanasius, da ich nicht im kirchlichen Dienst tätig bin, überdies Jurist und kein Theologe,
war mein Anliegen lediglich „Deutlichkeit“. Ich maße mir keine Zuständigkeiten an. Die katholische Kirche
(„aller Orte und Zeiten“) trägt eine legitime Bandbreite eucharistischer Liturgie durch die Zeit; das
Sakrament kann nicht von einzelnen Formeln abhängig gemacht werden, da auch „geweihte Hände“ keine Verfügungsmacht
über den Herrn aller Zeit („ad dexteram patris“) haben. Ich befürworte die Leitsätze, die Kardinal
Meisnrer für die neiue deutsche Fassung des Missale Romanum nach der editio typica von 2002 in Bensberg
formuliert hat. Für Traditionalisten, die den Ritus wünschen, in dem das II. Vatikanum eröffnet und
beschlossen wurde, habe ich Verständnis. „Plus ultra“ (TIA…) etc. beginnt aber das Heidentum im Gewande
Charlemagnes. Möglicherweise sind es diese Magiker, die von Freimaurern finanziert werden. Der „NOM“
ist jedenfalls liturgia authentica.
Wenn einer eine Reise tut… Sollte sich bestätigen, dass Papst Benedikt nicht zuerst nach Polen reisen
kann, dann wird es noch wichtiger, dass die Reise zum Weltjugendtag nicht mit zusätzlichen Terminen überfrachtet
wird. Den „deutschen Papst“ in Berlin vorzuführen wäre m.E. tragisch ungeschickt und könnte viel Unmut
wecken. Stattdessen könnte sich die Staatsspitze in Regensburg einfinden, dessen Immerwährender Reichstag
bis 1806 auch immerhin so etwas wie Hauptstadtfunktionen repräsentierte.
Nochmals: Mysterium fidei betr. „Athanasius“: Wie bereits gesagt sind beide Missale 1962 und 1969 konzilsgemäß;
d.h. „zwingend“ sind Textänderungen eigentlich nicht; insofern war mein Leserbeitrag missverständlich.
„Zwingend“ sollte heißen, dass an zwei Punkten doch Verdeutlichungen erforderlich waren, um die Grenze
zwischen Tradition und „Magikern“ zu ziehen. Der Priester handelt in persona christi, nicht aus eigener
potestas sacerdotalis wie es im heidnischen Priestertumn ist. Freimaurerrituale sind beispielsweise „magisch“
in diesem Sinne (oder auch gnostische Messen etc.), weil die Hinbordnung auf die einzige Erlösungstat
Christi ausgeblendet wird. „Magiker“ verstehen das Wort ‘mysterium fidei’ als Teil eines Zauberspruchs,
der deshalb nicht an einen anderen Ort versetzt werden darf; das „mysterium fidei“ ist gewissermaßen
ein „Simsalabim“; da aber Christus sein Opfer für uns und die Vielen hingegeben hat, kann das Christentum
keiner hermetischen Religion die Hand reichen. Der Priester ist kein Magier, sondern Platzhalter, vicarus
des Einzigen Priesters. Deshalb kann es keinen von Christus verschiedenen „Opferengel“ geben; an dieser
Stelle des römischen Kanon sollte der Name Jesu also genannt werden, trotz der Gefahr neuer Missverständlichkeit;
aber Christus, zur Rechten Gottes, ist Alter, Opfer und Priester, somit auch selbst „Dein heiliger Engel“
Bellum est omnino interdicendum So lehrt das II. Vatikanum im Anschluss an Kardinal Ottaviani; 1947);
der Christenheit ist die Pflicht auferlegt einen Zustand der Welt zu erarbeiten, dass der Krieg völlig
untersagt werden kann. Trotzdem hat Exz. Levada nicht zum Krieg aufgerufen. Ob Krieg geführt wird oder
die Todesstrafe verhängt wird, muss die weltliche Autorität entscheiden, d.h. bei uns der demokratische
Gesetzgeber (das Grundgesetz verbietet beides) im Rahmen der Verfassung. Allerdings kann die Kirche, einschließlich
der Laien, keinem System die Hand reichen, das das Lebensrecht einzelner Gotteskinder aufs Spiel setzt.
Insoweit hat Exz. Levada völlig überzeugend argumentiert.
Lehmann nach St. Gallen? Leider nur ein Gedankenexperiment: Unter Vernachlässigung der Spitzfindigkeiten
des dortigen Staatskirchenrechts müsste ein europäischer Spitzenmann vom Format des Kardinals aus Mainz
in die Schweiz exportiert werden, um die Confoederatio rund um das Weiße Kreuz für Europa zu gewinnen.
Das ist eine im guten Sinne katholische Aufgabe, die dem polyglotten Professor zuzutrauen wäre.
Mysterium fidei Bereits in den Literaturhinweisen zu seinem Buch „Aus meinen Leben“ von 1998 (dt., Taschenbuch
2000: S. 186) schrieb Kardinal Ratzinger, dass beide Missale konziliar seien, das Johannes XXIII wie das
Paul VI. Zwingender Korrekturbedarf bestand gemäß dem Vatikanum II. am Missale „secundum Ioannem“ nur
an zwei Punkten: 1) „sancti Angeli tui“, der Engel, das Opfer auf den himmlischen Altar trage, ist mit
Thomas von Aquin als der Mittler Christus selber –- und nicht als Ausdruck priesterlicher Macht –- zu
verstehen; andernfalls haben wir das heidnische Opfer, das Luther als Gräuel bezeichnete; 2) „mysterium
fidei“ –- zwischen den Worten über den Kelch gesprochen –- ist als Ausruf an die Gläubigen zu identifizieren.
Den Sinn dieser Worte hat Papst Paul VI. richtig erkannt. Freilich bedeutet das nicht, dass für die Gültigkeit
der Messe eine Akklamation des Volkes folgen muss. Es genügt die stille Zustimmung. An diesem Punkt unterscheidet
sich mithinhin die „stille Messe“ Pius V. von der konziliaren Messe: qui tacet consentire videtur.
Der Modernismus ist seit 1905 erledigt Bei allem Respekt vor der bewährten Feder des Autors Moesebach:
Die Kirche ist stärker als er glaubt. Denn sie hat dem Modernismus, vor dem der FAZ-Kommentator noch
Angst hat, längst widerstanden und ihn vital überlebt, weit früher als den Theologen alter Schule bewusst
ist, die noch die Schlachten von vorgestern schlagen. Platz hatte die modernistische Häresie nur im mechanistischen
Weltbild, das seit Entdeckung der Relativitätstheorie durch Einstein im Jahr 1905 erledigt ist. Platz
hatte sie nur in der „guten alten Zeit“ vor dem 1. Weltkrieg, mit ihrem optimistischen Humanismus, der
gründlich widerlegt ist. Auch das politische Weltbild ist längst ein anderes. Was wir heute anfanghaft
sehen, könnte sich als Kommen von Christi Friede in Christi Reich erweisen. Das Pontifikat aller Päpste
seit Pius IX., in Zusammenschau gesehen, als ein einziger Dienst, arbeitete darauf hin. Auch Papst Paul
VI. war kein „Chaot“: Man lese sein Credo von 1968. Ohne das II. Vatikanum wäre die Kirche möglicherweise
im Kulturbruch jener Zeit untergegangen, jedenfalls in Europa und im armen Süden. Sie hat große Opfer
gebracht, aber nicht vergebens, denn der Kirche geht es nicht um ihren Ruhm, sondern um die Ehre ihres
Herrn.
Positiv, deshalb negativ Es hat schon seinen Sinn, dass päpstliche Verurteilungen bestimmte Zitate, negativ,
als nicht mit dem Glauben vereinbar ausweisen. Die Umformulierung hingegen steht nicht zur Disposition:
Z.B. „Der Protestantismus ist eine Religion, in der es unmöglich ist, Gott zu gefallen“ würde die Kirche
positiv nie behaupten, da sie stets Gott die Ehre gibt, selbst zu sehen, was ihm gefällt (vgl. Predigt
des Hl. Vaters vom 7. Mai in S. Giovanni in Laterano).
Einheit und Vielfalt zugleich Bereits im Credo des Gottesvolkes vom 30. Juni 1968, gesprochen zum Schluss
des Gedenkjahrs zur 1900. Wiederkehr des Martyriums der Apostel Petrus und Pauls, hat Papst Paul VI. zum
Ausdruck gebracht: In „Ecclesiae sive uberrima liturgicorum rituum varietas sive legitima theologici spiritualisque
patrimnonii peculiarumque discilpinarum differentia, nedum eiusdem unitati obsint, eam vel luculentius
demonstrant (LG 23).“ An Spekulationen darüber, inwieweit Papst Benedikt nunmehr größere varietas auch
zugunsten der Tradition gestatten wird, sollte man sich noch nicht beteiligen. Wenn aber einerseits größere
Vielfalt eröffnet wird, sollten zugleich Initiativen zugunsten einer stärkeren Vergegenwärtigung der
Einheit nicht fehlen. Ein möglicher Ansatzpunkt könnte sein, dass jene Kirchen, die bislang nur den
Ehrentitel „päpstliche Basilika“ tragen, der Verbundenheit mit der Kirche von Rom künftig auch lebendigen
Ausdruck verleihen, indem sie etwa das lateinische liturgische Erbe –- einschließlich des Stundengebets
od. des Rosenkranzes –- deutlicher pflegen als in den jüngsten 40 Jahren.
Missale Romanum Auf der Vatikanseite www.vatican.va habe ich neulich die Apostolische Konstitution Missale
Romanum vom 3. April 1969 aufgefunden. Papst Paul VI hat darin eine m.E. überzeugende Begründung für
die einheitliche Fassung der Wandlungsworte gegeben. Wenn die Gläubigen, die dem Missale Romanum von
1962 anhängen, diesen Schritt mitvollziehen würden, wäre m.E. eine Aussöhnung erreicht. Da das II.
Vatikanum ausdrücklich die Pflege der lateinischen Sprache wünschte, hielte ich es für sehr unterstützenswert,
wenn zumindest in jeder päpstlichen Basilika weltweit an jedem Sonntagvormittag eine Hl. Messe (nach
dem Missale von 1969) in Latein gefeiert würde. Die Gläubigen wüssten dann weltweit, dass sich eine
päpstliche Basilika dadurch auszeichnet, dass dort die Lateinische Kirche allsonntägliche ihre überlieferte
Liturgiesprache pflegt.