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Hagia Sophia zwischen Denkmal und Programm Liebe Frau Papagika, Die Hagia Sophia hat manches Erdbeben
überstanden. Die Bombenanschläge der Gegner einer christlichen Rückeroberung wird sie nicht überstehen.
Bitte sammeln Sie weiterhin Unterschriften, aber für einen zukunftsträchtigeren Zweck. Die megale ecclesia
des Justinian wird nicht nur als Mutterkirche der Orthodoxie verehrt, sie ist auch das kulturelle Vermächtnis
der hellenistischen Spätantike. Der Entwurf der Hagia Sophia ist aus dem christlichen Denken nicht erklärbar.
Die Architekten Anthemios und Isidor brauchten dazu das neuplatonische Wissen ihrer Zeit. Proklus Neoplatonikus
gehörte damals noch zur Allgemeinbildung. Die Verschleierung des griechischen Emanzipationshintergrundes
des jungen Christentums wird zum Beispiel 392 sichtbar bei der absichtlichen Zerstörung der „heidnischen“
Bibliothek von Alexandria durch den militanten Theodosian. Justinian lässt die Schule von Athen während
dem Bau der Hagia Sophia um 535 polizeilich schliessen und verbietet die weitere Lehrtätigkeit der Nachfolger
von Proklus. Als Programm mit Zukunft schlage ich vor, die Hagia Sophia als Kulturerbe der UNESCO dem
Selbstverständnis der drei abrahmischen Religionen zu widmen. Wo könnten sich Juden, Christen und Muslime
demütiger auf ihre gemeinsamen spirituellen Wurzeln besinnen als in diesem himmlischen Jerusalem wo der
griechische Logos so offensichtlich gegenwärtig ist?