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@ Rudolfus Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Dtl (und ist es bis heute) de facto geteilt in evangelisches
Preußen und kath. Österreich. Bismarck hat die süddeutschen Länder zu Preußen geschlagen und damit
das Zweite Kaiserreich begründet. Ein erklärtermaßen evangelisches Reich mit starker Aversion gegen
seine kath. Minderheit und mit evangelischem Kaiserhaus. Daraus ist das heutige Dtl entstanden. Allein
aus den Erfahrungen der Teilung in Nord-Süd, Preußen-Österreich, kann man erkennen wie wichtig die
Ökumene gerade für Dtl. ist. Aus den Erfahrungen des Kulturkampfes kann man erkennen wie sehr gerade
die dt. Katholiken auf die Toleranz der evangelischen Mehrheit angwiesen sind. Es soll sich doch niemand
einbilden die Evangelischen seien weniger intolerant als die Katholiban. Wie man in den Wald schreit so
halt es zurück und es könnte ungemütlich werden wenn ein Bischof Huber die antipäpstlichen Schmähreden
eines Luther wieder auspackt. Obwohl – Haßpredigern wie Pünktchen und Konsorten die lieber Deutschland
in Feuer und Flammen untergehen sehen würden als einem Evangelischen die Hand zu geben käme das gerade
recht. Glücklicherweise leben wir unter der „Diktatur des Relativismus“. Und so ist auch der Papst und
sein Geschmiere – Gott sei Dank! – nur relativ!
@ Rudolfus Wieso? Die Konfession prägt Kultur und Geschichte und aus Kultur und Geschichte kann man nicht
austreten. So wie Österreich katholisch ist und ohne Kath. Kirche nicht verstanden werden kann, so kann
auch das heutige Dtl. (das ganz bewußt unter Ausschluß Österreichs entstanden ist) nicht ohne Luther
und die Evangelische Kirche verstanden werden.
@ Vorposter Wußten Sie eigentlich daß die Zahl der Protestanten in Dtl um ein Vielfaches höher ist
als die der Katholiken (zumindest wenn man die ehemals protestantischen Konfessionslosen dazuzählt)?
Daß das heutige Dtl auf dem Zweiten Kaiserreich basiert, dem „Heiligen Evangelischen Reich Dt. Nation“?
Daß Kardinal Meissner vor Eifersucht fast geplatzt wäre als er den erfolgreichen Kirchentag der Evangelischen
Kirche in Köln erleben mußte? Und last but not least – der Vatikan hat sein Geschreibsel als Beitrag
zur Ökumene verstanden (ansonsten wäre es ja so unnötig wie ein Kropf) und da ist es ganz logisch daß
die Evangelischen sich dazu äußern. In deutschem Interesse ist dieses päpstliche Zeugnis der Inkompetenz
jedenfalls nicht. Kein Land ist so sehr auf eine erfolgreiche Ökumene angewiesen wie Dtl.
@ Pünktchen Daß andere andere Definitionen gebrauchen, ist ihnen unbenommen Wo sagt der Papst das? Eben
das wird in vielen Reaktionen auf das päpstliche Geschreibsel kritisiert. Es wird nicht anerkannt das
es andere Definitionen gibt. daß die in apostolischer Sukzession stehenden Kirchen diese Defintion niemals
anerkannt haben und anerkennen werden. Who gives a fuck? Daß die römisch-katholische Kirche die Ev.
„Kirche“ nicht als Kirche im Vollsinne anerkennt Die Kirche leugnet daß es überhaupt ein Gegenüber
gibt! Hallo? Wo schreibt der Papst denn: „Da ist noch jemand anders, der hat diese und jene Meinung…“?
@ Pünktchen Wie so oft haben Sie auch diesmal keine Ahnung. Der Papst schreibt die Evangelische Kirche
sei keine Kirche im katholischen Sinn. Davon daß sie sich als Kirche in einem anderen Sinn versteht steht
eben entscheidenderweise gar nichts in dem päpstlichen Geschreibsel. Eben das kritisiert Bischof Huber.
Die Kirche reklamiert die Deutungshoheit über den Begriff Kirche für sich allein, leugnet daß irgendjemand
anders eine andere Deutung dieses Begriffs leisten könnte und bewertet dann mal nebenbei inwiefern diese
oder jene Kirche ihrer Definition gerecht wird. Das schimpft man dann Ökumene. Um einen Dialog zu führen
muß man erstmal anerkennen, daß es ein Gegenüber gibt, ein Subjekt, einen Menschen, einen Dialogpartner
usw. Predigen Sie das nicht immer? Und wie siehts in der Praxis aus? Da wird üble Nachrede getrieben
daß sich die Balgen biegen wenn ein DDL eine unangenehme Meinung hat. Da wird ganzen Glaubensgemeinschaften
die schlimmsten Dinge nachgesagt wenn sie sich nicht vom Vatikan vorschreiben lassen wollen woran sie
zu glauben haben. Der Vatikan erkennt ja noch nicht mal das Problem. daß die katholische Kirche doch –
„bittschön“ – das lutherische Kirchenverständnis zu übernehmen hätte. Wer hat nochmal selbstherrlich
Kirche definiert? Huber oder Ratze? daß ein bestimmter Herr in Wien kein „Rabbi“ sei Ich habe geschrieben,
daß die Juden darüber entscheiden und nicht das antisemitische Pünktchen! That’s it!
@ Theophil Es gibt halt keine Doppelgänger von Jesus mit anderen Bibeln. Glauben Sie Bischof Huber glaubt
das? Ich versichere Ihnen es gibt unter den Evangelischen genauso viele Fundis wie unter den Katholen.
Und wegen mir könnt Ihr Deppen euch getrost gegenseitig die Schädel einschlagen für euren depperten
Jesus. Das wäre mir persönlich völlig wurscht. Ich habe nur kein Interesse an einem zweiten Dreißigjährigen
Krieg oder Zuständen wie in Nordirland nur weil ihr Deppen euch nicht einigen könnt welches nun der
wahre Aberglaube ist. Deshalb liegt die Deutungshoheit einzig bei ihm und in der Sukzession bei den Bischöfen
der Katholischen Kirche. Oder eben bei den Pastoren oder den Ökumenischen Patriarchen oder den Mullahs
und Ulama und so weiter. Am Ende wird wieder das Schwert entscheiden weil die Arschlöcher sich nicht
einigen können. Herr schmeiß Hirn vom Himmel.
@ Hüller Dass Sie Frauen vom Weihepriestertum ausschließt, hat nichts mit Geringschätzung oder Diskriminierung
zu tun, sondern mit der biblisch fundierten Überzeugung, dass nur ein Mann der „Braut des Herrn“ würdig,
angemessen und legitim in der Nachfolge der Apostel voranstehen kann. Was ist das anderes als Diskriminierung?
Ich warte übrigens noch immer auf eine Antwort auf meine vor einiger Zeit an Sie gestellte Frage warum
denn Adolf Hitler als Katholik sterben konnte obwohl er viele Millionen Menschen getötet hat, eine Frau
aber sofort exkommuniziert ist, sobald sie einen einzigen Fötus abgetrieben hat? Wird Mord hier nicht
unterschiedlich geahndet?
@ Vorposter Sehr gut, daß Sie die Relativität auch Ihres Standpunktes anerkennen und damit auch einer
anderen Religion wie der römisch-katholischen das Recht zuerkennen… Ihr Denkfehler liegt einfach darin,
daß Sie meinen Bischof Huber sei der Auffassung alles sei gleich richtig. Das ist er mit Sicherheit nicht.
Unter Garantie ist er der Meinung seine Definition von Kirche sei die einzig Wahre und Richtige. Er betont
nur (und völlig zurecht!), daß man mit dieser Haltung keinen Dialog führen kann. Deshalb fordert er
zumindest die Realität insoweit anzuerkennen, daß man zugibt, daß andere Kirchen andere Meinungen vertreten.
Leider ist der Vatikan nicht mal dazu gekommen. Vielmehr sagt der Vatikan: Kirche ist dies und das, wir
haben die Deutungshoheit über den Begriff Kirche und andere nicht. Punkt. Da wird einfach die Realität
ausgeblendet. Die Problematik daß andere Kirchen andere Defintionen vertreten wird geleugnet. Da brauche
ich keine Ökumene. Für was denn? Da kann man geich wieder den Dreißigjährigen Krieg ausrufen. Denn
geistig scheint der gute Benedikt nicht darüber hinaus gekommen zu sein. Jemand sollte ihm mitteilen,
daß die Protestanen oder Orthodoxen sich gewöhnlich nicht von Rom vorschreiben lassen was Kirche ist
und was nicht.
Die Relativität des eigenen Standpunkts… …bedeutet nichts weiter als eben anzuerkennen, daß es Kirchen
gibt die ihr Kirchensein schlicht an anderen Kriterien festmachen als die Katholische. Insofern hat Bischof
Huber völlig Recht. Wenn die Kath. Kirche mehr führen will als einen Monolog mit sich selbst, dann wird
sie erstmal anerkennen müssen, daß andere Kirchen entscheidende Dinge unterschiedlich definieren und
gewichten. Das ist völlig logisch. Anonsten ist das ganze Gerede von Ökumene nur verlogenes Geschwafel.
Ein Verdacht der sich bei Benedikt sowieso immer stärker aufdrängt. Und wenn die Kath. Kirche tatsächlich
der „mystische Leib Christi“ sein sollte, dann grausts a Sau dabei.
@ Genoveva So gesehen handelt es sich sehr wohl um einen Selbstfindungsprozess innerhalb der westlichen
Kirche. Das ist schon deshalb falsch weil der Machtkampf zwischen Kirche und Staat genauso gut auch anders
hätte ausgehen können. Insofern kann von Selbstfindung keine Rede sein.
@ Pünktchen Im weltlichen Bereich mußte der Kirche „das Schwert“ erst entrungen werden. Danach war aber
der Zustand der „beiden (getrennten, aber nicht notwendigerweise antagonistischen) Reiche“ erreicht. Wer
will der Ostkirche nun einen Vorwurf machen, daß es in ihrem Bereich keinen solchen Gegner gab? Hätte
es ihn auch im Westen nicht gegeben, so wäre auch im Westen die Trennung zwischen Staat und Kirche beileibe
nicht so radikal ausgefallen. Noch im Mittelalter hat sich der Papst angemaßt aus einem König einen
Kaiser machen zu können und selbst kurz nach der Reformation meinte der Papst noch die englische Elisabeth
für vogelfrei erklären und ihre Tötung für erwünscht erklären zu können. Mal ganz zu schweigen
von Kopernikus oder Galilei. Es ist also tatsächlich nicht mehr als übles Lügengebilde die heutigen
Verhältnisse in Europa als schon immer mit der Katholischen Kirche in Einklang stehend zu erklären.
Tatsächlich wurden diese Verhältnisse gegen den massiven und fundamentalen Widerstand Roms erkämpft.
Es ist nicht die Schuld Konstantinopels, daß ähnliche Kämpfe dort nicht statt fanden weil die Gegner
fehlten. Zweifelsfrei ist es aber dummes überhebliches Zeug heute die Trennung zw. Staat und Kirche im
Westen als Errungenschaft des Katholizismus gegen die Orthodoxie des Ostens auszuspielen!
@ Pünktchen die auf die stärkere Eigenständigkeit des geistlichen und des weltlichen Bereiches abhebt.
Diese Eigenständigkeit wurde gegen den massiven Widerstand Roms in Jahrhundertelangen Kämpfen errungen.
Es ist üble Geschichtsklitterung diese Trennung zwischen Staat und Kirche als originär katholisch auszugeben.
Diese Trennung wurde konsequent erkämpft! Gegen Rom!
@ Pünktchen Entscheidend ist, daß kaum ein Konzil gegen einen amtierenden Papst votieren wird! Was eben
daran lag, daß der Bischof von Rom sich vor seinem anmaßenden Verhalten stets bereitwillig dem Konzil
unterworfen hat. Tut er das in der Zukunft wieder dürfte der Einheit kaum etwas im Wege stehen.
@ Pünktchen Päpste wird es, bis zum Tag der Wiederkunft des Herrn, immer geben! Dann wird es auch bis
zum Ende der Welt keine Einheit mit den Ostkirchen geben. Schade auch!
@ Pünktchen Seine ganze patristische Gelehrsamkeit und liturgische Sensibilität tendiert auf eine Wiedervereinigung
der Kirche von Rom mit den Patriarchaten des Ostens Dann müßte der Papst aber auch die Oberhoheit des
Konzils anerkennen. Implizit tut er das ja schon. Es versichert bspw. daß niemand das Zweite Vatikanische
Konzil antasten wird. Es müßte es aber natürlich noch ausdrücklich tun. Dann hätten sicherlich auch
die „Modernisten“ nichts gegen eine Einheit mit den Ostkirchen.
#158 Schopenhauer2 21:28:58 | Mittwoch, 4. Juli 2007
@ Pünktchen „Aber der Mensch ist die vollkommenste Erscheinung des Willens, welche, um zu bestehen, wie
im zweiten Buch gezeigt, von einem so hohen Grade von Erkenntnis beleuchtet werden mußte, daß in dieser
sogar eine völlig adäquate Wiederholung des Wesens der Welt unter der Form der Vorstellung, welches
die Auffassung der Platonischen Ideen, der reine Spiegel der Welt ist, möglich ward, wie wir sie im dritten
Buch kennen gelernt haben. Im Menschen also kann der Wille zum völligen Selbstbewußtsein, zum deutlichen
und erschöpfenden Erkennen seines eigenen Wesens, wie es sich in der ganzen Welt abspiegelt, gelangen.
Aus dem wirklichen Vorhandensein dieses Grades von Erkenntnis geht, wie wir im vorigen Buch sahen, die
Kunst hervor. Am Ende unserer ganzen Betrachtung wird sich aber auch ergeben, daß durch dieselbe Erkenntnis,
indem der Wille sie auf sich selbst bezieht, eine Aufhebung und Selbstverneinung desselben in seiner vollkommensten
Erscheinung möglich ist: so daß die Freiheit welche sonst, als nur dem Ding an sich zukommend, nie in
der Erscheinung sich zeigen kann, in solchem Fall auch in dieser hervortritt und, indem sie das der Erscheinung
zugrunde liegende Wesen aufhebt, während diese selbst in der Zeit noch fortdauert, einen Widerspruch
der Erscheinun mit sich selbst hervorbringt und gerade dadurch die Phänomene der Heiligkeit und Selbstverleugnung
darstellt.“ Schopnehauer, Welt als Wille und Vorstellung, erster Band, IV. Buch
#152 Schopenhauer2 23:03:34 | Dienstag, 3. Juli 2007
@ Stöhr Kant und Schopenhauer zufolge ist der Mensch nicht in der Lage darüber zu spekulieren woher
die Welt kommt oder welchen Sinn sie hat. Dazu ist das menschl. Gehirn zu beschränkt.
#150 Schopenhauer2 22:48:46 | Dienstag, 3. Juli 2007
@ Pünktchen Ist der andere nur ein Objekt unter anderen oder erkenne ich in ihm etwas, das unreduzierbares
Selbst-Sein ist wie ich selber. Was Sie da schreiben sind alles schöne Worte. Damit können Sie eine
prima Sonntagspredigt halten. Aber praktische Auswirkungen wird das gar keine haben. Ich werde nie begreifen
wie Sie theoretisch ein solches linksradikales Gutmenschentum propagieren können und in der Praxis schon
ein Lehmann zum Atheisten stilisieren. Kant sagt: nur unter der sittlichen Forderung erfahre sich der
Mensch nicht als Erscheinung, sondern als allem kausalem Determinismus enthobenes „Ding an sich“. Das
ist das gleiche. Schöne Worte und wenig dahinter. Kant unterscheidet ganz banal zwischen Theorie und
Praxis. Theoretisch sollte man sich so und so verhalten und praktisch steckt man – auf Deutsch gesagt –
ziemlich in der Scheiße. Das wird dann von Kant gewohnt blumig und pathetisch formuliert und fertig ist
der „Tiefsinn“. Ist der andere nur ein Objekt unter anderen Wachen Sie auf! Für 99 von 100 Menschen sind
ihre Mitmenschen natürlich nur Objekte die ihnen nutzen oder schaden. Und das ist eine optimistische
Schätzung!
#146 Schopenhauer2 22:12:38 | Dienstag, 3. Juli 2007
@ Pünktchen Die Erkenntnis des Anderen wird so zur An-Erkenntnis seiner Ansprüche als Selbst-Sein. Ja
und warum? Was hält mich denn davon ab den anderen nur zu benutzen und zu meinem Vorteil einzusetzen?
Nur weil ich sehe „Aha, da ist ein anderer Mensch der genauso (schein) vernünftig daher redet wie ich!“
heißt das ja noch lange nicht, daß ich ihn achten muß oder als gleichwertig anerkennen muß. Bei all
Ihrer Vernunft die Sie allüberall wahrnehmen wollen zeichnen sich zwischenmenschliche Beziehungen vor
allem aus durch Gefühle wie Liebe, Haß, Zu- oder Abneigung, Habsucht oder Selbstlosigkeit, Egozentrik
oder Selbstaufgabe usw. Die wenigsten zwischenmenschlichen Beziehungen haben etwas mit Vernunft zu tun
und die wenigsten Menschen behandeln andere gut weil sie das als vernünftig begriffen hätten. Sie tun
es weil es sich so gehört, weil man das so macht, weil der Pfarrer das so gesagt hat, die Weltrevolution
es so fordert oder das BGB ansosten mit Zuchthaus droht. Wenn man erkannt hat, daß es auf der Welt viele
Menschen gibt und man deren Zusammenleben irgenwie organisieren muß, dann kann man damit eine Tugend
begründen. Davon zu unterscheiden ist die Moral die gewöhnlich Dinge fordert die weit über so alltägliche
Einsichten hinaus gehen, wie Sie sie hier so wichtig schildern.
#142 Schopenhauer2 20:31:19 | Dienstag, 3. Juli 2007
@ Pünktchen: Fortsetzung Die Welt „Gott“ zu nennen, hieße nur die Welt mit einem überflüssigen Synonym
des Wortes Welt zu bereichern. Etwas Unbekanntes werde hier durch noch Unbekannteres erklärt usw. Das
ist nun eben der Grund warum Kant kein gläubiger Mann war! Denn diese Erkenntnis stammt nicht von Schopenhauer
selbst sondern Schopenhauer hat sie von Kant übernommen! Vermutlich ist es unnötig hier viele Worte
zu machen, denn Sie werden es wohl sowieso nicht begreifen. Trotzdem liegt hierin auch der Schlüssel
für das Wörtchen „Nichts“. Denn wäre erstens der Wille tatsächlich das einzig Exisitierende, dann
könnte es schon rein logisch keine Erlösung geben. Denn wie sollte man etwas überwinden können außerhalb
dessen es absolut nichts gibt? Was Schopenhauer hier meint kann man nur verstehen wenn man weiß wie er
Begriffe wie „Gott“ oder „Welt“ begreift. Ich habe Ihnen hierüber betreffs Kant schon mal eine ellenlange
Abhandlung geliefert. Ein Begriff entsteht K. oder Sch. zufolge durch Anschauung. Ich sehe ein Ding und
nenne es „Tisch“ usw. Dann gibt es bestimmte Verfahrensweisen der Vernunft die diese Begriffe miteinander
kombiniert und daraus Schlußfolgerungen zieht. So entstehen Begriffe die keine Entsprechung mehr in der
Anschauung haben. Ein solcher Begriff ist eben „Gott“ oder „Nichts“. Beides gibt es in der Anschauung
nicht. „Nichts“ als Gegenteil des Willens ist für Schopenhauer also nicht real „Nichts“ sondern nur ein
Begriff „Nichts“. Wie eben auch „Gott“ oder „Allwissend“ usw.
#132 Schopenhauer2 22:21:09 | Mittwoch, 27. Juni 2007
@ alle möglichen Vorposter Im Zuge der geschichtlichen Entwicklung… Deutschland und Frankreich werden
als Geschwister betrachtet. Was in Frankreich (Heine ist großer Frankreich Fan) positiv verlaufen ist,
verläuft in Dtl. grundlegend falsch. Der Grund dafür ist die Kleinstaaterei der Deutschen. Diese sorgt
dafür daß die großen Geister der Deutschen keine Handlungsmöglichkeit in der Praxis haben, weil die
vielen hundert Kleinstaaten von vornherein jeden politischen Fortschritt hindern. Dies führt dazu, daß
die deutsche Philosophie sich in die Innerlichkeit und in immer verstiegenere Gedankengebäude flüchtet.
Entäuschung und Frustration über die Ohnmacht der Deutschen führt zu regelrechtem Politikekel der großen
Denker. Völlig anders die Entwicklung in Frankreich. Dort entwickeln die pantheistischen Ideen (Parlament,
Menschenrechte) blühende Verhältnisse. Frankreich ist eben im Gegensatz zu Dtl. nicht in hunderte Kleinstaaten
aufgespalten. Heines geniale Prophetie besteht nur in einem Gedanken: Was passiert wenn die Deutschen
eines Tages ihren geeinten Nationalstaat bekommen und damit die Möglichkeit besteht all die verstiegenen
Ideen die ihre Philosophen (als Weltflucht) ausgebrütet haben endlich in die Praxis umzusetzen? Es ist
wirklich beeindruckend wenn man bspw. die Analysen eines Joachim Fest in seiner Hitler Biographie liest
und sie mit den Prophetien Heines vergleicht. Dabei muß man bedenken, daß Heine 100 Jahre vor Hitler
genau die gleichen Gründe analysiert wie Fest 40 Jahre nach Hitler.
#126 Schopenhauer2 00:20:10 | Mittwoch, 27. Juni 2007
@ Pünktchen: Fortsetzung „…jener Talisman ist morsch, und kommen wird der Tag, wo er kläglich zusammenbricht;
die alten steinernen Götter erheben sich dann aus dem verschollenen Schutt, und reiben sich den tausendjährigen
Staub aus den Augen, und Thor mit dem Riesenhammer springt endlich empor und zerschlägt die gotischen
Dome. Wenn Ihr dann das Gepolter und Geklirre hört, hütet Euch, Ihr Nachbarskinder, Ihr Franzosen, und
mischt Euch nicht in die Geschäfte, die wir zu Hause in Deutschland vollbringen. Es könnte Euch schlecht
bekommen. Hütet Euch das Feuer anzufachen, hütet Euch es zu löschen; Ihr könntet Euch leicht an den
Flammen die Finger verbrennen. Lächelt nicht über meinen Rat, über den Rat eines Träumers, der Euch
vor Kantianern, Fichteanern und Naturphilosophen warnt. Lächelt nicht über den Phantasten, der im Reiche
der Erscheinungen dieselbe Revolution erwartet, die im Gebiete des Geistes stattgefunden. Der Gedanke
geht der Tat voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freilich auch ein Deutscher und
ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst
krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wißt, der deutsche Donner hat
endlich sein Ziel erreicht. Bei diesem Geräusche werden die Adler aus der Luft tot niederfallen, und
die Löwen in der fernsten Wüste Afrikas werden die Schwänze einkneifen und sich in ihren königlichen
Höhlen verkriechen.“
#124 Schopenhauer2 00:14:17 | Mittwoch, 27. Juni 2007
@ Pünktchen: zum zweiten! Bereits vor einiger Zeit habe ich Ihnen geraten mal den wirklich hervorragenden
Aufsatz von Heinrich Heine zu lesen: Über die Religion und Philosophie in Dtl. gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1145&…
Gewiß finden Sie dort auch genügend Anhaltspunkte zwecks Pantheismus und Menschenrechten. Heines Essay
kann man gar nicht genug loben. Mit prophetischen Worten sagt er Hitler vorher und leitet ihn her aus
Spinoza, Kant, Fichte oder Hegel. Hier einige Auszüge: „Laßt Euch aber dessen nicht bange sein, Ihr
deutschen Jakobiner; die deutsche Revolution wird darum nicht milder und sanfter ausfallen, weil die Kantesche
Kritik, der Fichtesche Transzendentalidealismus und gar die Naturphilosophie derselben vorausging. Durch
diese Doktrinen haben sich revolutionäre Kräfte entwickelt, die nur des Tages harren, wo sie hervorbrechen
und die Welt mit Entsetzen und Bewunderung erfüllen können. Es werden Kantianer zum Vorschein kommen,
die auch in der Erscheinungswelt von keiner Pietät etwas wissen wollen, und erbarmungslos, mit Schwert
und Beil, den Boden unseres europäischen Lebens durchwühlen, um auch die letzten Wurzeln der Vergangenheit
auszurotten. Es werden bewaffnete Fichteaner auf den Schauplatz treten, die in ihrem Willensfanatismus,
weder durch Furcht noch durch Eigennutz zu bändigen sind; denn sie leben im Geiste, sie trotzen der Materie,
gleich den ersten Christen, die man ebenfalls weder durch leibliche Qualen noch durch leibliche Genüsse
bezwingen könnte; …“