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@Frasim: Gregorianik und Betonung; Fragen Zunächst habe ich mal den Hymnus „Veni Creator“ in deutscher
Übertragung von Friedrich Dörr („Komm Schöpfer Geist, der Leben schafft“) gehört, allerdings nicht
in der im Film zu hörenden verzierten Melodie, wo auf manche Silben zwei oder drei Töne fallen, sondern
in der unverzierten Version, wo jede Silbe einem Ton entspricht, wie sie, glaube ich, im Gotteslob steht.
Das hat sich aber auch nicht schlecht angehört. Oder ist das dann keine Gregorianik mehr? Dann würde
mich noch der Unterschied zwischen metrischer Betonung (im Lateinischen) und semantischer Betonung (im
Deutschen) interessieren, zumal es ja seit dem Mittelalter zwei verschiedene Arten lateinischer Metrik
gibt, nämlich die antike oder klassische, die sich nach Silben-Länge richtet (lange und kurze Silben)
wie z.B. im „Veni Creator“, dann aber seit dem Hochmittelalter die „Akzentmetrik“, die nach betonten und
unbetonten Silben unterscheidet, wie z.B. im „Pange Lingua“ des Thomas von Aquin. Letztere entspricht
meiner Auffassung nach der im Deutschen und anderen modernen Sprachen üblichen Metrik, da sie auch nach
betonten und unbetonten Silben unterscheidet.
Betrachtungen zu Metrik und Aussprache von „Veni creator“: Insgesamt eine gelungene Darbietung! Der gesungene
Text folgt der metrisch korrekten Version im Liber Usualis und nicht etwa der Kompromiss-Version mit dem
Urtext, der im Gotteslob und im gegenwärtigen Graduale steht. „Veni Creator“ ist ein jambischer Dimeter
in der klassischen Metrik. Jedes der beiden Metra folgt dem Schema x – υ –. Dabei bedeutet: υ = kurz, – =
lang, x = beliebig. Da die letzte Silbe auch dann, wenn sie kurz ist, lang gebraucht wird, ergibt sich
für jeden Vers das Schema: x – υ – x – υ x Ihm folgt der Hymnus durchgehend. Die gesungene Aussprache
ist im Wesentlichen Mittellatein mit der einzigen Ausnahme, dass jedes „c“ wie „k“ gesprochen wurde, was
im Prinzip bei Liedern in der klassischen Metrik auch nötig ist, da ein als „z“ = „ts“ gesprochenes „c“
so manche Silbe längt (Beispiel: Bei „crucem“ als „cru-kem“ gesprochen wie im klassischen Latein ist
die erste Silbe kurz, spräche man aber mittellateinisch „crut-sem“ , wäre sie lang, da sie (mit einem
Konsonanten) geschlossen ist. Speziell bei „Veni creator“ kommen aber solche Fälle nicht vor („pacem“
hat langes „a“). Eine klassisch-lateinische Aussprache wäre schwierig, da über die Aussprache der nasalierten
Endungen „-am“, „-em“, „-im“, „-um“ spekuliert werden müsste. Auch wäre wohl „ae“ = „ai“ usw. Zwei vorgeschriebene
Elisionen wurden durchgeführt (das „e“ von „infunde“ und das zweite „e“ von „Teque“), nur bei „qui a
mortuis“ wurde das „i“ von „qui“ nicht elidiert, wohl weil zwei Töne auf „qui a“ fallen. Ich würde „qua-a“
singen.