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Redemptoris sacramentum Jede Diskussion erübrigt sich, wenn man sich folgenden Text anschaut: 126. Zu
verwerfen ist der Mißbrauch, daß geistliche Amtsträger entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher
die heilige Messe, auch wenn nur ein Amtsträger daran teilnimmt, ohne sakrale Gewänder feiern oder nur
die Stola über der monastischen Kukulle oder dem allgemeinen Ordensgewand oder der gewöhnlichen Kleidung
tragen. Die Ordinarien haben dafür Sorge zu tragen, daß Mißbräuche dieser Art so schnell wie möglich
korrigiert werden und in allen Kirchen und Oratorien ihres Jurisdiktionsbereiches eine angemessene Anzahl
liturgischer Gewänder, die gemäß den Normen hergestellt sind, vorhanden ist.
Kompromiß schon, aber… Sicherlich sind SC 36 bzw. 54 als Kompromiß zwischen verschiedenen Interessengruppen
zu sehen. Was jedoch offensichtlich zählt, ist der Endtext. Quod patres decreverunt, decreverunt. Somit
bleibt es dabei, dass die praktische „Exkommunikation“ der lat. Liturgiesprache gegen den Beschluss des
Konzils erfolgt ist. Auch ein Rekurs auf den „Geist“ des Konzils hilft nicht weiter, da dieser subjektivem
Empfinden entspringt und für uns, die wir das Konzil selbst nicht erlebt haben, überhaupt nicht mehr
einholbar ist. Somit gehört die Pflege der lat. Liturgie genauso zum Auftrag des Konzils wie die Zulassung
der Volkssprache in größerem Umfang als bis zum Konzil üblich. Daran kommt man nicht vorbei. Wenn man
also die lat. Liturgie bewußt außen vorläßt, muss man sich im klaren zu sein, dies gegen den Willen
des Konzils zu tun. Nicht mehr und nicht weniger. Die Junktur „partes quae ad partes populi spectant“
ist in sich sicherlich mehrdeutig. Ich vermute – ohne es jetzt genau belegen zu können – dass für die
Mehrzahl der Konzilsväter hiermit in der Tat vor allem der Wortgottesdienst gemeint sei. Das Hochgebet
in der Volkssprache dürfte für die Mehrheit der Konzilsväter noch jenseits der Vorstellung gewesen
zu sein. Aber auch das ändert nichts daran, dass die Pflege der lat. Liturgie und auch des Chorals (SC
116) Auftrag des Konzils ist.
Zurück zum Konzil! Ein aufmerksames Lesen der Liturgiekonstitution ergibt in unserer Frage folgendes:
Der Gebrauch der Lateinischen Sprache soll beibehalten werden, der Volkssprache soll ein größerer Raum
als bisher gegeben werden (SC 36). Ursprünglich ist hierbei nicht an eine komplett volkssprachliche Liturgie
gedacht, das ist erst eine nachkonziliare Entwicklung. Aber auch wenn man diese miteinbezieht, bleibt
die Forderung des Konzils, den Gebrauch der Lat. Sprache zu erhalten, beständiger Auftrag. Die Lat. Liturgiesprache
ist niemals abgeschafft worden, was auch CIC 1983 can. 928 bestätigt. Somit ist die heutige Praxis, in
der Regel – von Ausnahmen abgesehen- nur volkssprachliche Liturgie zu feiern, an SC gemessen defizient
und steht folglich gegen das Konzil. Es geht um ein vernünftiges Miteinander von Latein und der jeweiligen
Volkssprache in der römischen Liturgie. Monopolisierungen gleich welcher Art entsprechen nicht dem Willen
des Konzils. Ebenso dürfte eine Kirche (d.h. Kleriker), die einerseits Popmessen zumindest toleriert
oder sogar propagiert, andererseits die teilweise uralten Lat. Gesänge und Hymnen geringachtet oder sogar
bewußt ausschließen will, auch in den Augen von Fernstehenden und Nichtkatholiken unglaubwürdig und
barbarisch erscheinen. Erinnert sei hier auch an das berühmte „Agatha Christie Indult“ www.sinfonia-sacra.com/
(Siehe unter Aktuelles 22. 6.). Et lingua Latina et lingua vernacula muss es also heißen.
Bedenkenswert „Auch als Ungläubiger in der technisch komplizierten Wirklichkeit magst du spüren, daß
es vielleicht doch eine göttliche Realität gibt, wenn du jemals wieder eine lateinische Präfation mit
Orgelresponsorien erleben solltest.“ Eine interessante Beobachtung. Ich denke, man kann dies auch auf
den Choral und die klass. Vokalpolyphonie insgesamt ausdehnen. Im Wohlklang des Gesanges, die auf wunderbare
Weise mit der Ausgewogenheit der lat. Periodenbildung harmoniert, zeigt sich die schöpferische Harmonie
und ordnende Kraft Gottes, gleichsam als deren unvollkommenes Abbild. Die Gegner werden sagen: „Toll,
wenn man nichts versteht“. Deshalb braucht die Liturgie natürlich auch volkssprachliche Elemente, während
die lat. Elemente natürlich in entsprechender Übersetzung vorliegen sollten. Nochmals: Ein großer Fehler
der nachkonziliaren Zeit ist die an manchen Orten erfolgte völlige Beseitigung des Lat. und hiermit verbunden
der Verlust der großen Kirchenmusik. Und hier genau muss eine neue liturgische Bewegung einsetzen, die
den Willen des Konzils in Erinnerung ruft, der ja keineswegs in der Zerstörung und im Bildersturm liegt.
Ich würde hier einen etwas anderen Akzent setzen: Nicht das Konzil als solches, sondern die nachkonziliare
Zeit – ganz konkret ist es sehr häufig der Klerus vor Ort gewesen – hat sehr zum kulturellen Niedergang
der römischen Liturgie beigetragen. Man hat nicht selten leider dem Banalen, dem Alltäglichen den Vorzug
vor dem Erhabenen gegeben.
Werter Leges… Nun, von einem streng historischen Standpunkt aus sollten Sie in Ihrer Argumentation weitaus
vorsichtiger sein. Denn dass Petrus nicht in Rom war, können Sie ebensowenig schlüssig und völlig evident
beweisen. Auch Ihre Position ist nur eine Möglichkeit und man wird über die Angabe von Wahrscheinlichkeiten
nicht heraus kommen. Dass Paulus in Rom war, ist nun keineswegs implausibel. Es ist eine Frage der Gewichtung
von Quellen. Gut, der 1. Klemensbrief ist um 96 zu datieren, was aber keineswegs folgerichtig heißen
muss, dass er deshalb unglaubwürdig ist. Zur Schärfe der Neronischen Verfolgung lesen Sie doch mal Tacitus,
Annalen 15, 44 und Sueton, Vita Neronis 16, 2. Die Texte werden Sie kennen. Bloße Antineronianische Propaganda?
Dass die Apg als Vorbild gedient haben kann, kann man historisch nicht völlig ausschließen. Beweisen
können Sie es aber auch nicht. Ihr letzter Satz verrät allerdings, dass Sie keineswegs sine ira et studio
argumentieren – für einen Historiker eine sehr schlechte Basis. Also, bevor man andere als „Nichtwisser“
tituliert, sollte man in seiner Argumentation ausgewogen sein und sich seiner eigenen Methodik versichern.
Ein bescheidenes „nescio“ und etwas mehr Nüchternheit hätte Ihnen besser gestanden… Ich hoffe, Sie
sind lernfähig!
Kunst und Hl. Kult… gehören zusammen. Die Fähigkeit des Menschen, künstlerisch tätig zu sein, ist
eine der bedeutendsten menschlichen Fähigkeiten, wenn nicht die bedeutendste. Der Sinn für das Schöne,
das Edle, das Ebenmäßige, das Symmetrische zeichnet ihn vor allen anderen Geschöpfen aus. Warum sollte
er diese Fähigkeit nicht auch in der Verehrung Gottes zur Anwendung bringen. Betrachten Sie die herrlichen
altkirchlichen Mosaiken in S. Vitale ind Ravenna, die mittelalterlichen Dome, die herrlichen Barockkirchen
mit ihren Altären. Und dass es nicht nur herrliche Barockaltäre gibt, dürfte jedem klar sein, der den
Dreikönigsaltar im Kölner Dom gesehen hat. Ist das nicht alles irgendwie kunstvolle „Prachtentfaltung“?
Der Mensch gibt gerade das beste, was er hat, zur Verehrung und zum Ruhme Gottes, seine Fähigkeit, die
edle Schönheit, Ordnung und Harmonie der göttlichen Schöpfung im kleinen und natürlich unvollkommen
abzubilden. Kunst – hierzu rechne ich natürlich auch die Musik- und Gottesverehrung sind die herausragenden
Tätigkeiten des Menschen und eng aufeinander verwiesen. Das wahrhaft Schöne führt den Menschen im göttlichen
Kult zum Wahren und Heiligen, dem überseienden und alles in sich begreifenden Gott, dem Urgrund alles
Seienden.
Calvinismus Lieber Bernardone, konvertieren Sie doch zum Clavinismus. Das soll keine Polemik sein, sondern
ist Ernst gemeint. Dort werden Sie keine Kultgewänder, keine goldenen Kelche entdecken können und müssen
sich nicht darüber ärgern. Es sind halt unterschiedliche liturgische Konzeptionen, und wenn Ihnen die
römische Sicht der Dinge nicht gefällt, gibt es doch so viel protestantische Denominationen. Warum aber
aus der katholischen Kirche eine weitere protestantische Kirche machen wollen? Das Sinnenfällige und
Schöne gehören doch nun einmal zum Katholizismus, das Schöne, Wahre und Gute gehören nun einmal zusammen.
Alles soll in der Liturgie auf die transzendente Schönheit Gottes verweisen, die erhabene Majestät Gottes
preisen. Wie gesagt, wenn Ihnen andere Konzeptionen besser gefallen… Auch das steht Ihnen frei. Denken
Sie einmal darüber nach.
Werter Bernardone, Es bleibt Ihnen völlig unbelassen, nur in volkssprachliche Messen zu gehen. Das ist
Ihr gutes Recht und hat wohl niemand hier in Frage gestellt. Zum anderen akzeptieren Sie bitte, dass es
aber auch Menschen gibt, die sehr gerne in eine lat. Messe gehen, sei es novus , sei es vetus ordo. Und
eine kleine Bitte am Rand: Generalisieren Sie Ihre eigenen (?) Bildungsdefizite nicht: Es gibt sehr wohl
Menschen, die die Lateinische Sprache verstehen. Auch heute noch!!! Danke, Isidorus Hispalensis.
Verkündigung und Anbetung Was die Zelebrationsrichtung angeht, scheint mir folgende Regelung am sinnvollsten:
a. Der Wortgottesdienst – vor allem ist hier an die „Salutatio“ und die Schriftlesungen zu denken – wird
zum Volke hin gefeiert. Hierbei handelt es sich schließlich um ein echtes Gegenüber desjenigen, der
die Hl. Texte feierlich verkündet, und denjenigen, denen sie verkündet werden. b. Beim eucharistischen
Gottesdienst schauen Priester, Assistenz und Gläubige in ein- und dieselbe Richtung, nämlich zum Altarkreuz.
Hierdurch wird die gemeinsame Ausrichtung von Priester und Gemeinde auf Gott hin sinnenfällig zum Ausdruck
gebracht. Auf diese Weise werden zwei bedeutende Aspekte der Liturgie gleichsam unmittelbar erfahrbar:
Der Aspekt der Verkündigung des Wortes Gottes zum einen und der Aspekt der Anbetung Gottes zum anderen.
Und vielleicht hilft dieses Modell auch, die nicht bisweilen auftauchende Anthropozentrik in der Liturgie
zu relativieren.
Hallo Babylon ad 1: merus, -a, -um: rein. Ius mere ecclesiasticum bedeutet soviel wie „reines Kirchenrecht“.
ad 2: In der Tat ist die Synode von Elvira eine spanische Regionalsynode, wohl keine reine Provinzialsynode.
Can. 33 ist der erste kirchenrechtliche Beleg für die Forderung der klerikalen Enthaltsamkeit in der
Ehe. Zunächst einmal gelten diese Beschlüsse für die spanischen Bischöfe, die sie unterzeichnet haben.
Die nächsten Belege liegen in Briefen des Papstes Siricius vor, etwa in dem an den spanischen Bischof
Himerius von Tarragona oder in dem an die afrikanischen Bischöfe. In Afrika z. B. haben wir den ersten
ausdrücklichen Beleg 390, allerdings wird ausdrücklich gesagt, dass ein solcher Beschluss bereits von
früheren Synoden erlassen worden ist, die uns allerdings nicht erhalten sind. Man muss ohnehin davon
ausgehen, dass ein beträchtlicher Teil von Synodalakten nicht überliefert worden ist. ad 3: Das sollte
man ebenso wie die Äußerungen von Purchil2 nochmal genau nachschlagen und vor allem in die Quellen schauen.
Allen Interessierten seien dazu folgende Werke empfohlen: Gryson, R.: Les Origines du célibat ecclésiastique
du premier au septième siècle (Gembloux 1970) und bis ins Hochmittelalter: Boelens, Die Klerikerehe
in der Gesetzgebung der Kirche unter besonderer Berücksichtigung der Strafe (Paderborn 1968). Viel Spaß!!
Werter Gotthard Sie vermischen etwas ungeschickt die Ebenen. Die Frage des Zölibats ist nämlich keine
doktrinäre Frage, sondern eine disziplinäre Frage. Generell muss man in der Tat zwischen apostolischer
und kirchlicher Überlieferung unterscheiden (vgl. etwa Weltkatechismus Nr. 83), da haben sie recht. Ich
habe durchaus gesagt, dass der Zölibat kein ius divinum ist, sondern ein ius mere ecclesiasticum. Aber
auch die kirchliche Tradition hat einen recht hohen Verbindlichkeitsgrad, was nicht bedeutet, dass sie
im Unterschied zum ius divinum nicht geändert werden kann. Aus der biblischen Offenbarung läßt sich
eine Zölibatsverpflichtung im rechtlichen Sinne direkt nicht ableiten. Aber man sollte die neutestamentliche
Tendenz zur Bevorzugung der Ehelosigkeit und Jungfräulichkeit nicht marginalisieren. Vgl. immerhin neben
1 Kor. 7, 32 auch Mt 19, 10-12. Zur generellen Verpflichtung für alle Gläubigen hat die Kirche die Ehelosigkeit
im Unterschied zu einigen enkratitischen Sekten natürlich nie erhoben, denn: „Nicht alle können dieses
Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist“. Worum es mir geht, ist eine ausgewogene und unideologische
Betrachtung der Fragestellung: Weder hat der Zölibat, wobei ich „Ehelosigkeits-“ und „Enthaltsamkeitszölibat“
zusammenfasse, den Rang eines christologischen Dogmas noch handelt es sich um eine Erfindung des Hochmittelalters.
Ich bin skeptisch Werter Teleologe, was die Lateransynode von 1139 angeht, bin ich skeptisch. In can.
6 heißt es, dass höhere Kleriker, die geheiratet haben oder eine Konkubine halten, […] Amt und Benefizium
[verlieren]“. Die Heirat, die gebrandmarkt wird, ist nach dem Empfang der höheren Weihe erfolgt. Eine
solche Ehe wird in einem anderen Kanon als „ungültig“ angesehen. Dass allerdings forthin nur noch unverheiratete
Kandidaten geweiht werden dürfen – und das ist Zölibat im eigentlichen Sinne des Wortes –, steht m.
E. nirgends. Die Tendenz geht sicherlich schon etwas länger in diese Richtung, ist aber rechtlich so
nicht formuliert worden. Die höheren Weihen werden 1139 zum trennenden Ehehindernis, aber zumindest explizit
die Ehe nicht zum einfachen Weihehindernis. Im übrigen bleibe ich bei meiner Beobachtung: Wichtige Anknüpfungspunkte
für die Herausbildung des Zölibats bzw. der Enthaltsamkeit, keine rechtlichen Bestimmungen natürlich,
gibt es schon bei Paulus. Aber wie bereits gesagt: Der Zölibat gehört aber auch nicht zum ius divinum.
Man kann es vielleicht so sagen: Die Höhergewichtung des ehelosen/enthaltsamen/jungfräulichen Lebens
hat es als eine Tradition im Christentum von Anfang an gegeben, zum beherrschenden Leitideal ist sie dann
im 3. bzw. 4. Jahrhundert geworden.
Lieber Teleologe! Richtig, es gibt eine ungefähr 1000 Jahre alte Tradition einer Klerikerehe im Westen,
d. h. die Ehe ist kein Weihehindernis. Unterschlagen werden dürfen dann allerdings nicht die Enthaltsamkeitsvorschriften
für die Majoristen, deren frühestes sicheres Zeugnis der Synode von Elvira zuzurechnen ist. Das wollte
ich eigentlich nur sagen. Zur Synode von Pavia 1022: Bitte den genauen Textbeleg. Wird auf dieser explizit
Synode beschlossen, dass die Ehe fortan ein Weihehindernis ist??? Die Ehelosigkeit/Enthaltsamkeit der
westlichen Kleriker ist kein „ius divinum“, gehört aber zur Tradition der westlichen Kirche, fassbar
vom 4. Jahrhundert an. Und die Tradition spielt für die kath. Kirche ebenso eine wichtige Rolle: Schrift
und Tradition. Aber schon bei Paulus gibt es eine eindeutige Tendenz zur Ehelosigkeit. Die Ehe wird natürlich
nicht verboten, aber die Ehelosigkeit wird von Paulus ungleich höher bewertet. Ein Satz wie: „Der Unverheiratete
sorgt sich um die Sache des Herrn, er will dem Herren gefallen. Der Verheirate sorgt sich um die Dinge
der Welt, er will seiner Frau gefallen“ ist eine Aussage, die später sehr leicht auf Kleriker bezogen
werden kann, die sich ja ganz Gott und dem Hl. Dienst weihen.
Werter Teleologe Vielleicht sollten Sie mal gründlicher lesen, bevor Sie von anderen vorwerfen, „historischer
zu denken“. In meinem Posting habe ich lediglich auf Fakten hingewiesen, eine Wertung habe ich nicht vorgenommen.
Ich habe durchaus gesagt, dass die Frage der (klerikalen) Enthaltsamkeit in den Quellen der ersten drei
Jahrhunderten kaum einen Niederschlag findet. Und was soll nun im Jahre 1022 passiert sein??
Quellenstudien, Herrschaften!! Da musste ich doch wieder folgendes lesen: Außerdem gibt es in der katholischen
Kirche eine über 1000 jährige Tradition für das verheiratete Priesterum. (Bis zum Jahre 1139) 1. In
der Alten Kirche wurden in der Tat verheiratete Männer in den Klerus aufgenommen, die Ehe ist kein Weihehindernis.
Allerdings war mit dem Empfang vor der Diakonatsweihe bzw. der Subdiakonatsweihe ein Enthaltsamkeitsversprechen
verbunden, dass der Kandidat und seine Ehefrau abgelegt haben. Frühester ausdrücklicher Beleg ist die
Synode von Elvira (Anfang des 4. Jh.?) can. 33. Dieser Aspekt wird in der Diskussion gerne unterschlagen,
gehört aber hinzu. In der Zeit der ersten drei Jahrhunderte lässt sich in den Quellen eine solche Praxis
nicht nachweisen. 2. Das Jahr 1139 ist keineswegs der Übergang zur Praxis, nur noch unverheiratete Kandidaten
zu weihen. Lediglich wird eine von einem Majoristen eingegangene Ehe für ungültig erklärt. Dass ein
Majorist nach Empfang der Hl. Weihen nicht heiraten darf und dies zum Ausschluss aus dem Klerus führt,
ist allerdings bereits altkirchliche Tradition und gilt sowohl in Ost- und Westkirche. Das Laterankonzil
von 1139 erklärt nun eine solche Ehe für ungültig.
Sakrileg! Um die beliebte Frage der 68er Theologen aufzugreifen: Was hätte Jesus gesagt? Er wäre wahrscheinlich
begeistert gewesen und hätte ein bißchen mitgespielt, im Haus seines Vaters… „Gut, dass ihr im Hause
meines Vaters Fussball spielt“, hätte er gesagt, „es gibt ja sonst nirgendwo die Möglichkeit dafür“.
Wirklich „tolles“ Projekt. Das ist Kirche, wie sie sein sollte. Immer am Ball. Vielleicht könnte man
eine große Plakataktion machen. „In unsere Kirche darf man auch schreien… und Fussball spielen“. Spaß
(?) beiseite. Ich bin selbst ein sehr großer Fussballfan. Dass man auch von seiten der Kirche jungen
Menschen die Möglichkeit und die Orte gibt, Fussball zu spielen, ist sehr begrüßenswert und wuchtig.
Eine Kirche ist dafür kein geeigneter Ort. Im Sinne des interreligiösen Dialogs könnte man ja das ganze
ja mal in einer Moschee versuchen. Dieses ganze Projekt ist Ausfluss einer völlig verfehlten 68er Pädagogik
und zeigt im letzten den Verlust religiösen Empfindens – erschreckenderweise mitten in der Kirche. Und
das dürften selbst Atheisten und Kirchengegner so sehen… alle Menschen, die einigermaßen gesunden
Menschenverstand haben, fassen sich an den Kopf.
Sorry, falscher Ansatz! Natürlich geht es auch um Inhalte!!! Es geht in der Liturgie auch um die Verkündigung
der Botschaft Christi und der Lehre der Kirche, auch um die Belehrung der Gläubigen in der Predigt. Keine
Frage!! Sie sehen allerdings Gegensätze, wo keine bestehen. Was ist aber dagegen einzuwenden, wenn der
Diakon, begleitet von zwei Akolythen, das Evangelium singt. Das Wahre, Gute und Schöne gehören doch
wohl zusammen. Die Liturgie hat nach katholischer wie auch orthodoxer Sichtweise nicht nur einen bloß
belehrenden, sondern auch einen eminent latreutischen Charakter, d.h. einen die Anbetung und Verherrlichung
Gottes betreffenden Aspekt. Man kann Form und Inhalt doch nicht einfach voneinander trennen. Wenn es um
das Heilige geht, ist eine besondere Sorgfalt vonnöten, übrigens nicht nur in der Gewandung. Es geht
genauso z. B. um die Art der Gebetssprache. Schauen Sie sich einmal an, mit welcher Sorgfalt die Orationen
der alten römischen Sakramentare formuliert sind. Es geht in all diesen Dingen doch nicht um bloße Äußerlichkeiten,
sondern all diese „äußerlich“ erscheinenden Dinge verweisen auf die andere, transzendente, göttliche
Wirklichkeit. Sie erheben die Seele des Menschen hinauf zu Gott, sie öffnen das Herz hin auf eine transzendente
Wirklichkeit. Wieviel Mühe wird auf einen Staatsbesuch verwendet, wie lange vorher wird das Protokoll
durchgegangen, das Zerimoniell geübt. Um wieviel mehr muß man dann an Sorgfalt walten lassen, wenn es
es um die himmlische Majestät geht.
Lieber Teleologe Ich meinte Gotthard, Ihr Posting habe ich erst gelesen, nachdem ich meines bereits abgeschickt
hatte. Ich sehe jedoch, dass Sie mit der großen Liturgie der römischen Kirche, ihren Gesängen und „äußeren“
Formen auch nicht wirklich etwas anfangen können. Es sind zwei unterschiedliche Verständnisse von Liturgie,
die wir beide da vertreten. Ich denke, Sie vertreten eher ein reformiert-protestantisches, während ich
ein „hochkirchliches“ Verständnis bevorzuge, um auf diesen Terminus zurückzugreifen. Es sind zwei unterschiedliche
Konzeptionen, die sich im Grunde kontradiktorisch gegenüberstehen. Wobei ich durchaus Respekt vor Ihrer
Richtung habe, auch wenn diese keineswegs die meine ist, sofern die reformierten oder protestantischen
Gottesdienste ihrer Tradition gemäß gefeiert werden und nicht zu billigen Eventen degeneriert sind,
ein Problem allerdings, das bekanntlich entgegen der Liturgiekonstitution des 2. Vatikanums auch in die
römische Liturgie eingedrungen ist und Gräuel an Heiliger Stätte hervorgerufen hat.
Babylon. Blueberry Die „Echnaton“ Hypothese müssen Sie beide aber schon besser belegen. Freud und ein
ägyptischer Schriftsteller sind da wohl keine guten Adressen. Man sollte den Monotheismus des Echnaton
auch in seiner Wirkung nicht überschätzen. Es war eine relativ kurze Phase der ägyptischen Religionsgeschichte
(1365-1346). Finden sich Züge des Aton-Monotheismus im AT? Schauen Sie mal in die Quellen, die wir über
die Reformen Echnatons besitzen. Gibt es Gemeinsamkeiten? So müsste man wohl vorgehen.
Ganz so einfach ist es nicht Klar, in der sog. „dritten“ Welt sind die Verhältnisse schwieriger, wie
die ja etwa auch die Theologenausbildung in manchen Gegenden ungenügend ist. Aber ich kenne auch afrikanische
Priester, die aus dem Stand den „tonus sollemnior“ der lat. Präfation singen können – und die lat. Liturgie
sehr schätzen. Gut, Ihnen bedeuten solche Dinge nichts, wie ich aus anderen Postings weiß. In Deutschland
gibt es für liturgische Verfallserscheinungen meist keine Entschuldigungen. Natürlich kann man nicht
jede Messe mit Choral und Vokalpolyphonie feiern, keine Frage. Und doch muss man sich bemühen, auch einfachste
Werktagmessen in würdiger und sakraler Weise zu feiern. Warum sollte ein Priester ohne Not in „Unterwäsche“
(Mantelalbe und Stola) zelebrieren, wenn die Kaseln im Schrank hängen. Dafür gibt es keinen Grund, und
den liturgischen Vorschriften entspricht dies auch nicht. Im 2. Weltkrieg wurden Feldmessen in einfachsten
Verhältnissen gefeiert. In Notsituationen geht es nicht anders. Und dennoch glaube ich, dass die Priester
genauso würdig zelebriert haben wie in einer Kirche, indem sie die vorgeschriebene Liturgie der Kirche
gefeiert haben, ohne eine eigene Liturgie zu erfinden, wie dies heute bisweilen gemacht wird. Und das
ist entscheidend. Warum aber sollte man ohne Not auf Paramente verzichten? Dafür gibt es keinen Grund!!!!
Das ist der (Un)Geist der „kirchlichen 68er“, den es zu überwinden gilt.
Lieber Gotthard Ja, das kann man nicht verallgemeinern. Das stimmt schon. Meine Abneigung dagegen liegt
in meiner liturgie-theologischen Konzeption begründet… Ich bewundere neben der würdig zelebrierten
römischen auch sehr die ostkirchliche Liturgie und denke, dass das Schöne, Wahre und Gute zusammengehören.
Ich sehe Liturgie als eine der höchsten, vielleicht die höchste Kunstform des Menschen, da sie dem überseienden,
dem transzendenten und dem jedes menschliche Denken übersteigenden Gott gleichsam dargebracht wird, übrigens
nicht nur in der Paramentik, sondern auch in der Kirchenmusik, sakralen Architektur etc. Wenn ich in der
Kirche etwa eine Band erleben muss, die Rockmusik spielt, tut mir das persönlich sehr weh…
Paramente Schön sind die Paramente im Bild sicherlich nicht, keine Frage. Aber da die südamerikanische
Kirche sehr arm ist, hat man wahrscheinlich leider keine andere Möglichkeit. Peinlich ist so etwas aber
etwa in Deutschland, weil hier schöne und edle Paramente häufig in Schränken versteckt werden, aus
ideologischen Gründen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass häufig klerikale Ignoranz im Hintergrund
steht. Im übrigen werden in der Anglikanischen Kirche teilweise sehr schöne und edle Paramente verwendet.
Dass Jesus sich dagegen wenden würde, glaube ich kaum, da die Paramente keiner Zuschaustellung von Prunk
dienen, sondern der Verherrlichung der göttlichen Majestät dienen und die himmlische Herrlichkeit unvollkommen
abbilden sollen. Und ein Kleriker, der im Gottesdienst eine Mantelalbe mit Batikstola und außerhalb der
Liturgie einen feinen und teuren Anzug trägt oder einen teuren Wagen fährt, ist ja auch nicht wirklich
glaubwürdig, oder…
Hallo Babylon, Übrigens: Erst in der babylonischen Gefangenschaft übernahm das Judentum von der Zarathustrareligion
(heute: Parsismus) die Jenseitsvorstellung. Wie sollte das Judentum während der babylonischen Gefangenschaft
mit der persischen Religion in Kontakt gekommen sein? Die Babylonische Religion – das müssen Sie besser
wissen – war polytheistisch aufgebaut; es wurden Gottheiten wie Marduk (Stadtgott) u.a. verehrt. In Kontakt
mit den Persern ist man dann doch wohl frühestens erst nach der Eroberung Babylons 539 v. Chr. durch
Kyros d. Gr. gekommen, zumal nach der Rückführung aus der Gefangenschaft Jerusalem zum persischen Großreich
gehörte. In dieser Zeit – also nachexilisch – dürfte es in der Tat zu iranischen Beeinflussungen gekommen
sein, zumal wenn man auch an die Apokalyptik denkt. Wenn Sie aber andere Quellen bzw. Zusammenhänge kennen,
würde mich das sehr interessieren. Auch schon vor der Exilszeit kennt das Judentum die Vorstellung der
Sche’ol (Unterwelt), wohin der nichtkörperliche Teil des Individuums hinabsteigt, eine Vorstellung, die
dem griechischen Hades nicht unähnlich ist, so dass es sich nicht um eine lichte Jenseitsvorstellung
handelte. In späterer Zeit gibt es neben den iranischen Einflüssen auch griechische, etwa in der Weisheitsliteratur.
Timotheusbrief Im Timotheusbrief dürfte es in der Tat darum gehen, dass derjenige nicht episkopos werden
kann, der nach dem Tod seiner (ersten) Frau ein zweites Mal geheiratet hat. Eine „Simultanbigamie“ dürfte
nicht wohl nicht gemeint sein. Diese Regelung findet sich auch in späterer Zeit in den kirchlichen Rechtsbestimmungen.
Einen Ehelosigkeitszölibat kann man dieser Stelle sicherlich nicht entnehmen. Ob die Eheleute, nachdem
der Mann episkopos geworden ist, enthaltsam lebten, geht aus dieser Stelle ebenfalls nicht hervor. Man
könnte höchstens vermuten, dass wenn Paulus den Eheleuten empfliehlt, sich für Gebetszeiten voneinander
zu enthalten (1 Kor 7, 5), könnte es ähnliche Modelle für Kleriker schon vor dem frühen 4. Jahrhundert
gegeben haben. Schon bei Paulus dürfte die Tendenz der Bevorzugung der Enthaltsamkeit vorhanden sein,
während die Sexualität mehr als Zugeständnis an die menschliche Schwäche gesehen wird. Übermächtig
werden solche Vorstellungen allerdings erst, als die Askese immer mehr zum Leitideal christlichen Lebens
wird. Askese und Enthaltsamkeitsforderungen dürfte es im Christentum immer schon gegeben haben, allerdings
erst ab dem 3. Jahrhundert werden sie zum alles beherrschenden Leitideal.
Garstiger Graben Ein großes Problem in den Köpfen vieler ist der „garstige Graben“ zwischen vorkonziliarer
und nachkonziliarer Kirche, was genauso für die Liturgie gilt. Als ob die Väter des 2. Vatikanum im
Sinn gehabt hätten, eine völlig neue Liturgie zu „erschaffen“. Diese ist dann oftmals in den Köpfen
so mancher Theologen erschaffen worden, ganz ähnlich wie auch bei den „Jugendliturgien“. Auf Sacrosanctum
Concilium kann man sich hierbei sicherlich nicht berufen. Wenn so mancher Konzilsväter eine solche „Jugendliturgie“
erleben könnte, wo würde er wohl meinen, gelandet zu sein. Sicherlich nicht in einer römischen Messe…
Zum anderen muss man sich klarmachen, dass man Sacrosanctum Concilium nur im Licht der Tradition der Kirche
verstehen kann. Vorhergehende liturgische Dokumente sind durch Sacrosanctum Concilium in ihrem Wesen keineswegs
überholt.
Vollkommen richtig!!!!! Lieber Athanasius1957, ich sehe das genauso. Hier ist in der nachkonziliaren Zeit
viel verlorengegangen bzw. wurde aus falschen Prämissen heraus „kaputt“ gemacht. Volkssprache und Kultsprache
schließen sich eben nicht aus; ein Monopol der Volkssprache ist gegen „Sacrosanctum Concilium“. In jeder
Stadt sollte man Sonntags ohne Probleme oder weite Anreisen wenigstens eine lateinische Messe mit Choralgesang
besuchen können. Gerade auch für ausländische Besucher wäre das ein „Stück Heimat“. Das bedeutet
ja nicht, dass andere Messen nicht in der Volkssprache gefeiert werden. Hier gilt es wieder viel zu entdecken:
„Ecclesia semper reformanda“. Die Exkommunikation des Lateinischen in den Köpfen so mancher sich „zeitgemäßer“
Kleriker muss aufhören. Aber eine jüngere Generation von Priestern denkt in der Frage des Lat. schon
wieder anders als die „Konzilsgeneration“. Ich sprach kürzlich mit einem in der Priesterausbildung Tätigen,
und er sagte mir, dass bei den jungen Studenten großes Interesse an der lat. Liturgie herrscht. Ich denke,
hier bleibt die Hoffnung für Neuaufbrüche. Die lat. Liturgie ist ein zu hohes Gut, auch in kultureller
Hinsicht, als dass es dem Vergessen anheim gegeben werden darf.
Sorry, lieber Semiotico aber die Wurzeln des Zölibats liegen eindeutig in der Antike und nicht im MA.
Wir müssten uns mal über den Beginn des MA unterhalten, lieber Semiotico. Klar, Epochengrenzen sind
nicht statisch, ihre Datierung ist mir entschieden zu früh . Es liegt sicherlich in der Zeit der Alten
Kirche ein anderes Menschenbild zu Grunde im Vergleich zu dem, was heute in vielen Teilen der Bevölkerung
vorherrscht. Das Ideal ist ein Mensch, der alle seine Triebe völlig unter Kontrolle hat, eine Konzeption,
die auch der zeitgenössischen Philosophie zu Grunde liegt, etwa Stoa oder Neuplatonismus. Askese ist
ab dem 3. Jahrhundert immer mehr zum Leitideal christlichen Lebens geworden, auch über den Kreis der
Wüstenmönche hinaus Die Ehelosigkeit des Klerikers muß man sicherlich auch als Ganzhingabe an Gott
verstehen, die nicht leicht ist, keine Frage, gerade auch in der heutigen Zeit, die die Sexualität oftmals
verherrlicht. Zum anderen können die ehelosen Kleriker der lat. Kirche dennoch in unserer Zeit ein Zeichen
sein, dass der Mensch im letzten auf Gott verwiesen ist, und nicht in dieser Welt aufgeht.
Was heißt eigentlich Zölibat?? In der Alten Kirche war die Ehelosigkeit keine Voraussetzung für den
Empfang der Hl. Weihen, also kein Weihehindernis. Bevor nun einige sagen: „Das habe ich doch immer schon
gewußt“, muß man sich folgendes klarmachen: Ab der Diakonats- etwas später ab der Subdiakonatsweihe,
wurde von den verheirateten Klerikern und ihren Ehefrauen strengste Enthaltsamkeit gefordert. Unter Androhung
des Ausschlusses aus dem Klerikerstand verbieten viele Kanones ab dem 4. Jahrhundert, dass ein Angehöriger
des Ordo maior (Bischof, Presbyter, Diakon) Kinder zeugt. Vgl. z. B. Konzil von Elvira can. 33 u.a. Der
Grund ist in allererster Linie die kultische Reinheit. Wer das Heilige berührt, muss rein sein. Natürlich
gab es auch schon in dieser Zeit ehelose Kleriker, wie etwa Augustinus oder Ambrosius. Nach dem Empfang
der höheren Weihen ist die Eheschließung eines Klerikers verboten. Man muss also unterscheiden zwischen
„Enthaltsamkeitszölibat“ und „Ehelosigkeitszölibat“, obwohl diese Terminologie wenig glücklich ist,
da „caelebs“ eigentlich „ehelos“ bedeutet.
Lieber Semiotico Da Sie studierter Theologe sind, sollten Sie doch gelernt haben, etwas differenzierter
zu denken. Ebenso wenig, wie man die „nachkonziliare“ Liturgie in Bausch und Bogen verdammen kann, sollte
man dies mit der „vorkonziliaren“ tun. Sie legen in ihrem Posting zumindest implizit das gleiche „Schwarz-Weiß-Denken“
an den Tag, was die von Ihnen kritisierten „Tradis“ häufiger bemühen. „Komplette Abwesenheit“ u. a.
sind m. E. falsche Vorstellungen. Ich denke, die meisten Gläubigen wußten auch damals recht genau, worum
es in der Hl. Messe geht, weil ganz einfach die Katechese insgesamt intensiver war, sei es der schulische
Religionsunterricht, seien es Kommunion- und Firmvorbereitung. Natürlich gibt es auch heute Ausnahmen,
aber häufig ist die heutige Katechese doch recht dünn. Außerdem gab es den Schott bzw. diözesane Gesangbücher,
in denen die wichtigsten bzw. alle liturgischen Texte in deutscher Übersetzung vorhanden waren. Ganz
so unzugänglich war bzw. ist die „alte“ Liturgie also auch nicht. Und mal ehrlich, würden Sie von sich
sagen, dass Sie das Geheimnis der Eucharistie „begreifen“ oder „verstehen“ würden, auch wenn Sie in der
Volkssprache gefeiert wird??
Schreckliche Strafe Lieber Semiotico, eine lebenslange Verpflichtung zur Zelebration der „fff-Messen“
dürfte in der Tat eine zu harte Strafe sein. Ich denke, dass würden ja noch nicht mal die schärfsten
Gegner der Liturgiereform dem guten Annibale Bugnini wünschen. Im Vergleich zur lebenslangen Zelebration
solcher Liturgien wäre Deposition und Exkommunikation eines Klerikers ja noch als „laxistisch“ einzustufen
.
Lieber Semiotico, genau das liebe ich in der Tat sehr, die prächtigen Gewänder, der Weihrauch, die Kirchenmusik
etc. Umgekehrt stoßen mich etwa graue Mantelalben mit Batikstola – um ein Beispiel zu nennen – oder
Discomusik im sakralen Raum ab. Ich empfinde dies als banal und alltäglich. Ich interpretiere diese Dinge
eben nicht als Äußerlichkeiten, sondern als Verweise, als unvollkommene Abbilder der transzendenten
Schönheit Gottes. Ich gebe zu, dass ich durchaus einem christlichen verstandenen Platonismus und dessen
Ästhetik nicht abgeneigt bin. Ich denke, Sie können zumindest verstehen, warum ich persönlich unter
diesen Prämissen etwa „Discomessen“ als Katastrophe empfinde, weil Sie letztlich einer völlig anderen
theologisch-philosophischen Prämisse folgen, die ich ablehne und die mir fremd ist, die sich darüber
hinaus so bestimmt nicht in der Tradition der Kirche findet. Es geht also nicht um bloße Äußerlichkeiten,
sondern um eine theologisch-liturgische Gesamtkonzeption. Ich denke, auch wenn ich etwa bei einer armenischen
Liturgie nicht ein Wort verstehen würde, ich wäre tief ergriffen von dieser Liturgie, so fremd sie mir
auch wäre, weil im Zentrum dieser Liturgie die Verherrlichung und Anbetung des Göttlichen steht.
Lieber Semiotico, schön, dass wir beide etwas weniger agressiv diskutieren können. In der Tat plädiere
ich für eine stärkere Verwendung des Lateinischen in der Liturgie, allerdings dahingehend, dass an größeren
Kirchen, in denen mehrere Messen gefeiert werden, eine in lat. Sprache gefeiert wird, mit Choral und/oder
klassischer Vokalpolyphonie. Die übrigen Messen würden schon noch in der Volkssprache gefeiert. Für
mich persönlich ist die Heiligkeit der Liturgie entscheidend, eine Liturgie, in der die Majestät und
Transzendenz Gottes betont wird. Mit dem Heiligen verbinde ich gleichzeitig auch das Zeitlose und Zeitenthobene,
das Unveränderliche und Ewige, das Archaische und Mystische. Somit ist es z. B. für mich in meinem Glauben
faszinierend zu wissen, dass dieser oder jener Text etwa von Leo d. Gr. oder einem anderen großen Mann
der Kirche verfasst ist und über Jahrhunderte gebetet worden ist. Das Latein verkörpert für mich neben
der Tatsache, dass es die Sprache der großen und würdigen Kirchenmusik ist, den Aspekt des Archaischen
und Zeitenthobenen, das kostbare Gewand, in das die Hl. Mysterien gekleidet sind, wobei das liturgische
Latein äußerst komplex ist (vor allem die Orationen) sind, so dass auch ein klassischer Philologe nicht
immer alles vom bloßen Hören unmittelbar versteht. Aber darauf kommt es mir nicht so an. Das bedeutet
nicht, dass in der Liturgie vornehmlich in der Predigt und den Fürbitten „Zeitgemäßes“ zur Sprache
kommt, keine Frage.
So unterschiedlich… … sind die Meinungen, lieber Semiotico. Genau dass müsste Ihnen doch gut gefallen.
Sie haben gestern noch für Pluralität in der Kirche plädiert. Und dazu gehört auch die lat. Messe!
Sie müssen Sie ja nicht besuchen und können in eine deutsche Messe gehen, ebensowenig wie ich z. B.
irgendwelche „Hippiegottesdienste“ (sorry, ein bißchen Polemik darf schon mal sein) besuchen werde. Was
mich interessieren würde: Sie haben durchaus einige kirchengeschichtliche Basiskenntnisse. Haben Sie
diese autodidaktisch erworben? Mal was anderes. Ein kleiner Tip für Sie: Es gibt ein Forum, das für
Sie auch interessant sein könnte. Es handelt sich um Partenia www.partenia.org/phorum/. Zugegeben, die
Leutchen, die da schreiben, sind allesamt etwas skuril, aber ich denke, Sie könnten dort vielleicht (theologische)
Gleichgesinnte finden. Gut, Sie werden dort immer noch recht konservativ erscheinen, aber es könnte für
Sie ganz interessant werden. Schauen Sie mal rein)
Werter Semiotico Ich denke, ich bin nicht der einzige, der diese Meinung vertritt, und könnte auch nicht
wenige Belege des kirchlichen Lehramtes beibringen, die die Erhabenheit der lat. Sprache preisen. Für
eine Abschaffung der Volkssprachen in der Liturgie würde ich deswegen keineswegs plädieren, sondern
nur dafür, dass die lat. Sprache in der Liturgie wieder stärker gepflegt wird. Eine Kirche, in der sogar
Gottesdienste im Discosound gefeiert werden können, in der aber die alterebte lat.-liturgische Tradition
in ihren Hymnen und Gesängen nicht entsprechend geachtet wird, wird unglaubwürdig – übrigens auch in
den Augen derer, die nicht katholisch oder sogar Agnostiker sind, wie ich in mehreren Gesprächen erfahren
habe. Kult und (echte) Kultur gehören zusammen. Keineswegs würde ich ein Monopol der lat. Liturgiesprache
erheben wollen; in der Praxis gibt es allerdings an vielen Orten ein als ideologisch zu bezeichendes Monopol
der Volkssprache. Und genau das halte ich für grundweg falsch. Sowohl die Volkssprache als auch die lateinische
Sakralsprache haben ihr Recht in der (römischen) Liturgie!!
Irrtum, werter Semiotico Der wohl früheste Beleg einer lat. Bibelübersetzung liegt in der Passio Sanctorum
Scilitanorum, übrigens dem frühesten erhaltenen christlichen Zeugnis in lat. Sprache, vor. Sie stammt
aus dem Jahr 180 n. Chr. und setzt bereits eine lat. Bibelübersetzung voraus!! Nochmals: Die große Bedeutung
der lat. Sprache hängt keineswegs von einer urgemeindlichen Legitimation ab! Das wäre völliger Unsinn!
Was die lat. Liturgie eingeht, sehe ich dies anders als Sie. Wohlgemerkt, ich bin nicht gegen die Verwendung
der Volkssprache in der römischen Liturgie. Aber die faktische, nicht rechtliche „Exkommunikation“ der
lat. Sprache in vielen Kirchen halte ich für völlig falsch und erachte Sie als Missachtung von § 36
der Liturgiekonstitution. Natürlich sollten die liturgischen Texte in Übersetzung der Gemeinde vorliegen.
Zur lateinischen Liturgie gehört doch gerade der herrliche gregorianische Choral, die Rezitationstöne
der Orationen und Präfationen, Ordinariumsvertonungen von Palestrina und Mozart etc. Es handelt sich
um eine hohe und würdige Kunstform, die in ihrer Schönheit und Erhabenheit, im Wohlklang ihrer Gesänge
und Hymnen gleichsam ein Erahnen göttlicher Schönheit und seiner transzendenten Herrlichkeit ermöglicht.
Die Kirche braucht gerade in der heutigen Zeit beides: die würdige (!) Feier der Liturgie in der Volkssprache
und in der erhabenen lat. Kultsprache. Ich kenne nicht wenige gerade junge Menschen, die fasziniert sind
von der Schönheit und Erhabenheit der lat. Liturgie.
Lieber Semiotico Jesus Christus hat aramäisch gesprochen, spätestens bei der Jerusalemer Urgemeinde
kommt noch das Griechische hinzu. Keine Frage. Durch die Ausbreitung des Christentums im Westen (nicht
nur Rom) ist jedoch relativ bald – nicht erst nach 300 Jahren (die Bibelübersetzungen sind deutlich früher) –
das Lateinische hinzugekommen. Leider fehlen hier die Quellen, die uns diesen Prozess minutiös dokumentieren.
Die Bedeutung der lateinischen Sprache ist jedoch völlig unabhängig von der Frage, ob sie eine „urkirchliche“
Legitimation hat. Diese benötigt sie gar nicht. Es ist die Sprache Cyprians, Augustinus, Thomas v. Aquin,
Bellarmin etc., es ist die Sprache der westlichen Synoden und Liturgien, es ist die Sprache der römischen
Bischöfe. Durch diesen jahrhundertelangen Gebrauch ist sie gleichsam in besonderer Weise geheiligt, wie
auch das Hebräische (als Sprache des AT) und Griechische (als Sprache des NT und der östlichen Theologie),
meinetwegen auch das Armenische, Aramäische, Kirchenslawische etc. etc. Jeder, der sich mit (westlicher)
Kirchengeschichte und der großen Tradition ernsthaft beschäftigen will, muss Latein können. Lesen Sie
meine Überlegungen hierzu: Ist Latein die Sprache der Kirche? www.kreuz.net/book-page.57.html
Warum sind Sie so arrogant, lieber Semiotico?? Nun, ich bin nicht angeblich, sondern tatsächlich Theologe
und Philologe. Aber darum geht es hier nicht! Sie sollten höflich bleiben… Wenn man genau sein will,
muss man sagen: In der stadtrömischen Liturgie besitzt die griechische Liturgiesprache in den ersten
drei Jahrhunderten eine große Bedeutung; eine Alleinherrschaft ist aber zumindest fraglich, wenn Sie
etwa an die sehr frühen lat. Bibelübersetzungen denken, die vermutlich auch in der Liturgie vorgetragen
worden sind. Vgl. Eisenhofer, Handbuch der Liturgik 1, 152f: „Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass
schon früh in den Titelkirchen Roms beim Gottesdienst nur die lat. Sprache gebraucht wurde“. Aufgrund
mangelnder Quellen wird man über Vermutungen leider nicht hinauskommen. Ähnliches gilt für die afrikanische,
gallische etc. Liturgie. Vgl. ebd.: „Dass in Nordafrika und Spanien, auch in Gallien und in der altbritischen
Kirche von Anfang an das Lateinische Kultsprache war, wird sich kaum bezweifeln lassen“. Immerhin gibt
es schon bei Cyprian v. Karthago (3. Jh.) die lat. Einsetzungsworte (Vgl. de Domin. orat. c. 31) und sonstige
Anklänge an liturgische Texte. Im übrigen bin ich auch ein großer Freund des Griechischen. Auch das
Griechische hat eine große Bedeutung für die Westkirche, aber das Latein eine noch höhere.
Werter Semiotico, soviel Ahnungslosigkeit ist kaum zu ertragen. Aber lassen Sie sich von einem Theologen
und Klassischen Philologen mal die Sachverhalte ein wenig erklären. Sorry, aber eine Umstellung der liturgischen
Bücher im Mittelalter von Griechisch auf Latein ist historisch völliger Humbug und zeugt von totaler
Ahnungslosigkeit. In der Tat ist die ursprüngliche liturgische Sprache der römischen Kirche das Griechische.
Ob dies auch für die übrigen Regionen des Westens gilt, wie etwa Afrika, Gallien und Spanien, ist in
Ermangelung von Quellen schwer zu sagen. Wahrscheinlich sind aber auch in Rom schon recht früh lat. Elemente
aufgenommen werden, wie etwa die Schriftlesungen (Denken Sie an die Vetus Latina!!). Die endgültige Umstellung
erfolgte wohl Mitte des 4. Jahrhunderts unter Papst Damasus, da wir ab hier die ersten Zeugnisse für
den lat. Canon missae besitzen. Von Problemen hierbei erfahren wir allerdings nichts, da wir ohnehin nur
wenige Quellen darüber besitzen, erst recht keine „Messbücher“. Diese, d.h. die Ordines Romani und die
frühen Sakramentare, sind durchgängig in Latein, wie übrigens sämtliche mittelalterlichen „Messbücher“,
Pontifikalia etc., sieht man vom „Kyrie“ und den Improperien des Karfreitags ab, wo es griechische Elemente
gibt. Im übrigen ist Latein sehr wohldie Sprache der westlichen Kirche, wie dies das Griechische, Armenische,
Aramäische, Koptische, Georgische etc. etc. für die orthodoxen bzw. orientalischen Kirchen gilt. Das
erkläre ich Ihnen dann beim nächsten Mal!!
Sehr geehrter Semiotic Wenn Sie ein wenig mehr Kirchengeschichte betrieben hätten, könnten Sie wahrscheinlich
mit meinem Pseudonym etwas mehr anfangen und müssten dieses nicht so despektierlich zitieren. Das ist
ein ziemlich „proletenhaftes“ Verhalten, womit Sie in diesem Forum leider wirklich nicht alleine stehen.
Aber darum geht es hier nicht. Ich bin von Hause aus Kirchenhistoriker (Spezialgebiet Alte Kirche) und
habe mich auch mit Reformationsgeschichte beschäftigt. Sicherlich gab es in der kath. Kirche des Spätmittelalters
Mißstände. Keine Frage. Eine kath. Reform, wie sie dann vom Trienter Konzil angestoßen worden ist,
war sicherlich nötig. Jedoch hat Luther sich spätestens formell von der kath. Kirche getrennt und losgesagt,
als er am 10. Dez. 1520 vor dem Elstertor zu Wittenberg die Bannandrohungsbulle mitsamt den kirchlichen
Rechtsbüchern verbrannt hat. Auch Reformatoren wie Calvin und Zwingli haben etwa in ihren Publikationen
offen mit der kath. Kirche gebrochen. Das ist ein historisches Faktum. Wie sieht es denn in England aus?
Somit sind die kirchlichen Gemeinschaften der Reformation Abspaltungen von der kath. Kirche, sowohl in
doktrinärer als auch disziplinärer Hinsicht. Nicht mehr oder weniger habe ich behauptet. Im übrigen
wäre es sehr schön, wenn Sie ihren oftmals agressiven und leider auch arroganten Tonfall etwas zurücknehmen
könnten. P.S.: Studieren Sie doch auch einmal die unterschiedlichen Eucharistielehren.
Kirchliche Gemeinschaften versus Schwesterkirchen Werter Semiotico, Sie schrieben: Andere als „kirchl.
Gem.“ zu deklarieren, sich selbst aber als einzige „Kirche“ zu nennen, das zeugt von so einer Argumentlosigkeit…
Ich kann Ihre Probleme leider nicht nachzuvollziehen. Es liegt doch auf der Hand, dass die verschiedenen
protestantischen Denominationen bloße Abspaltungen der kath. Kirche sind, die sich von ihr formell getrennt
und die Lehre und Disziplin der Kirche zu einem guten Teil verworfen haben. Anders verhält es sich mit
den Ostkirchen, die zwar von Rom jurisdiktionell getrennt sind, aber dennoch in den wesentlichen Fragen
des Glaubens und der Disziplin die altkirchliche Tradition bewahrt haben. Somit können diese als „Schwesterkirchen“
bezeichnet werden, jene als „kirchliche Gemeinschaften“. Eine in sich stimmige und angemessene Terminologie.
Natürlich muss man sich um einen von Nächstenliebe geprägten Dialog mit den Protestanten mühen, aber
die Unterschiede darf man nicht leichtfertig übergehen, sondern sie müssen beim Namen genannt werden.
Darüber hinaus steht es doch jedem frei, der die Lehre der kath. Kirche ablehnt und sich zum Protestantismus
hingezogen fühlt, sich einer protestantischen Denomination anzuschließen.
Kirchenhetze!! Was soll an diesen Worten des Hl. Vaters problematisch sein? Ich würde es genau so sehen.
Bei weitem nicht alle Deutschen waren Nationalsozialisten und an den widerlichen und abscheulichen Verbrechen
beteiligt, ebensowenig wie alle Deutschen in der DDR Kommunisten waren und an den dort begangenen Verbrechen
schuldig waren, ebensowenig wie alle Amerikaner die Atombombenabwürfe zu verantworten haben etc. etc.
Papst Benedikt hat ja den schrecklichen Massenmord in keinster Weise verharmlost. Im Gegenteil. Ich denke
schon, dass antikirchliche Kreise minutiös nach Aussagen suchen, um endlich wieder einmal ihre Stimme
gegen die Kirche erheben zu können. Die Feinde der Kirche ruhen eben nicht.
Brokatene Gewänder Liturgische Gewänder gehören nicht unmittelbar zum depositum fidei. Dennoch schätze
ich diese sehr, auch und gerade die „brokatenen“. Warum? Weil sie ein wenig von der transzendenten Schönheit
des Göttlichen erahnen lassen, wie auch der wohl duftende Weihrauch, die herrliche Kirchenarchitktur,
der Kirchenschmuck, die sakrale Musik. All diese Dinge verweisen uns auf das göttliche Sein. In ihnen
spiegelt sich die Ehrfurcht des Menschen vor dem mysterium und der unsagbaren Größe Gottes wider. Das
heißt nicht, dass es nicht auch neue Kultgewänder geben soll. Aber in der Praxis wirken diese häufig –
nicht immer – nichtssagend, abstrakt und langweilig. Ich denke, dass wird jeder bestätigen können, wenn
er etwa die kartoffelsackartigen Mantelalben oder die langen weißen nachthemdenartigen „Kasel“ mit gebatikter
Überstola betrachtet. Da wird auf jede Kunst, auf jede Sorgfalt verzichtet.
Spaßgesellschaft Die heutige Spaß- und Wellnessgesellschaft ist dem Bericht zufolge bereits in die Osterliturgie
überführt worden. Kleines Detail am Rande die Sonne mit Wölkchen auf der „Stola“ des Zelebranten. Infantilisierung
und Banalisierung an heiligem Ort!!! Das ist keine Liturgie, die aus der Tiefe der Zeiten kommt, das ist
„Viva“ in einem Sakralraum. Dort ist kein mysterium tremendum mehr zu finden, das den Menschen ergreift
und fesselt. Es ist ein Event mit religiösem Hintergrund. Mit der Liturgie der Kirche, wie sie in den
liturgischen Büchern vorgesehen ist, hat das alles vermutlich wenig bis gar nichts mehr zu tun, zumindest
stellenweise. Es wäre interessant, den detaillierten Ablauf dieses Events einmal einzusehen. Wurde das
Exsultet gesungen?? Wäre das in dieser Viva-Atmosphäre nicht sogar ein Fremdkörper gewesen. Fragen
über Fragen…
Danke! @Romulus Danke für die netten Worte. Ich finde es wichtig, die Dinge möglichst unpolemisch darzulegen,
auch wenn man eine gewisse Polemik manchmal leider nicht vermeiden kann. Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag:
Zum Thema „Kirchenmusik (und Popmusik)“ hatte ich mal in der Leserzeitung einen kleinen Artikel verfasst:Über
das Wesen katholischer Kirchenmusik www.kreuz.net/book.1-page.12.html. Wenn Sie etwas mehr Zeit haben
und den Artikel noch nicht kennen, können Sie etwas sehr viel gehaltvolleres und fundierteres darüber
lesen, bei dem Autor auch kein Wunder, denn es handelt sich um Papst Benedikt persönlich: Liturgie und
Kirchenmusik www.sinfonia-sacra.com/ unter Artikel. @Hrodgar Sie sind ein Vertreter der alten germanischen
Religion, wie ich ihrem Posting entnehme? Wie gelangt man denn zum Glauben an die alten Götter? Auch
wenn wir im Glauben getrennt sind, zeigen Sie, dass auch in Ihren religiösen Vorstellungen eine Unterscheidung
in Heiliges und Profanes vorgenommen wird, wie auch in vielen anderen Religionen. Um auf unsere kleine
Diskussion von neulich zurückzukommen: Auch die Germanenherrscher haben schon früh Spezifika des römischen
Kanzleiwesens übernommen und mit diesen die lat. Sprache. Meines Wissens gab es sogar einige Könige,
die als lat. Dichter hervorgetreten sind. Also auch in deren Tradition stehen die cultores linguae Latinae.
Herzliche Grüße an Euch beide, Isidorus Hispalensis.
@Romulus Mein Adressatenkreis sind schon etwas „ältere Jugendliche“, nämlich Studenten. Es ist dort
sicherlich einfacher als an der Schule, weil ein Interesse an diesen Dingen dort oft schon vorhanden ist
und durch eine Studienwahl dokumentiert wird. Wir haben z. B. sogar schon darüber gesprochen, dass wir
in unsererm Studentenkreis, an dem Altphilologen und Theologen teilnehmen, nicht gemeinsam den Trienter
Ordo Missae vergleichend mit dem Ordo von 1970 gemeinsam lesen. Das Interesse an diesen Dingen ist größer
als man zunächst gemeinhin vermutet, auch die Faszination großer und würdiger Liturgie auf junge Menschen.
Im Moment beschäftigen wir uns mit griechischer Philosophie. Auf etwas einfacherem Niveau könnte man
aber auch Schüler hierfür begeistern. Wenn man es ihnen auf eine freundliche und liebenswürdige Art
und Weise vermittelt und ihnen zeigt, dass man diese Dinge für essentiell hält und von deren Relevanz
absolut überzeugt ist, müsste man zumindest die Gutwilligen erreichen. Alle kann man ja nie erreichen
und begeistern. Wichtig ist es, sowohl den katholischen Glauben als auch die aus diesem heraus entstandene
Kultur in ihren zahlreichen Aspekten immer wieder im Religionsunterricht darzulegen. Christlicher Glaube
und eine edle, dem Wahren, Schönen, Erhabenen und Heiligen verpflichtete Kultur gehören zusammen.
Christliche und europäische Kultur Sind junge Menschen heute wirklich nur noch ansprechbar, wenn man
sich auf die Ebene der amerikanisierten Viva bzw. MTV-Kultur herabbegibt? Muss man ein niedersprachliches
Englisch heranziehen, wie es etwa hier www.jugendkirchen.org/content/view/337/ gemacht wird? Kann man
die Jugend nur noch im Stil der Spaß- und Fungeneration erreichen? Sollte die Jugend wirklich so abgestumpft
sein? Das wären keine guten Aussichten für die Kultur des Westens allgemein – nicht nur für die der
Kirche. Man muss auf der Schule wieder verstärkt jungen Leuten die Wurzeln unser abendländischen Kultur
nahebringen, den römisch-griechischen Beitrag wie auch den Christlichen. Man muss jungen Menschen die
Dome des Mittelalters und die Philosophie Platons erklären, die christlichen Glaubenslehren und die Schönheit
Bachscher Musik auslegen, Cicero und Goethe nahebringen. Sonst betrügt man die nächste Generation um
ein großes jahrtausendaltes kulturelles und geistiges Erbe. Junge Menschen müssen wieder mit ästhetischen
und geistigen Werten vertraut gemacht werden, die den veräußerlichten und scheinbar so attraktiven Schein
der Viva-Welt um ein vielfaches übersteigen. Kein einfaches Unterfangen, und doch ist es machbar, wenn
man es wirklich will.
Latein lebt… auch heute noch!!! Lieber Hrodgar, auch wenn Sie ein schönes lat. Zitat anführen, scheinen
Sie von der Geschichte der lat. Sprache keinerlei Ahnung zu haben, was ich Ihnen gar nicht vorwerfen will.
Latein als Sprache von Sklavenhaltern, Massenmördern etc. zu bezeichnen, um es dadurch abzuqualifizieren,
ist skuril. Natürlich haben auch die römischen Sklavenhändler Latein gesprochen. Mit dem gleichen Argument
sollten wir jedoch auch auf Englisch, Französisch, Spanisch etc. verzichten. Und hat sich da nicht ein
gewisser Adolf H. der deutschen Sprache für seine unseligen und gottlosen Ziele bedient? Wer heute Latein
schriebt, steht in einer großen und erhabenen Tradition mit Cicero, Horaz, Vergil, Tacitus, Augustinus,
Boethius, Thomas v. Aquin, Erasmus, Thomus Morus, Descartes, Isaac Newton, Leibniz etc., um ganz wenige
berühmte Beispiele zu nennen aus verschiedensten geistigen und auch religiösen Provenienzen zu nennen.
Und auch heute noch gibt es nicht wenige Menschen, die lateinisch schreiben und sogar dichten. Latein
ist lebendiger als Sie so glauben… @Paula, Sirilo und Hrodgar Lesen Sie doch mal meine Überlegungen
zur lat. Kirchensprache Ist Latein die Muttersprache der Kirche? www.kreuz.net/book.1-page.12.html Dann
können wir gerne weiterdiskutieren über die lat. Liturgie, wozu noch viel zu sagen ist. Viele Grüße.
Antwort Liebe Paula, die lateinische Liturgie mit ihren wunderschönen Hymnen, Orationen etc. ist in den
letzten Jahrzehnten entgegen dem ausdrücklichen Willen des Konzils an vielen Orten völlig vernachlässigt,
ja sogar bekämpft worden. Es ist wichtig, diese wieder intensiver zu pflegen, da sie zur katholischen
Identität einfach dazugehört und überdies eine der größten kulturellen Leistungen der Menschheit
darstellt. Für alle, die kein Latein können, müssen natürlich Übersetzungen ausliegen. Aber auch
schon beim bloßen Hören der gregorianischen Gesänge wird die Seele des Menschen im innersten berührt
und gleichsam in eine andere Welt, die Spähre des Göttlichen, entrückt. Im übrigen geht es doch nicht
um die totale Ersetzung der Volkssprache, sondern Latein und Volkssprache müssen gepflegt werden. Das
Problem ist doch das faktische Monopol der Volkssprache in vielen Kirchen. Du wirst wahrscheinlich noch
nie eine lat. Messe erlebt haben und hast im Religionsunterricht wahrscheinlich nie etwas über die Liturgie
der Kirche gelernt. Dafür kannst Du selbst nichts, das ist ein Problem der modernen, ach so „jugendgemäßen“
Katechese. Ich werde Dir aber bei Gelegenheit gerne auch Deine weiteren Fragen beantworten, die Du gestellt
hast. Viele Grüße.
Cappa magna Die von Herrn Dr. Otterbeck angesprochene „cappa magna“ wird allerdings auch heute noch im
nachkonziliaren Caeremoniale episcoporum von 1984 erwähnt und darf weiterhin von Diözesanbischöfen
getragen werden. Wer sich fragt, wie eine cappa magna aussieht, kann sich unter folgender Adresse ein
Paar Bilder anschauen: Dappled Fotos …appledphotos.blogspot.com/…/09/cappa-magna.html. Auf dieser
Seite sind weitere hoch interessante Beispiele für liturgische Gewandung zu finden. Ja, das ist alles
schon etwas ganz anderes als die wirklich gräßliche und stillose „(un)liturgische Kleidung“, die Pf.
Breitenbach auf dem Bild trägt.
Partenia Wer mal mit Pf. Breitenbach über seine Ansichten und sein Kirchenbild diskutieren will: Im Forum
„Partenia“ schreibt er bisweilen: Parteniaforum www.partenia.org/phorum/list.php?f=1 Viel Spaß
Danke für die Antwort! @Wiener Da ich selber nicht aus Wien komme, dachte ich, ich könne einen offenkundigen
Teilnehmer um Auskunft bitten. Natürlich gibt es Auswahlmöglichkeiten, z. B. beim Bussakt. Nach erfolgter
Auswahl ist dann aber dem Messbuch zu folgen. Meine Frage bezog sich mehr auf die liturgischen Texte wie
die drei Orationen oder das Hochgebet. Werden diese aus dem Messbuch in unveränderter Form genommen oder
werden hier nicht approbierte, frei formulierte Texte verwendet, was im übrigen ein generelles Problem
der heutigen Liturgie ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich jedoch, dass solche Praxis im besonderen bei
sog. Jugendmessen beliebt ist, was ich jedoch nicht vorschnell auf die Jugendkirche Wien beziehen möchte.
Nach CIC 1983 can. 845 §2 ist dies jedoch verboten: „Bei der Feier der Sakramente sind die von der zuständigen
Autorität gebilligten liturgischen Bücher getreu zu beachten; deshalb darf niemand dabei eigenmächtig
etwas hinzufügen, weglassen oder ändern“. Daher meine „inquisitorische“ Frage. P.S.: Der römische Kanon
wird aber sicherlich niemals verwendet, oder doch
Frage @Wiener Eine ernstgemeinte Frage: Wenn ich die Beiträge der Anhänger der Wiener Jugendkirche richtig
verstehe, wird die Hl. Messe in völliger Übereinstimmung mit der liturgischen Gesetzgebung der Kirche
vollzogen. Also richtet sich der Zelebrant streng nach der deutschen Ausgabe des römischen Messbuchs,
so dass einerseits keine „erfundenen“ Orationen und Hochgebete verwendet werden, sondern nur von Rom für
den liturgischen Gebrauch approbierte Texte, und andererseits die Texte des Messbuchs ohne Änderungen
oder Zutaten durch den Zelebranten vorgetragen werden?
Vermittlung und Erziehung @Gotthard „…die von vielen hier bevorzugten Liturgien werden andererseits
von den allermeisten Jugendlichen links und rechts liegengelassen“. So pauschal kann man das sicherlich
nicht sagen. Es sind zu einem guten Teil Angehörige der jungen Generation der 20 bis 40jährigen, die
etwa die klassische Liturgie der Kirche wiederentdeckt, manchmal sehr zum Staunen und Ärger der 68er
Generation. Vieles hängt aber an einer rechten Anleitung und Erziehung. Wenn man etwa jungen Leuten z.
B. im Musikunterricht nicht den Horizont der klassischen Musik erschließt, mit ihnen nicht mehr Cicero
und Platon, Goethe und Schiller liest, ist das eine kulturelle Verarmung ersten Ranges. Man verprellt
die Jugend und betrügt sie um ein großes Erbe. Das gleiche gilt mutatis mutandis auch für den religiösen
Bereich. Wenn man jungen Leuten nicht von Kindesbeinen erklärt, warum man sich z. B. in der Kirche anders
verhalten muss als in einer Disco, dann liegt die Schuld sicherlich nicht bei den Jugendlichen, die es
aus sich heraus gar nicht verstehen können. Der Religionsunterricht muss dies wieder vermitteln, er muss
die Grundprinzipien der katholischen Dogmatik (altersangepasst) erklären, er muss den Ablauf der Liturgie
und die dahinterstehende Symbolik veranschaulichen, die Geschichte der Kirche thematisieren etc. etc.
Doch sehr oft wird dies nicht mehr gemacht. Und ganz genau das ist das Problem, die gestörte Unterweisung
in den Basics des Katholizismus.
Verfehlte Pädagogik und Transzendenzverlust Solchen Versuchen liegt eine oftmals verfehlte Pädagogik
zugrunde, die ebenso in die katechetische Kommunion- bzw. Firmvorbereitung und den Religionsunterricht
Einzug gehalten hat (wie aber leider auch in andere Schulfächer). Das Verteilen von Figuren z. B. wirkt
doch etwas infantil. Man muss die jungen Leute zwar dort abholen, wo sie stehen, sie aber auch weiterführen
wollen, über das Vorhandene hinaus. Doch das geschieht hier wohl nicht. Flotte Musik z. B. kann man heute
überall haben, und in der Disco ist das eh alles professioneller. Warum versucht man erst gar nicht,
jungen Leuten wirklich große und authentische liturgische Kultur zu vermitteln, die gleichsam aus der
Tiefe der Jahrhunderte zu uns ins Jahr 2006 kommt. Es erfordert viel Geduld und Mühe. Aber: Die Liturgie
ist – von der Predigt abgesehen – nicht so sehr der Ort der Katechese wie vielmehr das Ziel jeder Katechese.
Auch die Viva-Generation möchte über das ohnehin schon täglich vorhandene hinausgeführt werden, hin
zur ahnungsweisen Erfahrung der alles übersteigenden Transzendenz und Schönheit des Göttlichen. Dies
braucht aber eine besondere sakrale Atmosphäre, um so die Seele gleichsam für eine andere, geistige
Wirklichkeit zu öffnen. Dass die jungen Menschen etwa von ihrem wirklich beeindruckenden und bewundernswerten
Engagement erzählen, ist gut und wichtig. Warum jedoch innerhalb der Liturgie? Hier könnte man viel
treffender einen „bunten“ katechetischen Abend veranstalten…
Ratlosigkeit Solche Phänomene sind Ausdruck kirchlicher Hilflosigkeit und Ratlosigkeit. Kirche als Anbieter
von rockigen Freizeitsevents und Skatveranstaltungen führt sich selbst ad absurdum und macht sich – auch
bei Fernstehenden – zur Lachnummer. Die Weitergabe des Glaubens ist absolut wichtig und unerlässlich,
keine Frage. Nur wird man dieser Aufgabe so sicherlich nicht gerecht. Die Krise erstreckt sich sehr häufig
auch auf Firmkatechese und Religionsunterricht. Man muss sich verstärkt um eine systematische und – selbstverständlich
dem Verständnis des Alters der Unterweisenden angepasst – quellennahe Glaubensunterweisung bemühen,
die endlich wieder Fakten und Glaubenswissen vermittelt. Wie soll man sich für etwas entscheiden, von
dem man kaum etwas gehört hat? Es ist generell ein großes Problem vieler moderner pädagogischer Strömungen
und schlägt sich auch in anderen Schulfächern nieder. Man versucht Schüler dort abzuholen, wo sie stehen,
führt sie aber nicht weiter, sondern bleibt dort zusammen mit ihnen stehen. Hier gilt es wieder, verstärkt
Leistung einzufordern und die „68-er Pädagogik“ ad acta zu legen. Ohne geht es nicht. Auch im Religionsunterricht…
Warum Latein? Das Zweite Vatikanum wollte ein Miteinander von Volks- und Kultsprache. Sicherlich ist der
Gebrauch der Volkssprache in der Liturgie angebracht, denkt man z. B. an die Lesungstexte, Fürbitten
etc. Zum Problem wird der durch die häufig völlige Verdrängung der lateinischen Kultsprache entstandene
Kulturbruch, entgegen dem ausdrücklichen Willen des Konzils. Untrennbar mit dem Gregorianischen Choral
und der klassischen Polyphonie verbunden, ist die lateinische Sakralsprache ein Konstitutivum katholisch-liturgischer
Identität, geheiligt durch jahrhundertelangen Gebrauch. Für die orthodoxe Liturgie und das Altgriechische
gilt ähnliches. Selbst darüber hinaus verwendet z. B. der Patriarch von Konstantinopel bei Enzykliken
u.a. immer noch die Katharevousa, die dem attischen Griechisch recht nahe steht und sicherlich einen erhabeneren
Charakter als das Dimotiki-Griechisch besitzt. Die (völlige) Ersetzung der Katharevousa durch die Dimotiki
in den 70er Jahren war in Griechenland sicherlich auch ein Kulturbruch mit der eigenen Tradition. Umso
schöner, dass die Orthodoxie hier auch die Funktion einer Kulturbewahrerin übernommen hat.
Mißverständnis @Diakonos Ich stimme Ihnen zu! Ich hatte die Äußerungen einiger Vorredner dahingehend
missverstanden, als sei eine solche Vesper zwar ein kultureller Genuß, aber kein Gotteslob. Und dagegen
habe ich mich gewendet. Im übrigen bin ich auch genau Ihrer Meinung, dass diese Musik primär nicht ins
Konzert, sondern in die Liturgie der Kirche gehört. Herzliche Grüße, Isidorus Hispalensis
Kult und Kultur Göttlicher Kult und (Hoch)Kultur gehören zusammen, wie das musikalische Programm der
Vesper eindrucksvoll zeigt. Die Alternative „Konzert“ oder „Liturgie“ ist hier nicht gegeben, denn gerade
in der und durch die herrliche Kirchenmusik vollzieht sich doch das Lob Gottes. Römische Liturgie (und
dies kann man auch für die alten diözesanen Eigenriten sagen) ist in ihrer Hochform gesungene Liturgie,
wie dies auch für die großen östlichen Liturgien gilt. Diese Hochform von Liturgie und ihre strukturellen
Gesetzmäßigkeiten gilt es für uns heute wiederzuentdecken. Dass die Vesper dem „alten“ Breviarium Romanum
folgt – der Hymnus müsste in der Tat dem Capitulum folgen –, ist juristisch betrachtet dem Motu proprio
„Ecclesia Dei“ gemäß auch kein Problem mehr, angesehen vielleicht von einigen Angehörigen der „Konzilsgeneration“.
Warum sollte es nicht zwei römische, in friedlicher Koexistenz existierende Riten geben, den vetus und
den novus ordo? Etwas kompliziert wäre doch einzig die Frage der unterschiedlichen Kalender. Nebenbei
bemerkt kann man natürlich auch ohne Probleme eine Vesper gemäß der nachkonziliaren „Liturgia horarum“
ähnlich feierlich mit Choral und klassischer Vokalpolyphonie gestalten. Doch wo wird dies noch gemacht?
Vorsicht mit Beleidigungen!! Werter Wiener, es liegt mir fern, dumme Lügen und Polemiken zu verbreiten,
sondern versuche, durchaus sauber und logisch zu argumentieren! Ich hatte aus dem Kopf zitiert und bin
ziemlich sicher, dies sinngemäß im Forum der entsprechenden Internetseite als Antwort eines der Verantwortlichen
auf kritische Stimmen gelesen zu haben; mittlerweile hat man diese mitsamt den Erwiderungen entfernt.
Bevor man also andere als Lügner und dummen Polemiker denunziert, sollte man sehr genau nachdenken und
die Dinge durchdenken und überprüfen, nicht nur als Christ. Man kann durchaus anderer Meinung sein,
und das sind wir beide offensichtlich in diesen Fragen. Das ist normal und darum geht es jetzt nicht.
Man sollte jedoch Anstand und Besonnenheit wahren, und das haben Sie offensichtlich nicht gekonnt. Mit
ist bewußt, dass solche einfachen Regeln in diesem Forum leider häufiger missachtet werden, was jedoch
nicht meine Art ist zu diskutieren. Also, lieber Wiener, beim nächsten Mal erst Denken und dann Schreiben.
Vielfalt, in der Tat… Das es eine große Vielfalt an Liturgien gibt, dürfte keine Frage sein; alleine
im Westen gibt bzw. gab es neben dem römischen auch noch den ambrosianischen, gallikanischen, mozarabischen,
verschiedene Eigenriten von Orden etc. Vergessen wir nicht die großen Liturgien des Ostens, der orientalischen
Kirchen etc. Jedoch ist dies eine ganz andere Sache. Die Form wird deswegen nicht sekundär, beliebig
austauschbar, sondern alle diese Riten sind gewachsen, aber doch nicht zufällig! Es gibt doch Kritierien,
wie z. B. die strikte Sakralität, die Ausrichtung auf das Heilige etc. Die Form unterstützt den Inhalt.
Welche Form ist wohl angemessen, wenn es um das erhabene Göttliche geht? Lauter Discolärm?? Bei jedem
weltlichen Staatsempfang hat man mehr Stilempfinden. Was meinen Sie wohl, was ein Vertreter der Orthodoxie
dazu sagen würde? Bestimmt wäre er total begeistert und würde seinem Bischof empfehlen, es nachzumachen…
Frage Hat man in der Erzdiözese Wien auch den Mut, all denen eine Möglichkeit zu eröffnen – auch über
die Stadt Wien hinaus –, die die Liturgie mal nicht in Englisch oder Deutsch, sondern in Latein feiern
wollen, von der Missa Tridentina nicht zu reden?
Völker hört die Signale! Könnte man eigentlich auch die „Internationale“ als Melodie nehmen, der man
einen religiösen Text unterlegt? Die Melodie ist doch recht „aufrüttelnd“! Ähnliches gilt im Grunde
für Melodien, die im 3. Reich Verwendung fanden. Was spricht dagegen? Das wäre aber mal ein schmissiges
Einzugslied! Vielleicht würde die Kirche im Osten Deutschlands aufblühen, wenn man die guten alten Melodien
der DDR-Zeit für den kirchlichen Gebrauch nutzbar macht. Auf der Internetseite der Jugendkirche war in
etwa folgendes Statement zu lesen: Uns geht es um den Inhalt, die Form ist doch austauschbar und zweitrangig.
Nun denn, verschicken wir unsere nächsten Geburtstagseinladungen mit Trauerrand und tragen zur nächsten
Abitur- oder Examensfeier Jeans, Baseballkappe und Turnschuhe! Kein Problem: Das ist doch alles bloss
äußerlich! Und beim nächsten Staatsbesuch bitte nicht dieses langweilige Blasorchester, sondern die
Nationalhymne von „Wir sind Helden“ oder Stefan Raab gesungen im Discosound mit schönen Tanzeinlagen.
Wir müssen schließlich darauf achten, dass alles voll cool und jugendgerecht ist. Keine Angst vor neuen
Dingen und bitte nicht hinterfragen, ob sie auch sinnvollsind!
Geschmack?? Schon Mozart und Haydn waren für ihre Zeit so modern wie heute Beatles, Stones oder Queen.
Vergleicht nicht Äpfel mit Birnen? Vergleichspunkt für Beatles, Stones oder Queen sind die fahrenden
Musiker, die auf Jahrmärkten zum Tanz aufspielten. Nicht mehr und nicht weniger! Und diese „alte Unterhaltungsmusik“
ist sicherlich sehr weit von der hohen Kunstmusik ihrer Zeit, für die Mozart und Haydn stehen, entfernt.
Man kann eine Händel- oder Mozartoper doch nicht mit der modernen Unterhaltungsmusik vergleichen. Da
liegen Welten zwischen – geistig wie musikalisch. Ohne verallgemeinern zu wollen, glaube ich, dass die
Popmusiker, die in der Lage sind, eine Fuge zu setzen oder eine Symphonie zu schreiben – wohlgemerkt im
Stil des 20./21. Jahrhunderts – in der Minderheit sein werden.
Wider der liturgischen Spaßgesellschaft! Ich habe überhaupt nichts gegen gemäßigt moderne Kirchenmusik
im Stile von Durufle, Langlais etc. Kriterium echter Kirchenmusik ist immer, dass sie der Anbetung und
Verherrlichung Gottes dient und dem Menschen eine ahnungweise Vorwegnahme himmlischer Herrlichkeit schenkt,
dass sie den Menschen auf die höhere, die transzendente Wirklichkeit Gottes verweist. Ich denke, dass
dies auch im Selbstverständnis keineswegs das Ziel der modernen Unterhaltungsmusik ist, wie übrigens
auch nicht der Revuemusik der 40er Jahre oder der Operettenmusik etc. etc. Dies alles hat seine Berechtigung,
jedoch ist es unsinnig, diese Form von Musik in die Liturgie zu importieren. Sicherlich braucht es neben
dem klassischen thesaurus musicae sacrae neue Formen von Kirchenmusik, doch müssen diese sich durch Sakralität
auszeichnen und nicht den schnelllebigen, auf Vergnügen zielenden Zeitgeist in den Hl. Raum eindringen
lassen. Messen mit Band und Schlagzeug sind nicht im Sinne der Liturgiekonstitution!!
Verfallserscheinungen Wer sich dafür interessiert, was Papst Benedikt von solchen Spektakeln hält, möge
auf der Seite www.sinfonia-sacra.com einmal seine großartigen Überlegungen zur Kirchenmusik lesen. Dort
finden sich auch weitere interessante (lehramtliche) Texte und Stellungnahmen zur musica sacra, die Wege
aus der gegenwärtigen Krise aufzeigen. Es wird Zeit für Reformen, um den Verfall aufzuhalten…
Schönheit des Ewigen Wenn man mit den Gläubigen spricht, so mache ich oft die Erfahrung, dass diese
sehr wohl die polyphone Kirchenmusik lieben, die große Orgelmusik aller Jahrhunderte, ebenso wie feierliche
Hochämter mit Weihrauch und auch die lateinische Kultsprache. Warum kann es nicht an großen Kirchen
wenigstens eine Messe geben, die mit Gregorianik, polyphoner Kirchenmusik und in Latein gefeiert wird?
Die Texte kann man schließlich in deutscher Übersetzung bereitstellen. Wie erhebend ist doch der lateinische
Gesang, wie z. B. die herrlichen gregorianischen Gesänge, Messkomposition von Palestrina, die Präfation
im tonus sollemnior, aber auch die prächtigen Kultgewänder, der Weihrauch und der Kirchenbau u.v.a.
Sind nicht zu allen Zeiten unzählige Menschen hierdurch im Innersten berührt worden? Sind das nicht
alles unvollkommene Vorwegnahmen im Hier und Jetzt einer himmlischen Schönheit, der transzendenten, alles
menschliche Denken übersteigenden Schönheit des Ewigen? Warum sollte man hierauf zugunsten der seichten
Banalität des Augenblicks verzichten, wie dies oft geschieht? Warum verschleudert man oft ein großes
Erbe ohne Not?
Messe als Kunstwerk Ich persönlich finde den Aspekt der Liturgie als Kunstwerk auch sehr wichtig, da
beide Bereiche untrennbar miteinander verbunden sind. Zur Verehrung und Anbetung Gottes ist das Beste
gerade gut genug. Und hier liegt sicherlich ein wichtiger Aspekt einer „Reform der Reform“. Einerseits
gehört hierzu die Pflege der großen kirchlichen Kunst der Vergangenheit, der wahrhaften musica sacra,
aber auch der Kunst des Kirchenbaus, der Paramente – warum nicht wieder die schönen römischen oder neogotischen
Kaseln, Dalmatiken etc. – u.s.w., andererseits die Entwicklung neuer Ausdrucksformen des Heiligen, die
sich jedoch am Geist der kirchlichen Tradition orientieren und nicht an der Banalität des Augenblicks,
wie dies leider z. B. in der Kirchenmusik durch die unsinnige Heranziehung von Popmusik viel zu oft versucht
wird. Vieles hat sich eingeschlichen, was mit der Liturgiekonstitution nichts zu tun hat bzw. dieser sogar
entgegensteht.
Sakralsprache @alb_fin Theodor Klauser vermutet in seiner Kleinen Abendländischen Liturgiegeschichte,
S. 45, „dass es bereits für römische Christen der Spätantike nicht immer leicht gewesen ist, den vollen
Sinn der Gebete zu erfassen, die der Pontifex bei der Liturgie in feierlichem Tonfall vortrug. Denn die
verwendeten Ausdrücke waren meist nicht alltäglich, sie waren aber außerdem sehr oft vieldeutig. Diese
Vieldeutigkeit wurde durch den Zusammenhang des jeweiligen Satzes selten beseitigt; die Knappheit und
Formelhaftigkeit der Sprache machten das Dunkel eher noch dichter“.
Lateinische Kultsprache ist kein Vulgärlatein! Gotthard schrieb: „Das unverständlich gewordene Griechisch
wurde dem Murren des Volkes Gottes nach Verständlichkeit geopfert und durch das umgangssprachliche Latein
ersetzt“. Auch wenn es nicht direkt zum Theme gehört, muss man hier doch aus Sicht des Historikers und
Philologen differenzieren. In der Tat war die liturgische Sprache der römischen Kirche zunächst das
Griechische. Der Übergang zum Lateinischen dürfte dann spätestens im 4. Jahrhundert vollzogen sein.
Jedoch sollte man keineswegs vom „umgangssprachlichen“ Latein sprechen, das würde einen völlig falschen
Eindruck erwecken. Betrachtet man nämlich die römischen Orationen oder auch den Canon Romanus, dann
stellt man fest, dass die lateinisch-christliche Kultsprache ein extrem hohes Niveau besitzt, das an die
Regeln und Gesetze der römischen Kunstprosa anknüpft, bis hinein in die Prosarhythmen am Ende von Sätzen
bzw. bei sonstigen Sinneinschnitten. Dies ist keineswegs die Sprache, die das Volk alltäglich auf dem
Markt gesprochen hat, sondern eine sprachliche Komposition ersten Ranges, die in ihrer formalen Gestaltung
in der Tradition Ciceros – wenngleich es natürlich hinsichtlich der Syntax durchaus Abweichungen gibt –
und auch der äußersten Präzision der römischen Rechtssprache steht. Hieran kann man sehen, dass im
Denken der Alten Kirche für die Hl. Riten eben nur das Beste gut genug und alles Banale und Alltägliche
aus dem Hl. Raum ferngehalten werden sollte.
Zeichen einer tiefen Identitätskrise! Kardinal Schönborn ist sicherlich ein sehr gebildeter und auch
kultivierter Mensch! Ich kann mir nicht vorstellen, dass er selbst sich mit dieser Art von völlig asakraler
Liturgie identifizieren kann. Ich vermute, dass Kardinal Schönborn sich irgendeinen Erfolg erhofft und
so gute Miene zum äußerst fragwürdigen Spiel macht. Es ist der Ausdruck einer tiefen Identitätskrise
der katholischen Kirche, die nicht mehr auf ihre großen liturgischen Traditionen vertraut, diese jungen
Menschen nicht mehr weitergibt und sich stattdessen in primitiver Weise dem Zeitgeist und Massengeschmack
anbiedert. Doch junge Leute, die ein wenig nachdenken, werden dies schnell durchschaut haben. Authentisch
und glaubwürdig ist dies alles wirklich nicht; wenn es nicht die Symptome einer sehr tiefen Krise wären,
könnte man über eine solche Realsatire, die sich Harald Schmidt nicht besser hätte ausdenken können,
lachen… Isidorus
Verfall jeglicher kirchlichen Kultur Es zeigt sich eine merkwürdige Diskrepanz. Solche Dinge sind in
einer katholischen Kirche also ohne weiteres möglich, aber die Feier der klassischen römischen Liturgie
wird durch die Indultpraxis unter Aufsicht gestellt. Was sollte wohl eher argwöhnisch beobachtet werden?
Dass die „bunten Fenster“ und die Kirchenmusik vor 500 doch vergleichbar mit solchen Events sein, ist
der größte Schwachsinn, den ich seit langem gelesen habe. Das es auch schon vor 500 Jahren Verfallserscheinungen
gab, ist keine Frage. So ermahnt das Konzil von Trient, dass das Orgelspiel nicht „lascive“ sein dürfe,
also im Stil von Gassen- und Trinkliedern. Betrachtet man die echte Kirchenmusik jener Zeit, so ist diese
denkbar weit davon entfernt. Vergleichbar wäre nur, wenn vor 500 Jahren Jahrmarktsmusikanten und fahrende
Leute in der Kirche aufgespielt hätten. Diese „Jugendliturgie“ widerspricht sämtlichen geltenden liturgierechtlichen
Bestimmungen der katholischen Kirche. Dass es so etwas zugelassen wird, dass sogar ein Kardinal dies vermutlich
gutheißt, ist ein Skandal!!
Unglaublich!!! Die blaue Hand erinnert an das „Eiskalte Händchen“ der Adams-Family, keineswegs an das
ius naturale. Furchtbar, wie man eine Kirche verschandeln kann.
Stimme aus Wien Aber gerade wenn man die Transzendenz Gottes, seine im letzten alles menschliche Denken
übersteigende Größe und Herrlichkeit betont, ist dann eine solche „Liturgie“, wie sie im Artikel beschrieben
wird, nicht notwendig völlig zu verwerfen? Wo bleibt bei solchen „Feiern“ das mysterium tremendum et
fascinosum? Durch eine weltliche Atmosphäre, wie sie oft noch durch moderne Popularmusik ganz bewußt
herbeigeführt wird, wird dem Menschen doch nicht die Erfahrung des unsagbar Heiligen ermöglicht, sondern
er bleibt gleichsam in dieser Welt. So etwas wäre z. B. in der orthodoxen Liturgie gänzlich unmöglich;
ebenso gibt es in der gesamten römischen Liturgiegeschichte für eine solche „Feier“ auch kein einziges
Beispiel. Desweiteren: das dem Menschen als Geschöpf angemessene ist die adoratio Dei, die Ausrichtung
auf die Anbetung Gottes. Steht bei solchen „Feiern“ nicht doch der Mensch im Mittelpunkt, dem laut Tagesgebet
Gott die Erkenntnis schenken soll, schöner als alle Blumen zu sein. Bei weitem nicht jede Neuerung ist
sinnvoll, und hier muss sorgfältig abgewogen werden. Gerade in der Liturgie wird oft bloß um des Modernseinwillens
munter gebastelt, um angeblich auf den heutigen Menschen einzugehen. Ich denke, genau dies ist bei obiger
Feier auch der Fall.
Stimme aus Wien Es wäre dann vielleicht besser, vom „Urgrund allen Seins“ zu sprechen. Oder aber man
lässt die schönen klassischen Gottesprädikationen der römischen Liturgie, wie sie sich schon in den
frühen Sakramentaren finden, einfach stehen, wie z. B. omnipotens, aeterne Deus u. s. w. Denn es gilt
immer: „Wir können nur von den Geschöpfen her und gemäß unserer beschränkten menschlichen Erkenntnis-
und Denkweise von Gott sprechen“. Gerade aus diesem Grund ist der Terminus „nichts“ aber so schwierig…
Stimme aus Wien Dennoch bleibt der Begriff „Nichts“ als Aussage über Gott in einem in der Liturgie verwendeten
Gebet unklar und gefährlich zweideutig; natürlich entzieht sich Gott im letzten menschlichen Begriffen
und allem menschlichem Begreifen. Jedoch kann der Terminus „Nichts“ auch so aufgefasst werden, als ob
Gott uns völlig unbekannt ist, dass wir folglich „nichts“ über ihn aussagen könnten. Und dies gilt
ja weder ope naturalis rationis noch erst recht ope revelationis, auch wenn Gott in seiner Unendlichkeit
selbstverständlich niemals bis ins letzte verstanden werden kann. In Jesus Christus aber ist Gott Mensch
geworden und hat sich selbst offenbart, denn Jesus Christus ist das Wort des ewigen Vaters, durch das
alles geschaffen ist. Davon abgesehen bedürfte die Anrufung Gottes als „Nichts“ eines langen theologischen
Kommentars und die Gefahr, ein falsches Gottesbild zu verkünden, ist einfach zu groß. Im übrigen bedürfen
alle liturgischen Texte einer kirchlichen Approbation, die diese Oration bestimmt nicht hat. Denn ein
Priester darf keine eigenen formulierten Orationen und Hochgebete verwenden. Neben dem theologischen steht
also ein kräftiges liturgierechtliches Problem.
Schrift und Tradition gehören zusammen! @Stimme aus Wien Ich fürchte, dass dieser Event nicht nur hinsichtlich
seiner Gestaltung antiliturgisch ist, sondern dass ihm auch ein anderes Gottesbild als das christlich-biblische
zugrunde liegt. Die Bezeichnung Gottes als „Nichts“ dürfte weder in der Hl. Schrift noch in der Tradition
irgendeinen Beleg haben, sieht man einmal von der Bezeichnung heidnischer Götter als „Nichtse“ ab, was
aber eine völlig andere Sache ist. Selbst in der theologia negativa wäre die Aussage, Gott sei ein Nichts,
nicht denkbar. Im übrigen sind die verschiedenen Ordensgründungen keine Revolutionen, sondern als Reformbewegungen
zu sehen, die sich oft gegen eine verweltlichte Kirche gerichtet haben, so z. B. die Cluniazensische Reform.
Solche Bewegungen sind sicherlich auch heute nötig, denn was ist wohl verweltlichter und säkularer als
ein solcher Event, wie er hier „gefeiert“ worden ist.
Zerstörung der Liturgie Dass sich die Liturgie entwickelt hat, ist doch gar nicht das Thema. Hierzu empfehle
ich für einen kurzen Überblick etwa von Th. Klauser „Kleine abendländische Liturgiegeschichte“. Doch
es gibt selbstverständlich auch in der so langen Liturgiegeschichte immer wieder Missstände, Verwilderungen
und Entartungen. Und in diese Kategorie gehören eindeutig solche Menschendienste, wie sie hier offensichtlich
praktiziert worden sind. Denn dass solche Feiern dem Geist der römischen Liturgie völlig widersprechen,
dürfte jedem klar sein, der sich nur ein bischen mit Liturgiegeschichte bzw. auch dem geltenden liturgischen
Recht beschäftigt hat. Gerade also denen, die zumindest vorgeben, dies getan zu haben, müsste auffallen,
dass diese Veranstaltung mit der offiziellen Liturgie, wie sie in den liturgischen Büchern der römischen
Kirche vorgeschrieben ist, nichts mehr zu tun hat, es sei denn, dass jemand nachweisen kann, dass z. B.
das zitierte Tagesgebet dem Missale Romanum entnommen ist. Es handelt sich folglich um schwere Verstöße,
die sofort zu ahnden sind.
Verwüstung an heiliger Stätte Schrecklich, wenn man sieht, wie die hl. Liturgie lächerlich gemacht
und zu einem kraftlosen Zerrbild ihrerselbst wird. Wahrscheinlich berufen sich die Initiatoren solcher
Festivitäten auch noch auf das 2. Vatikanum. Man muss sich klar machen, dass solche Exzesse offenkundige
Verstöße gegen die liturgische Ordnung der Kirche sind. Von Seiten der Hierarchie muss man entsprechend
dagegen vorgehen. Denn wenn auf der einen Seite solche Dinge geduldet werden, die große liturgische Tradition
jedoch beargwöhnt wird, läuft die Kirche Gefahr, weiter an Autorität zu verlieren. Aber dass es auch
anders geht, kann jeder sehen, der diese Woche in Köln eines der schönen lat. Hochämter bzw. Pontifijalämter
in St. Maria in der Kupfergasse in Köln besucht. Ein Silberstreufen am Horizont…
Schwierige Situation Wenn man so liest, was in manchen Pfarreien aufgrund eines kirchenmusikalisch uninteressierten
und völlig ahnungslosen Klerus so los ist, kann man selbst sehr zufrieden sein. Ich spiele in der hl.
Messe jeweils vor der Hl. Messe, zur Kommunion und zum Auszug ein Orgelstück, sehr häufig auch ein Stück
zum Offertorium. Die Orgelmusik soll doch die Hl. Riten mit größerer Feierlichkeit umgeben und die Herzen
der Menschen zu Gott führen. Da ich auch die Liedauswahl vornehme, singen wir viele schöne alte Kirchenlieder,
auch solche, die im Gotteslob leider nicht mehr vorhanden sind: „Hier liegt vor deiner Majestät“, „Oh
Christ hie merk“ u. a. Das einzige Problem ist die lat. Liturgie, da ein richtiges lat. Hochamt am Widerstand
einiger Kleriker scheitert. Aber häufiger wird das Credo lat. gesungen, manchmal auch die Missa de angelis.
Doch natürlich hängt dies alles vom entsprechenden Zelebrant ab. Die einen haben viel Freude an der
Liturgie und am Gesang, singen selbst auch Orationen und Präfationen, so dass es eine sehr festliche
Liturgie ist, andere sind der festen Überzeugung, „Schönster Herr Jesu“ könne man heute doch nicht
mehr singen und haben für große Liturgie kein Gespür. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden und erhalte
auch viel Zuspruch von den Gläubigen. Unsere Gottesdienste sind auch sehr gut besucht. Vielleicht kommt
der glückliche Umstand hinzu, dass es sich um keine Pfarrkirche handelt, so dass mir die „tollen“ Familien-
oder Jugendgottesdienste erspart bleiben.
Traurig… @Gotthard Formal richtig, dennoch ist es traurig, weil eine Kirche nun einmal für die Anbetung
und Verherrlichung Gottes erbaut wurde. Ist es nicht traurig, wenn es ehemalige Kirchen gibt, in denen
etwa ein Cafe eingerichtet ist. Irgendwie bezeichnend für die Metaphysikvergessenheit und den Diesseitsbezug
unserer Zeit…
Vigil Die Musik hat mir persönlich teilweise gar nicht nicht gefallen, die ich nur als Tribut an den
Massengeschmack begreifen kann. Vor allem die „rockige Version“ des Liedes des Moses und die Begleitmusik
des Jongleurs waren im Rahmen eines Gottedienstes einfach nur schrecklich. Der schöne Hymnus des Thomas
von Aquin „Adoro te devote“ wurde zu einem musikalischen Rührstück sondersgleichen. Hätte man ihn nicht
wie auch das „Tantum ergo“ choraliter singen können? Wie dieser Hymnus erklang, wurde es sehr feierlich.
Ob die Musik „auf der Höhe der Zeit“ war, weiß ich nicht. Denn schließlich ist das, was heute angesagt,
morgen doch schon wieder vorbei. Ich bin sicher, dass unser Papst Benedikt, der Mozart doch so sehr liebt,
dessen Bruder ein großer Kirchenmusiker ist, bei manchem musikalischen Beitrag innerlich gelitten hat.
Dass die Vigil insgesamt doch bewegend war, dürfte zum einen an der schönen Lichteratmosphäre liegen,
in aller erster Linie jedoch an Papst Benedikt, durch seine Predigt und seine würdige und tieffromme
Ausstrahlung die Herzen der Gläubigen erreichte. Beeindruckend, wie er den eucharistischen Segen erteilte.
Vivat Bendictus XVI.
Pontifikalvesper Ich war gestern in der Pontifikalvesper um 14 Uhr in Maria Hilf. Es war sehr würdig
und beeindruckend, wie die jungen Leute der Hl. Liturgie sehr andächtig gefolgt sind. Auch waren es junge
Leute, die den Choral gesungen haben. Ich bin wirklich sehr beeindruckt.
Durchdacht! Als „Fachtheologe“ scheinen mir die Überlegungen recht durchdacht und bedenkenswert zu sein.
Zu manchen Punkten bin ich in meinen Überlegungen auch gelangt. Natürlich dürfte die Durchsetzung schwierig
sein, aber nicht unmöglich. Wichtig wird es hierbei sein, die Liturgie in angemessener Weise zum Gegenstand
der katechetischen Unterweisung zu machen. Das Bewußtsein für die Sakralität der Liturgie muss wieder
vermittelt werden.
Kultsprache Latein ist die Kultursprache der westlichen Kirche, die die vielen Jahrhunderte der Kirchengeschichte
auf wunderbare Weise untereinander verbindet. Dies gilt nicht nur für die Liturgie, sondern auch für
die gesamte westliche Theologie und das Kirchenrecht. Sehr viele große Theologen, wie Cyprian, Augustinus,
Anselm. Thomas von Aquin, Bonaventura, Bellarmin u.v.a. haben ihre Darlegungen in lateinischer Sprache
verfasst. Latein ist die Sprache der Konzilien und Synoden. Darüber hinaus ist Latein seit der Antike
Amtssprache der römischen Kurie. Natürlich hat auch das Griechische seine große Bedeutung als Sprache
des NT, als liturgischer und theologischer Sprache der griechischen Orthodoxie. Was die Liturgie betrifft:
Über 1600 Jahre war die lateinische Sprache die nahezu einzige Liturgiesprache des Westens. Dies bringt
es mit sich, dass sie untrennbar mit der römischen Liturgie verbunden ist. Man denke etwa an den erhabenen
gregorianischen Choral, an die klassische Vokalpolyphonie, denen natürlich lateinische Texte zugrundeliegen.
Die lateinische Sprache kann somit mit vollem Recht als lingua Ecclesiae bezeichnet werden. Man muss zu
einem überzeugenden Miteinander von lateinischer Sprache und den verschiedenen Volkssprachen in der Liturgie
finden. Die völlige Verdrängung des Lateinischen in der Liturgie ist gegen die Liturgiekonstitution.
Ein Vorkosten der himmlischen Herrlichkeit Lieber W_DS! „Wozu überhaupt Messgewänder? Tut es denn eine
normale Priestersutane nicht?“ Hier muss man differenzieren: Die Priestersoutane ist gleichsam die Alltagskleidung
des Priesters, die heute jedoch sehr selten getragen wird, sieht man einmal von der Tradition besonders
verpflichteten Gemeinschaften ab. Messgewänder gehören dagegen zur liturgischen Kleidung und somit dem
cultus divinus vorbehalten. Die liturgischen Gewänder sind ein Ausdruck der Ehrfurcht vor dem Heiligen;
wie man auch in profanen Kontexten zu besonderen Festen besondere Kleidung trägt, so ist dies auch im
sakralen Raum. Sie sind natürlich kein Selbstzweck, sondern besitzen wie alles in der Liturgie Verweischarakter
auf die himmlische Welt, ja auf die Schönheit und Erhabenheit Gottes selbst. Natürlich erhöhen sie
die Feierlichkeit der Hl. Handlungen und helfen zusammen mit anderen Elementen dem Menschen, sich für
eine höhere Wirklichkeit zu öffnen. Man darf den Gottesdienst der Kirche nicht gegen soziale Aktivitäten
ausspielen. Beides gehört zum unaufgebbaren Auftrag der Kirche, die Verehrung Gottes und der Dienst für
die Menschen. Überleg doch mal, welcher Aufwand getrieben wird, wenn ein Politiker oder König zu Gast
kommt. Um wieviel mehr muss man sich in allem bemühen, wenn der Mensch gleichsam in der Liturgie vor
die himmlische Majestät Gottes tritt. Und dazu gehört auch – natürlich nicht nur!! – eine würdevolle
und ästhetische liturgische Kleidung!
Wirklich „bestechend“ ;-( Man meint, dass es in Deutschland keine Messgewänder mehr gibt. Warum muss
man 4000 (!) Messgewänder bestellen? In so vielen Kirchen sind wirklich schöne und würdige Paramente
vorhanden, die aber häufig aus ideologischen Gründen in den Schränken vollstauben. „Bestechend“ sind
die neu angefertigen Kaseln nun wirklich nicht. Eher langweilig und einfallslos. Sie wirken sehr steril
und bieder. Gerade für einen feierlichen Abschlussgottesdienst hätte man zumindest für den Hl. Vater
und die unmittelbare Altarassistenz auch schöne, feierliche Paramente verwenden können. In Köln gibt
es etwa die sog. „Capella Clementina“ aus dem 18. Jahrhundert, die mehrere Kaseln, Dalmatiken und Chormäntel
umfasst. Natürlich soll man die Frage der Paramente nicht überbewerten und erst recht nicht isolieren.
Zur würdigen und sakralen Liturgie gehören natürlich noch viele andere Momente. Aber trotzdem sollte
man nicht vergessen, dass auch die Paramente – wie auch der Kirchenbau, die musica sacra – ihren Beitrag
dazu liefern, die himmlische Herrlichkeit, den alles überstrahlenden Glanz und die vollkommene Schönheit
der Transzendenz Gottes schon in dieser Welt ein wenig erfahrbar zu machen. Sehr schade, Isidorus
Conversi ad Dominum Auch hier noch einmal ein kleiner Hinweis auf Literatur zu diesem Thema: Uwe Michael
Lang, Conversi ad Dominum. Zur Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung. Freiburg 2005.
(Mit einem Vorwort von Joseph Cardinal Ratzinger!) Das Buch ist gut zu lesen, vermittelt einen prägnanten
Überblick und enthält Hinweise auf weiterführende Literatur. Isidorus
Conversi ad Dominum Eine interessante Untersuchung zu dieser Fragestellung ist folgendes kleine Büchlein:
Uwe Michael Lang, Conversi ad Dominum. Zur Geschichte und Theologie der christlichen Gebetsrichtung. Freiburg
2005. (Mit einem Vorwort von Joseph Cardinal Ratzinger!) Eine formale Verpflichtung zur celebratio versus
populumbesteht indes nicht. Auch an einem sog. Volksaltar kann selbstverständlich versus orientem gefeiert
werden. In der Einführung zum Missale Romanum 1969 ist die Zelebration versus populum eine Kann-Bestimmung.
In der Liturgiekonstitution wird über eine Änderung der Zelebrationsrichtung nichts gesagt. An diesen
Beispielen zeigt sich deutlich, dass eine kritische Reflexion über das Verhältnis heutiger liturgischer
Praxis zur Liturgiekonstitution einerseits und der nachkonziliaren Liturgiereform andererseits nötig
ist. Dies gilt u. a. auch für die Frage der lat. Kultsprache, die entgegen dem ausdrücklichen Willen
der Konzilsväter nahezu eliminiert worden ist, und der Kirchenmusik, die leider wiederum gegen den Willen
des Zweiten Vatikanums an vielen Orten in einer tiefen Krise steckt. Eine „Reform der Reform“, wie sie
Papst Benedikt XVI. versteht, wäre also an der Zeit, die den garstigen Graben zwischen „vorkonziliar“
und „nachkonziliar“ endlich überwindet und die Sakralität der Liturgie und ihre Ausrichtung auf die
Verehrung der himmlischen Majestät Gottes als ihren Wesenskern entdecken hilft. Isidorus