Nach einem Bericht des evangelischen Nachrichtendienstes „idea“ ist der berühmte Papyrologe überraschend gestorben.
(kreuz.net/idea, Paderborn) Der evangelikale Theologe und Buchautor Carsten Peter Thiede ist tot. Der
in Berlin geborene Literaturwissenschaftler, Historiker und Papyrologe starb gestern überraschend im
Alter von 52 Jahren. Thiede war auch als anglikanischer Militärkaplan der britischen Streitkräfte in
Paderborn tätig.
Bekannt wurde Thiede unter anderem durch die archäologische Lokalisierung des im Neuen
Testament erwähnten Dorfes Emmaus. In seinen Arbeiten über den Text des Neuen Testamentes konnte er
auch immer wieder die Historizität der Texte und ihrer Inhalte nachweisen.
Carsten Peter Thiede unterrichtete
„Umwelt und Zeitgeschichte des Neuen Testaments“ an der privaten Theologischen Hochschule Basel (STH),
die in Riehen (bei Basel, Schweiz) beheimatet ist. Er hatte auch einen Lehrauftrag im Fachbereich Geschichte
an der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva (Israel).
Außerdem leitete er nach Angaben des evangelischen
Nachrichtendienstes „idea“ die Außenstelle Deutschland und Europa des israelischen Zentrums für deutsche
Studien.
Internationales Aufsehen erregte Thiedes Buch „Der Jesus-Papyrus“. Darin behandelte er die drei
Stücke des in England aufbewahrten Magdalen Papyrus (P64), die bisher auf das Jahr 200 n. Chr. datiert
worden waren. Aufgrund von Handschriftenvergleichen forderte Thiede eine Neudatierung um das Jahr 70 n.
Chr.
Thiede untersuchte auch die in Rom aufbewahrte Holztafel vom Kreuz Jesu Christi mit der Aufschrift
‘INRI’ und wies deren Echtheit nach. In seinem letzten Buch „Jesus und Tiberius. Zwei Söhne Gottes“ plädiert
er für eine Beschäftigung mit der Bibel in den Ursprachen.
Im Jahr 2000 führte Thiede mit dem Göttinger
Neutestamentler Prof. Gerd Lüdemann, der die Auferstehung Jesu Christi leugnet, ein viel beachtetes Streitgespräch.
Thiede war bis 1988 Studienleiter der Christlichen Medienakademie (Wetzlar), danach Lektor beim R. Brockhaus
Verlag (Wuppertal) und Mitarbeiter des Evangeliums-Rundfunks (Wetzlar).
Von 1993 bis 1998 leitete er
das Institut für wissenschaftstheoretische Grundlagenforschung des Deutschen Instituts für Bildung und
Wissen in Paderborn. Danach konzentrierte er sich auf Lehr- und Vortragstätigkeiten.
Carsten Peter Thiede
hinterläßt seine Ehefrau Franziska und drei schulpflichtige Kinder. Requiescat in Pace.
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5 Lesermeinungen
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Prof. C.P.Thiede Er ruhe in Frieden! Ich hoffte immer, er werde bald einmal katholisch – seinen Veröffentlichungen
nach war er nahe daran. Offenbar ist es dem lieben Gott estwas zu lange gegangen und er hat die Sache
jetzt selber in die Hand genommen…
#4 Copertino 10:42:20 | Donnerstag, 16. Dezember 2004
Ich verdanke seinen Büchern viel Gerade weil Prof. Thiede in so unglaublich vielen Bereichen beheimatet
war und er so spannend zu formulieren vermochte, gelangen ihm wie wenigen zeitgenössischen Forschern
immer wieder überraschende Schlüsse mit Breitenwirkung, die auch für den persönlichen Glauben fruchtbar
gemacht werden konnten. Seine Auseinandersetzung mit Gerd Lüdemann (oben erwähntes Buch) entlarvt die
Plattheit der Textkritiker-Theologengeneration in der Bultmann-Nachfolge wie kein zweites und ist jedem
zu empfehlen. R.I.P.
#1 Catholicus 21:50:51 | Mittwoch, 15. Dezember 2004
Nachruf auf einen großen Forscher Ein zugleich gläubiger wie auch der Wissenschaft verpflichteter Forscher
ist tot. Möge sein Erbe Beachtung finden und fortgesetzt werden!