„Besonders grausam“
Ein Ex-Jesuit als Polizeichef
Ein von der Gesellschaft Jesu ausgeschlossener Jesuit kontrolliert seit Januar die Polizei des bolivianischen Präsidenten Evo Morales.
(kreuz.net) Rafael Puente Calvo (66) ist eine ungewöhnliche Persönlichkeit.

Zunächst versuchte er als Priester und Ordensmann eine Synthese zwischen dem Katholizismus und dem – inzwischen verstorbenen – Marxismus herzustellen.

Doch das Experiment kostete ihm die Mitgliedschaft in der Gesellschaft Jesu.

Jetzt leitet er die bolivianische Polizei, die er im Auftrag von Präsident Evo Morales reorganisieren soll.

Am 27. Januar wurde Rafael Puente Calvo – mit erhobener Faust und bekleidet mit einer Nylonjacke – als einer der drei Stellvertreter der bolivianischen Innenministerin Alicia Muñoz vereidigt.

Puento wurde 1940 in der südbolivianischen Ortschaft Pairumani geboren. Die letzten fünf Jahre des Gymnasiums verbrachte er in Vigo – 85 Kilometer südlich von Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens.

Er trat bei den Jesuiten ein und studierte danach im spanischen Salamanca Literatur, Philosophie und Psychologie.

Als Scholastiker der Jesuiten unterrichtete er zwei Jahre in einem Gymnasium des Ordens im spanischen León im Nordwesten von Spanien. Dort war einer seiner Schüler der junge Mariano Rajoy, der heute die große oppositionelle Mitterechts-Partei ‘Partido Popular’ anführt.

Während dieser Zeit arbeitete der junge Jesuit auch einen Sommer in einer Mine.

Danach kehrte er als Missionar nach Bolivien zurück. Dort geriet er in die Fänge der extremen Linken. Wegen seiner marxistischen Ideen wurde er schließlich aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen.

Heute nennt er sich Philosoph und Psychologe.

Puente war Menschenrechtsaktivist und ehemaliger Abgeordnete der Izquierda Unida – der Vereinigten Linken. In der Vergangenheit war er verantwortlich für ‘Bolivia Press’ und Berater verschiedener sozialer Projekte für Landgebiete.

Von Puento sind Perlen wie die folgende überliefert:

„Das Zölibat ist eine monströse und heuchlerische Institution, die den Glauben des Volkes an seine Kirche schwächt und unter den Priestern, die mit der erzwungenen Abstinenz nicht einverstanden sind, in ihrer echten christlichen Berufung Frustration erzeugt.“

Nach Puente ist der Zölibat schon de facto abgeschafft, wenn man die Entgleisungen und die sexuelle Perversion vor allem beim höheren Klerus oder die Tolerierung von Ehe und Vaterschaft im niederen Klerus betrachte.

„Das einzige was fehlt ist, das Thema mit Ehrlichkeit und Transparenz anzugehen.“

Der bolivianische Präsident Evo Morales schlug den Ex-Jesuiten für die neue Aufgabe vor, weil er eine „unbestechliche und entschlossene Persönlichkeit“ benötigte, um die schlechtbezahlte und unzuverlässige Polizei des Landes zu reorganisieren.

In der neuen bolivianischen Regierung gehört Puente zu den Hardlinern. So fand er scharfe Worte gegen die ‘Organisation der amerikanischen Staaten’ (OEA):

„Seit seiner Gründung waren die OEA ein institutionalisierter Vorwand, den die Vereinigten Staaten benützen, wenn sie daran interessiert waren, ihr Gesicht zu wahren.“

„Darum rührte die OEA keinen Finger, um das sandinistische Nicaragua vom selbstmörderischen nordamerikanischen Krieg zu verteidigen. Darum hat die Organisation auch keinen Finger gerührt, um im Rahmen des ‘Interamerikanischen Vertrag für gegenseitige Hilfeleistung’ Argentinien im Angesicht der britischen Invasion der Falkland-Inseln beizustehen usw. usw.“

„Die OEA ist nichts anderes als das Kolonialministerium der Vereinigten Staaten.“

Eine katholische Wochenzeitung in Argentien kommentiert die Ernennung von Puentes: „Wenn die Revolutionäre einen Beamten benötigen, der seine ideologischen Vorstellungen mit außergewöhnlicher Grausamkeit durchführt, benützen sie dafür gewöhnlich einen abgefallenen Priester.“
      
9 Lesermeinungen
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#9   Maurice Corvisier   07:51:18 | Dienstag, 13. Juni 2006
Tröstlich!
Mag der Dämon auch mit seiner großen Intelligenz – schließlich ist er ein gefallener Engel –
hier jegliche Sperre überwinden,
Lügen, Halbwahrheiten und trügerische Glücksversprechen (soviel Griechisch können wir auch) verbreiten,
geschickt versteckt Zweifel und Verwirrung säen:
es macht nichts! Irgendwann erschallt der Donnerruf: QUIS UT DEUS? Ich höre ihn schon, in der Ferne …
Bis dahin: mane nobiscum, Domine!
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#8   Karl Murx   14:08:23 | Montag, 12. Juni 2006
Und ich glaub’ an die Bibel, echt!
Brauche ich wohl auch nicht abzuschreiben! Hilft aber in der Sache nichts.
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#7   stat crux   14:02:35 | Montag, 12. Juni 2006
Psst!
Geheimtipp: Kompendium zum Katechismus der katholischen Kirche. Brauche ich wohl nicht abzuschreiben.
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#6   Karl Murx   13:56:35 | Montag, 12. Juni 2006
Damit lassen Sie aber weiterhin alle Rätsel offen
Hier möchten sicher noch andere als ich wissen, -auch ihre heimlichen Symphatisanten-, wer Gott für Sie ist. Welche Ekklesiologie haben Sie, etc.?
Sobald Sie präzise werden müssen, bekommen Sie Muffensausen.
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#5   stat crux   13:49:50 | Montag, 12. Juni 2006
Ist auch gar nicht nötig,
Katholiken müssen nicht alles besser wissen. Zur Not kann man auch einfach mal die Klappe halten und die Sache dem Herrn anempfehlen. Panik bricht doch nur bei denen aus, die das Vertrauen in die Güte verloren haben; und sei es auch nur, weil sie Güter verloren haben.
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#4   Karl Murx   13:46:58 | Montag, 12. Juni 2006
Einwände zur Sache, Mann!
Otterbeck, über Ätsch-Bätsch-Rabulistik kommen Sie nicht hinaus.
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#3   stat crux   12:24:33 | Montag, 12. Juni 2006
Ath.:
Und Sie halten sich für religiös??
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#2   Athanasius   12:18:13 | Montag, 12. Juni 2006
Da hört man…
…plötzlich keinen der Sozialisten und Liberale zur „Trennung von Kirche und Staat“. So etwas darf also wohl sein? Natürlich. Wenn’s um guten Einfluss der Kirche geht, dann soll sie dem Liberalismus weichen (oder dem SA-Mann, sieh 1933), wenn’s aber den Linken und Totalitären fördert, dann darf es so sein.
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#1   Ralf B. †   11:52:31 | Montag, 12. Juni 2006
Stimmt
Nach Puente ist der Zölibat schon de facto abgeschafft, wenn man die Entgleisungen und die sexuelle Perversion vor allem beim höheren Klerus oder die Tolerierung von Ehe und Vaterschaft im niederen Klerus betrachte.
„Das einzige was fehlt ist, das Thema mit Ehrlichkeit und Transparenz anzugehen.“
Stimmt.
Übrigens beweisen alle vorhandenen Gerichtsakten aus vergangenen Jahrhunderten, dass es der katholische Klerus mit dem Zölibat nie so wirklich ernst genommen hat.
In diesem Punkt ist dem Herrn also voll zuzustimmen.
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