Kopfgeld: Todesurteil gegen Salman Rushdie erneuert
Im September 1988 publizierte der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie seinen Roman „Satanische Verse“ und geriet damit bei Moslems unter Blasphemieverdacht. Seither ist ein 2 Millionen Euro Kopfgeld auf ihn ausgeschrieben.
(kreuz.net, Teheran) Am vergangenen Sonntag erklärte eine iranische Tageszeitung, daß das „göttliche
Verdikt“ immer noch über dem Haupt des britischen Romanschriftstellers Salman Rushdie (57) hänge. Die
Zeitung machte die Aussage in einer besonderen Ausgabe anläßlich des 16. Todestages des Revolutionsführers
Ayatollah Ruhollah Khomeini.
Ayatollah Khomeini verhängte im Jahre 1989 ein Todesurteil über den Schriftsteller,
weil er in seinem Roman „Satanische Verse“ den Propheten Mohammed beleidigt hätte. Seither lebt Rushdie,
welcher der okkulten Szene nahesteht und letztes Jahr zum vierten Mal heiratete, im Verborgenen. Rushdie
entstammt einer moslemischen Familie aus Bombay, einer großen Hafenstadt in Westindien.
„Ein göttliches
Verdikt verliert seinen Wert nicht im Laufe der Zeit“, sagte die iranische Tageszeitung nach Angaben der
„Middle East Times“. Die Zeitung publizierte auch eine Karikatur, auf welcher der Autor der „Satanischen
Verse“ als Satan dargestellt ist.
Das Presseorgan stellte sich damit hinter Stellungnahmen von Ayatollah
Ali Khamenei, dem gegenwärtigen starken Mann im Iran. Erst letzten Monat hatte Ayatollah Khamenei erklärt,
daß Rushdie es immer noch verdiene zu sterben.
„Sie sprechen über den Respekt für alle Religionen,
aber sie unterstützen einen Abtrünnigen wie Rushdie, der den Tod verdient“, sagt Khamenei am 19. Januar
in einer Botschaft an iranische Pilger.
Die Tageszeitung zitierte auch eine Stellungnahme der iranischen
Revolutionsgarden: „Die Moslems haben Beleidigungen gegen ihre heiligen Werte niemals akzeptiert. Der
Tag wird kommen, an dem sie den Apostaten Rushdie für seine skandalösen Handlungen und Beleidigungen
des Koran und des Propheten Mohammed bestrafen werden.“
Während der liberaleren Präsidentschaft von
Mohammad Khatami, der sein Amt 1997 antrat, hatte sich die iranische Führung von der Anweisung, Rushdie
zu töten, distanziert.
1998 versprach der damalige iranische Außenminister, daß der Iran nichts unternehmen
werde, um die Fatwa (Todesstrafe) gegen Rushdie in die Tat umzusetzen.
Die Khordad-Stiftung in Teheran
hat ein Kopfgeld von über zwei Millionen Euro auf Rushdie ausgesetzt. Erst letztes Jahr bestätigte ein
Sprecher der Stiftung, daß die Fatwa nach wie vor gültig sei.
Email-Adressen der Empfänger
2 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Salman Rushdie beleidigt auch das Christentum Der Islam ist in keinster Weise in Bedrängnis. Es ist überaus
wichtig zu betonen, dass Salman Rushdie in seinem Machwerk nicht nur den Islam, sondern auch das Christentum
beleidigt hat! Warum wird das nie gesagt?! Und warum informieren sich Christen nicht genug zu diesem Thema?
Ist es ihnen etwa im Großen und Ganzen egal geworden, wenn ihre Religion beleidigt wird? Das ist sehr
traurig…
#1 Yersinia 19:26:35 | Donnerstag, 17. Februar 2005
ganz offensichtlich ist der Iran zur Zeit etwas in Bedrängnis geraten da ist das Hervorholen religiöser
Themata ein willkommenes Mittel der Ablenkung – funktioniert ja in anderen Staaten und Kulturen auch ganz
prächtig. Auf jeden Fall ist der Islam in der wahrscheinlich ärgsten Krise seit seinem Bestehen – gerade
sehr traditionelle Kulturen erleben gesellschaftliche Wandlungen oft chaotisch und katastrophal.